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#10YearChallenge à la Türkei: Mit und ohne Kopftuch

#10YearChallenge à la Türkei: Mit und ohne Kopftuch
Symbolbild: Taksim Platz Istanbul, Türkei, 10. Juni 2013
Ein weltweiter Facebook-Trend ist die derzeitige "10 year Challenge". Nutzer teilen Bilder von sich, die sie jetzt und vor 10 Jahren zeigen. Türkische Frauen zeigen sich darauf mit und ohne Kopftuch. Von konservativen Muslimen werden sie angefeindet.

Selin (Name von der Redaktion geändert) ist Mitte 30, unverheiratet, türkisch und lebt in Istanbul. Sie schwingt sich morgens auf ihre Vespa und fährt zur Arbeit. Oftmals erntet sie kritische Blicke und Kommentare von konservativen türkischen Männern. Für sie ist die Vespa ein Symbol der Freiheit und der Emanzipation. Sie wünscht sich, dass auch andere Frauen ihrem Vorbild folgen.

Ihr Weg führt vorbei an Werbetafeln, auf denen züchtige Türkinnen mit Kopftuch und hochgeschlossenen Kleidern zu sehen sind. Das neue Ideal der Türkei unter Erdogan ist ihr und ihrem Kreis fremd. Man bleibt unter sich innerhalb der türkischen Oberschicht. Sie, so Selin, könne nur in Istanbul leben. Der Rest der Türkei sei viel zu konservativ und rückständig. Rund 20 männliche Angestellte hören auf ihr Kommando. Während sie arbeitet, kommt die Haushälterin ihrer Eltern in ihre Wohnung, um zu Putzen und zu kochen. Diese trägt Kopftuch. Selin und ihre Freunde sehen die jahrelange Unterdrückung der religiösen Unterschicht als eine Folge für den Aufstieg Erdogans. Mittlerweile sehe man verhüllte Frauen in Luxuswagen. Früher wäre das unmöglich gewesen. 

Der neuen "10yearChallenge" in der Türkei, bei dem sich Frauen mit und ohne Kopftuch zeigen, muss sich Selin nicht stellen. Ihre Familie lebt einen liberalen Islam, in welchem Kopftücher als rückschrittlich angesehen werden. 

Eine der bekannten Gesichter, die sich dem Trend in der Türkei anschließen, ist die Journalistin Büsra Cebeci. Bei der Platform "Yalnız Yürümeyeceksin", zu Deutsch "Du wirst nicht allein laufen", schließen sich Frauen aus sunnitisch religiösen Haushalten zusammen, die nicht mehr als gläubige Musliminnen leben wollen. Sie berichten von dem Druck der Familie, das Kopftuch zu tragen, der auf sie ausgeübt wird, und wie schwer es ist, ihren neuen Lebensstil zu verteidigen. 

Der Trend erinnert an "My Stealthy Freedom", gegründet von einer in den USA lebenden Iranerin. Videos und Bilder zeigen Frauen im Iran, die den strengen islamischen Kleidervorschriften trotzen und ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit ablegen, auch wenn sie dafür harte Strafen riskieren. Die Ankündigung des iranischen Präsidenten, die Kleidervorschriften abzuwandeln und den jungen Menschen mehr Freiheiten zu erlauben, erfüllten sich dort nicht. 

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