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Emmanuel Todd: Deutschland betreibt eine demographische Außenpolitik

Emmanuel Todd: Deutschland betreibt eine demographische Außenpolitik
Spiegel-Titel vom Februar 2013: Der "deutsche Traum" als Alptraum Europas
Der französische Wissenschaftler Emmanuel Todd bescheinigt Deutschland eine "demographische Außenpolitik". Die Sicherung von Zuwanderern für die deutsche Wirtschaft sei eines der Hauptziele der Bundesregierung. Eine steile These? Nicht unbedingt.

Der französische Demograph und Historiker Emmanuel Todd beschreibt in seinem Buch "Traurige Moderne" die Rolle von Familienstrukturen als bestimmendes Element in Geschichte und Gegenwart. Trotz der zentralen Rolle, die Deutschland in diesem Werk einnimmt, wurde das Buch nach seinem Erscheinen in deutscher Sprache hierzulande eher kühl aufgenommen. Das kann kaum überraschen, denn Todd blickt ausnehmend kritisch auf die gegenwärtige Rolle Deutschlands in Europa.

Demonstranten fordern offene Grenzen, Frankfurt am Main, September 2018

Im Kapitel "Die Metamorphose Europas" zeichnet er ein Bild der deutschen Außenpolitik, wie man es nicht oft zu sehen bekommt. Todd sieht in der katastrophalen demografischen Entwicklung Deutschlands das Motiv für die deutsche Regierung, im Sinne der Wirtschaft eine immer massivere Zuwanderungspolitik zu betreiben. Der Autor sieht Deutschland durch diese – seiner Meinung nach abenteuerliche – Politik vor massive Probleme gestellt.

Die deutsche Außenpolitik sei, so Todd, nur verständlich, wenn man ihre demografische Zielrichtung betrachte; die Suche nach Zuwanderern sei eines der vorrangigsten Ziele der deutschen Regierung. Dieses Ziel hat nach Ansicht des Autors das deutsche Agieren in der Eurokrise wenigstens mitbestimmt.

Durch die von Berlin erzwungene Austeritätspolitik seien die Volkswirtschaften in Südeuropa zerstört, zugleich aber junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte für die deutsche Wirtschaft freigesetzt worden. Der Spiegel habe das im Februar 2013 offenherzig beschrieben. Die südeuropäischen Staaten stünden damit vor einer "demografischen Zerstörung", in den meisten osteuropäischen Mitgliedsstaaten sei die demografische Katastrophe bereits in vollem Gange.

Todd geht noch weiter. Er betrachtet auch die deutsche Einmischung in der Ukraine unter demographischen Gesichtspunkten. Der Zerfall des Landes könne Deutschland eine erhebliche Zahl von Arbeitskräften sichern, die Aufrechterhaltung der Unordnung in der Ukraine sei damit ein rationales Ziel.

Man kann Todds Thesen an dieser und an anderen Stellen überzogen finden – mit Sicherheit verfolgt Deutschland in der Ukraine wie in der EU auch noch andere Ziele als die Erschließung neuer Zuwanderer. Von der Hand zu weisen sind sie deshalb noch lange nicht. Das neue Zuwanderungsgesetz, das sich zurzeit in der Ressortabstimmung befindet, wirkt beispielsweise wie gemacht für die Zuwanderung ukrainischer Arbeitskräfte.

In jedem Fall sollten Emmanuel Todds Thesen diskutiert werden. Die strategischen Motive der Bundesregierung für ihre Flüchtlingspolitik vom Herbst 2015, die Unterstützung des UN-Migrationspakts und das neue Zuwanderungsgesetz werden hierzulande immer noch lieber ausgeblendet. Folgt man Todd, ist das hierzulande immer noch übliche Reden von Moral und Werten nicht mehr als ein Deckmantel für eine Politik, die man in ihrem Kern als unmoralisch bezeichnen muss.

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