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Terror in Frankreich: Was wir wissen und was nicht

Terror in Frankreich: Was wir wissen und was nicht
Bei einem mutmaßlichen Terroranschlag in Straßburg sind am Dienstagabend drei Menschen getötet und mindestens ein Dutzend verletzt worden. Vieles ist noch unklar, doch Polizei und Justiz haben schon einige Details zu der Gräueltat bekannt gegeben.

Was wir wissen

Die Tat: Am Dienstagabend gegen 20 Uhr eröffnete ein Mann in der weihnachtlich geschmückten Straßburger Innenstadt das Feuer. Später griff er auch Menschen mit einem Messer an. Dabei tötete er insgesamt drei Menschen und verletzte viele weitere. Zeugen zufolge habe der Angreifer "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen, sagt der Pariser Antiterror-Staatsanwalt Rémi Heitz. Angesichts des gewählten Tatorts, seiner Vorgehensweise und der Zeugenaussagen habe die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Polizisten bei der Kontrolle der deutsch-französischen Grenze

Der Täter sei vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entkam er mit einem gestohlenen Taxi. Mehr als 600 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, hieß es.

Der Täter: Der mutmaßliche Angreifer stammt nach offiziellen Angaben aus Straßburg. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um einen französischen Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln. Dieser 29-Jährige Chérif C. wurde nach Kenntnis der deutschen Justiz bereits wegen etlicher Diebstähle in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland verurteilt und inhaftiert. Vom Amtsgericht Singen wurde er wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und war in Deutschland bis 2017 in Haft. Nach dem Verbüßen dieser Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben.

In dem Urteil aus Singen heißt es, der Mann sei zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine weitere Ausbildung absolviert. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht.

Nur Stunden vor dem Anschlag waren Medienberichten zufolge bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Waffen gefunden worden - darunter Granaten und Messer. Die Polizei hatte die Wohnung am Dienstagmorgen aufgesucht, weil Chérif C. wegen eines versuchten Tötungsdelikts verhaftet werden sollte. Er ist seitdem auf der Flucht.

Das Umfeld: Die Sicherheitsbehörden gehen nach dpa-Informationen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter von Straßburg zusammen mit seinem 34 Jahre alten Bruder Sami C. auf der Flucht ist. Beide gelten demnach als islamistisch radikalisiert. Laut Berliner Tagesspiegels wohnten sie in Straßburg. Die Brüder würden dem Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte der Zeitung.

Ermittler haben derweil vier Menschen aus dem Umfeld des Tatverdächtigen Chérif C. in Gewahrsam genommen.

Die Opfer: Bei dem Anschlag wurden zwei Menschen getötet. Eine weitere Person ist nach Angaben des Pariser Antiterror-Staatsanwalts Rémi Heitz hirntot. Zwölf Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen sehr schwer.

Eines der Todesopfer ist ein Tourist aus Thailand. Laut dem Außenministerium in Bangkok handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann, der zusammen mit seiner Frau zu einem Urlaub in Frankreich war. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf. Unter den Verletzten ist auch ein italienischer Radiojournalist, wie ein Sprecher des Außenministeriums der dpa bestätigte. Nach jetzigem Kenntnisstand des Auswärtigen Amtes sind keine Deutschen unter den Opfern.

Was wir nicht wissen

Der Täter: Der Aufenthaltsort des Täters ist nicht bekannt. Die französische Regierung schließt nicht aus, dass der Straßburger Attentäter nach Deutschland geflüchtet sein könnte - womöglich zusammen mit seinem Bruder Sami. Die Bundespolizei kontrolliert deshalb mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich. Hinzu kommen laut Bundespolizei Fahrzeugkontrollen im grenznahen Bereich.

Das Motiv: Die Ermittler in Frankreich gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Angesichts des gewählten Tatorts, seiner Vorgehensweise und der Zeugenaussagen habe die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen, hieß es. Der Tatverdächtige sei mehrfach im Gefängnis gewesen. Dort sei auch bereits eine Radikalisierung festgestellt worden, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez. Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter in der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt wurde - einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein. In Deutschland war der mutmaßliche Attentäter nicht als islamistischer Gefährder bekannt.

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte auch Rache gewesen sein, spekulierte der deutsche Tagesspiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise. Möglicherweise habe der 29-Jährige auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

Mehr zum Thema - Mutmaßlicher Attentäter von Straßburg war bis 2017 in Deutschland in Haft

(dpa/rt deutsch)

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