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Verkehrte Welt in Kiew: Polizist soll bestraft werden, weil er sich gegen Bandera ausgesprochen hat

Verkehrte Welt in Kiew: Polizist soll bestraft werden, weil er sich gegen Bandera ausgesprochen hat
Am 1. Januar finden jeweils in verschiedenen Städten der West-Ukraine Fackelläufe zu Ehren von Stepan Bandera statt, dem "Führer" der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN).
Rund 40 bewaffnete Rechtsradikale wollten am Samstag eine Wahlkampfveranstaltung von Julia Timoschenko stören. Die Polizei konnte rechtzeitig eingreifen und die Männer verhaften. Doch in deren Augen hat ein Kollege die schlimmere Tat begangen: Er beleidigte Stepan Bandera.

Die als Gasprinzessin bekannte Oligarchin Julia Timoschenko führt in den Umfragen zu den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine. Trotzdem muss auch sie Wahlkampf gegen den Amtsinhaber Petro Poroschenko führen, um bis zum 31. März die noch unentschlossenen Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. So auch vergangenen Samstag in der Hauptstadt Kiew. 

Es ist womöglich nur dem schnellen Eingreifen der Polizei zu verdanken, dass es zu keinem blutigen Zwischenfall bei der Veranstaltung gekommen ist. Rund vierzig zum Teil bewaffnete Rechtsradikale und Neonazis von Gruppierungen wie C14, "Unbekannte Patrioten" oder "Tradition und Ordnung",wollten die Veranstaltung von Timoschenko stören, als Passanten die Polizei riefen. Diese war dann auch schnell zur Stelle und verhaftete die Männer. 

Mit der Mütze eines UPA-Kämpfers auf dem Kopf, mit der deutschen Maschinenpistole 40 aus den Zeiten der Okkupation der UdSSR durch NS-Truppen in der Hand. So verkleidet führt ein

Während der Verhaftung kam es zu einem Zwischenfall, der für erheblichen Wirbel in der Ukraine sorgt. Wie in einem Video von diesem Vorgang zu sehen und vor allem zu hören ist, schreit einer der Polizisten die Verhafteten mit "Runter, Bandera!" an. Gemeint ist damit Stepan Bandera, ein ukrainischer Kollaborateur der Waffen-SS während des Zweiten Weltkriegs und "Führer" der "Organisation Ukrainischer Nationalisten" (OUN) und deren faschistischer "Freien Ukrainischen Armee" (UPA), die Tausende Juden, Polen und Soldaten der Roten Armee umgebracht hatte. In München fand Bandera nach dem Krieg Zuflucht, wo er im Oktober 1959 angeblich von einem KGB-Agenten getötet worden sein soll. Seit seiner offiziellen Erklärung zum Nationalhelden der Ukraine wird sein Grab regelmäßig zur Pilgerstätte von Neonazis aus der Ukraine, aber auch aus Deutschland. Auch der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk erwies dem verstorbenen Rechtsradikalen die Ehre.

Während sich also der Polizist als ein Gegner des seit 2010 immer größer werdenden Bandera-Kultes erwies, brachte er durch seinen Ruf "Runter, Bandera!" seine Kollegen gegen sich auf. Und obwohl der Sprecher des Innenministeriums, Artem Schewtschenko, bestätigte, dass diese bewaffneten Männer auch das Polizeipräsidium im Podolsk-Distrikt von Kiew stürmen wollten, zeigen sowohl die Polizei als auch ein Berater des Innenministers, wo sie ihre Prioritäten setzen. Ein Polizist schrieb etwa auf seiner Facebook-Seite

Ich bin Bandera! Ich bin ein Polizist! Ich diene dem ukrainischen Volk! 

Sergej Kniazev, Vorsitzender der Nationalen Polizei der Ukraine, meldete sich ebenfalls über Facebook zu Wort und schrieb

Ich entschuldige mich, ich bin auch ein Banderovets (Anhänger von Bandera/Anm.)! Ruhm der Ukraine! 

Noch klarere Worte fand Zorjan Schkirjak, Berater von Innenminister Arsen Awakow, unter einem Porträt von Stepan Bandera: 

Ich arbeite im Innenministerium. Das ist mein Büro. Ich bin auch ein Banderovets und ich bin stolz darauf! Bandera ist mein Held! Ich bin kategorisch gegen Rufe wie 'Runter, Bandera!', es ist eine Schande und nicht akzeptabel! (...) Lasst uns vereint sein zum Wohle der Erhaltung des Landes! Ruhm der Ukraine! Tod den Feinden!

Zuvor hatte der Chef der Kiewer Polizei, Andrej Krischtschenko, bekanntgegeben, dass der in Ungnade gefallene Polizist für seine Äußerung "bestraft" wird.

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