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Letzte Ruhe im fremden Land: Der ermordete David Dragičević wird ein zweites Mal beerdigt

Letzte Ruhe im fremden Land: Der ermordete David Dragičević wird ein zweites Mal beerdigt
Davids Vater Davor Dragičević am Sarg seines Sohnes.
Einige atmeten auf, andere seufzten, viele weinten: In Österreich wurde David Dragičević beerdigt. Seine Eltern hatten den Leichnam in Banja Luka exhumieren lassen. Der 21-Jährige wurde vor einem Jahr ermordet, und viele glauben, dass der Staat darin verwickelt ist.

von Marinko Učur, Banja Luka

Da sie nicht auf das Verständnis der Staatsorgane zur Entlarvung und zur strafrechtlichen Verfolgung des Mörders ihres damals 21-jährigen Sohnes David stießen, entschieden sich die Eltern zu diesem ungewöhnlichen Schritt und sandten damit die eindeutige Botschaft, dass sie den Regierungsbehörden und den Justizorganen der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina nicht trauen.

Täglich demonstrieren in Banja Luka  Menschen für die Aufklärung des Mordes an David Dragičević.

Das Tragische dabei ist, dass der Vater des ermordeten Jungen, nämlich Davor Dragičević, seit einem Jahr auf die Verbindung der Mörder zu hochrangigen Polizeibeamten hinweist, die er somit auch des Mordes und der Verbindungen zur Staatsanwaltschaft bezichtigt. Denn die hat nach einem Jahr immer noch keine Anklage erhoben.

In dem Land, in dem mein Sohn geboren wurde und in dem er getötet wurde, gibt es keine Gerechtigkeit und Wahrheit, und daher wird mein David in einem fremden Land ruhen, in Österreich, damit ich zu seinem Grab kommen und eine Kerze anzünden kann", sagte der Vater. "Und mein Kampf und der Kampf von uns allen von der Gruppe "Gerechtigkeit für David" wird nicht aufhören, bis die Mörder und Verbrecher die verdiente Strafe erhalten.

Davor Dragičević lebt in einer Art Exil, weil zwischenzeitlich die Polizei der Republika Srpska gegen ihn eine Strafanzeige eingereicht hatte. Tatsächlich aber suchte er den Worten eines Mitgliedes der Gruppe "Gerechtigkeit für David" zufolge "an einem sicheren Ort" Zuflucht, weil seine Sicherheit in der Republika Srpska gefährdet sei. Aus dem Exil wandte sich Davor häufig über soziale Netzwerke an die Medien und die Öffentlichkeit und kündigte die Exhumierung seines ermordeten Sohnes und den Transport seiner sterblichen Überreste nach Österreich an, wo die Mutter des verstorbenen jungen Mannes schon länger lebt.

Viele kamen am vergangenen Wochenende in die Wiener Neustadt, um von David Dragičević noch einmal Abschied zu nehmen. Darunter Hunderte von Bürgern mit Herkunft aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Unter ihnen war auch Valentin Inzko, Leiter des Office of the High Representative (OHR), also Hoher Repräsentant der internationalen Gemeinschaft für Bosnien und Herzegowina, ebenfalls ein Bürger Österreichs.

Im Rahmen der Trauerfeierlichkeiten sagte Ozren Perduv von der Gruppe "Gerechtigkeit für David", dass die Beerdigung in Österreich keine Überraschung sei, da Davids Eltern diesen Schritt seit Monaten erwogen hätten, falls die Ermittlungen nicht ins Rollen kommen. (Perduv spricht in der Mitte des folgenden Videobeitrags, der auch die Exhumierung zeigt).

In der Zwischenzeit sind mit dem Fall "Dragičević" die meisten Institutionen der Europäischen Union vertraut. Sogar der österreichische EU-Kommissar (u.a.) für Erweiterungsverhandlungen Johannes Hahn hat die Regierungsbehörden von Bosnien und Herzegowina aufgerufen, die Mörder zu entlarven und zu bestrafen und die Dämonisierung und Verfolgung von Bürgern einzustellen, die seit einem Jahr in friedlichen Kundgebungen die "Gerechtigkeit für David" unterstützen.

Vor nicht allzu langer Zeit setzte die Polizei auf dem Hauptplatz in Banja Luka brutale Gewalt ein, um die Teilnehmer der täglichen Proteste zu zerstreuen. Die Szenen des Polizeieinsatzes, bei dem auch die Eltern von David festgenommen wurden, gingen um die Welt. In der Zwischenzeit sucht die Öffentlichkeit immer noch nach der Wahrheit und fordert Gerechtigkeit sowie die Einhaltung rechtstaatlicher Grundsätze. Der Tod von David Dragičević ist längst zu einem überregionalen Thema geworden und zeugt von der Unfähigkeit einer Übergangsgesellschaft, die im Zangengriff zwischen Politik und Korruption steckt.

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