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Alles eine Frage des Preises: Russland bremst USA bei der Gasversorgung Europas aus

Alles eine Frage des Preises: Russland bremst USA bei der Gasversorgung Europas aus
Der neue russische arktische LNG-Tanker Christophe de Margerie
Russisches Gas gefährdet die Energiesicherheit Europas, so die US-Führung. Eine Alternative sei US-Flüssiggas, dessen Erwerb aber mehr kosten würde. Aufgrund des Preisunterschieds gelingt es Russland bisher, die USA auf dem europäischen Gas-Markt auszubremsen.

Washington versucht seit Jahren, den russischen Einfluss auf die Energieversorgung in Europa zu verringern, doch der größte Gasversorger des Kontinents bremst die USA weiterhin aus. Anfang 2018 erklärte US-Energieminister Rick Perry:

Die Vereinigten Staaten exportieren nicht nur Energie, wir exportieren auch Freiheit. […] Wir exportieren an unsere Verbündeten in Europa die Möglichkeit, wirklich die Wahl zu haben, woher Sie Ihre Energie beziehen. Das ist Freiheit. Und diese Art von Freiheit ist unbezahlbar. [...] Es gibt keine Bedingungen, wenn man US-amerikanisches [flüssiges Erdgas] kauft. Daher ist das also ein weltweiter Wandel.

Dieser Kommentar kristallisiert die konventionelle Weisheit Washingtons heraus: Europa ist bei etwa einem Drittel seines Gasbedarfs auf Russland angewiesen. Jahrelang konnte die russische Gazprom verschiedene europäische Länder in starre Verträge mit festen Preisen einbinden, die oft mit höheren Rohölpreisen verbunden waren. Schlimmer noch, Russland neigte dazu, bilaterale Abkommen auszuhandeln. Es bot befreundeten Ländern Vorzugskonditionen und anderen Ländern höhere Preise an. Diese Praktiken haben den Zorn der Kartellbehörde der Europäischen Kommission geweckt, die Gazprom dazu zwang, solchen Taktiken aufzugeben.

Doch mit wenigen Alternativen gab es wenig Aussicht auf einen grundlegenden Wandel – Europa brauchte auf lange Sicht noch russisches Gas.

Die vielversprechendste Alternative war das Flüssiggas (LNG) aus den USA. Billiges Schiefergas löste Anfang dieses Jahrzehnts eine Welle von Investitionen aus. Cheniere Energy hat seine Sabine Pass LNG-Anlage vor fast drei Jahren in Betrieb genommen, und mehrere weitere Terminals sind in Arbeit.

Die bloße Drohung, dass US-amerikanisches LNG nach Europa gelangt, schwächte wohl die Hand von Gazprom. Litauen zum Beispiel zwang Gazprom dazu, Preiszugeständnisse zu vereinbaren, als es dem Land gelang, ein schwimmendes LNG-Importterminal einzuführen, was die Tür für importiertes Gas aus anderen Ländern als Russland öffnete.

Im vergangenen Jahr kam die erste US-amerikanische LNG-Fracht in Litauen an. Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite schrieb dem Journal of Foreign Affairs damals:

US-Gasimporte nach Litauen und andere europäische Länder sind ein entscheidender Faktor auf dem europäischen Gasmarkt. Dies ist eine Gelegenheit für Europa, seine Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden, und eine sichere, wettbewerbsfähige und diversifizierte Versorgung zu gewährleisten.

Die Dinge haben sich jedoch nicht so sehr verändert, wie einige gehofft hatten. Der Marktanteil Russlands in Europa bleibt unverändert. Dies hat mehrere Gründe. Erstens sind nur sehr wenige US-LNG-Ladungen tatsächlich in Europa angekommen. Zweitens sieht Russland nicht einfach zu, wie seine Position erodiert. Stattdessen weitete das Land seine eigene Nutzung von LNG aus und verstärkte seine Bemühungen, europäische Käufer über Pipelines an sein Gas zu binden.

Da Russland in Europa vor einigen Herausforderungen steht, hat es sich auch nach Asien ausgerichtet, um seine Märkte zu diversifizieren. China ist der am schnellsten wachsende Gasmarkt der Welt und einer der Hauptgründe, warum sich die globalen LNG-Preise viel schneller erholten, als von Analysten erwartet. Es wäre unklug von der russischen Führung, den Gasverkauf nicht auf China zu konzentrieren. Die beiden Länder werden bis Ende nächsten Jahres eine lange Fernpipeline eröffnen, die mehr russisches Gas nach China transportieren wird. Die russischen LNG-Lieferungen nach Indien nehmen auch zu.

Es ist eine Zwei-Punkte-Strategie, die sich bisher bewährt hat. Alexei Teksler, Russlands erster stellvertretender Energieminister, sagte dem Wall Street Journal:

Unser Hauptziel ist es, unsere derzeitigen Märkte, vor allem Europa, zu erhalten und in neuen Märkten, insbesondere in Asien, Fuß zu fassen.

Im Laufe der Zeit soll China für Gazprom eine viel größere Bedeutung erlangen.

Während Rick Perry mehr Freiheit exportieren will, hat der US-amerikanische Handelskrieg zu chinesischen Zöllen auf US-amerikanisches LNG geführt. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit des US-Gases in China im Vergleich zu anderen Gasquellen, wie beispielsweise aus Russland, deutlich beeinträchtigen.

Es ist nicht so, als ob US-Flüssiggas überhaupt keine Auswirkungen gehabt hätte. Die von Gazprom angebotenen Preiszugeständnisse und die zunehmende Verlagerung hin zu einer marktgerechteren Preisgestaltung für Gazprom in Europa sind wohl die größte Leistung, die der US-LNG erzielte. Laut The Wall Street Journal sank der durchschnittliche Verkaufspreis von Gazprom seit 2013 um fast 50 Prozent, obwohl ein Großteil davon auch auf sinkende Rohölpreise zurückzuführen ist. Die Konkurrenz aus den USA und die kartellrechtliche Prüfung aus Brüssel bedeuten, dass Gazprom keine exorbitanten Preise mehr verlangen kann.

Ansonsten erreichte das US-Gas nicht mehr viel, um Russland auf dem europäischen Markt zurückzuhalten.

Außerdem kann Russland vielerorts noch billigeres Gas anbieten als US-Lieferanten. In Europa kann Gazprom die Preise US-amerikanischer Gasexporte leicht unterbieten, um US-Flüssiggas fernzuhalten. Sogar in Indien hat Gazprom eine 20-jährige Vereinbarung für Gas mit einem Preis von Sieben US-Dollar pro Million British Thermal Unit unterzeichnet, was, laut The Wall Street Journal, etwa ein bis anderthalb US-Dollar billiger ist als alles, was aus Katar oder den USA kommt.

Die Schwächung des russischen Energiekonzerns in Europa war ein Ziel der US-Regierungen, das seit Jahrzehnten besteht. Bisher gelang es Russland jedoch, sich anzupassen und Washington weiterhin zu überlisten.

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