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"Wie man einen Juden erkennt": Polnische Zeitung schockt mit antisemitischem Aufmacher

"Wie man einen Juden erkennt": Polnische Zeitung schockt mit antisemitischem Aufmacher
Der Abgeordnete Michal Kaminski mit der unsäglichen Zeitung.
Da dürften die Abgeordneten ihren Augen nicht getraut haben: Im Kiosk des Parlaments wurde eine Ausgabe der Wochenzeitung "Tylko Polska" mit der Schlagzeile "Wie man Juden erkennt" angeboten. Ziel des Artikels: Aufklärung über "Desinformationsaktivitäten der Juden".

von Timo Kirez

Die rechtsgerichtete polnische Wochenzeitung Tylko Polska ("Nur Polen") sorgt für einen handfesten Skandal in Polen, nachdem sie mit dem Aufmacher "Wie man einen Juden erkennt" titelte. Und auch die mitgelieferte Motivation hinter dem Artikel liest sich wie eine Reminiszens an dunkelste Zeiten: Der Leser solle anhand von "Namen, anthropologischen Merkmalen, Ausdrücken, Erscheinungen, Charakterzügen und Verhaltensweisen der Juden" besser die "Desinformationsaktivitäten der Juden" erkennen lernen.

Zudem fragt der Artikel unverblümt: "Wie können sie besiegt werden?" Denn: "Das kann nicht mehr so weitergehen!". Die Titelseite zeigt ein Foto des in Polen geborenen US-Historikers Jan Gross, der sich mit der polnischen Willfährigkeit beim Holocaust während der Nazi-Okkupation beschäftigt, was ihn regelmäßig zu einer Zielscheibe rechtsextremer Kräfte in Polen macht.

Mateusz Morawiecki bei einer Rede im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz II-Birkenau

Die von einem lokalen nationalistischen Politiker herausgegebene Zeitung wurde offen an einem Kiosk im polnischen Parlamentsgebäude verkauft, wo sie vom Abgeordneten Michal Kaminski entdeckt wurde. "Ich halte es für einen absoluten Skandal, dass solche obszönen Zeitungen hier im Sejm verkauft werden, als ob sie direkt aus der Presse der Nazizeit stammen", sagte der Politiker anschließend gegenüber den Medien.

Auch in den sozialen Medien kam es zu einer Welle der Empörung. Nicht wenige warfen der polnischen Regierung Untätigkeit gegenüber rechtem Hass vor. Ein Twitter-User fragte: "Was sagen die Politiker jetzt? Polen ist ein Land ohne Antisemitismus? Es gibt kein [zustimmendes] Nicken gegenüber Rassismus und Nationalismus?" Ein weiterer Nutzer nannte die Situation "eine Schande für das polnische Parlament".

Die Tatsache, dass die Zeitung offen verkauft werden kann, "zeigt leider die hartnäckige Unwissenheit oder gar Duldung des Antisemitismus im politischen Mainstream", erklärte die polnische Antirassismusgruppe "Never Again Association". Die Veröffentlichung wurde auch von Abraham Foxman von der Anti-Defamation League mit Sitz in New York scharf verurteilt:

Wie traurig für Polen und das jüdische Volk, dass der Antisemitismus in so vielen Formen und an so vielen Orten im heutigen Polen andauert.

Andrzej Grzegrzolka, der das parlamentarische Informationszentrum leitet, erklärte nach dem Vorfall, dass die Kioske von einer Privatfirma betrieben würden, die für die Auswahl der Papiere zuständig sei, und twitterte: "Die Verkäufer der Zeitungen sind keine Mitarbeiter der Kanzlei des Parlaments". Er erklärte zudem, dass die Zeitung mit dem antisemitischen Beitrag entfernt werden solle, inklusive einer nachträglichen Untersuchung. In Polen kommt es immer wieder zu antisemitischen Ausfällen. Erst im Januar dieses Jahres marschierten am Holocaust-Gedenktag rechtsextreme Aktivisten durch Auschwitz und forderten einen "Kampf gegen das Judentum" in Polen.

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