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Der Hochmut der EU-Propaganda lebt noch - Doch wie lange noch?

Der Hochmut der EU-Propaganda lebt noch - Doch wie lange noch?
Gedenken ist nie neutral. Es ergibt sich aus einer Mischung zwischen kollektiven Erinnerungen und der offiziellen Geschichtsschreibung, die die herrschende Politik durchzusetzen versucht. Eine Paradebeispiel für Letzteres lieferte das Gedenken zum 11. November in Paris.

von Piere Lévy, Paris

Für Franzosen ist der 11. November ein vertrautes Datum: Der Jahrestag des Waffenstillstands von 1918 genießt fast den gleichen Rang wie der Nationalfeiertag am 14. Juli. In Deutschland jedoch ist für viele der 11. November der Beginn der Karnevalssaison.

Östlich des Rheins begeht man eher den 9. November und vermengt dabei gleich mehrere Jahrestage: den der Gründung der Weimarer Republik (1918), des gescheiterten Hitlerputsches (1923) und vor allem der Judenpogrome, verschwurbelt als "Reichskristallnacht" (1938) verharmlost, die den Beginn des barbarischen Wütens gegen die Juden symbolisiert (auch die Berliner Mauer fiel 1989 an einem 9. November und bildete den Auftakt zum Anschluss der DDR an die BRD).

Gedenken an die Opfer des Krieges in Wales, 11. November 2018

Die Franzosen wissen nichts davon, dass sich diese Jahrestage bei ihren Nachbarn jenseits des Rheins überschneiden. Solch unterschiedliche politische Kulturen bringen die Verfechter des Einheits-Marktes, der Einheits-Währung und des Einheits-Denkens zur schieren Verzweiflung. Für sie müsste ein vereintes Europa endlich auch zu einem Einheits-Gedächtnis führen – ein absurder und totalitärer Anspruch, ohne den jedoch auch ein "Europäisches Volk" natürlich ein Hirngespinst bleibt.

Wie unerreichbar dieser Horizont auch bleibt, es mangelt nicht an Ideologen, die damit beauftragt sind (oder sich so fühlen), für solche Einheit im Geiste zu werben, um das politische Ziel "unserer Zeit" zu erreichen: die europäische Integration voranzubringen, oder wenigstens zu verhindern, dass sie weiter allzu sehr zersetzt wird.

Auf deutscher Seite war der 9. November in diesem Jahr noch mehr als jemals zuvor eine Gelegenheit, auf die Schrecken des Antisemitismus hinzuweisen. Wie sachdienlich das Prinzip kollektiver Reue ist, darüber kann man geteilter Meinung sein. Doch wenn man sich auf diesen Weg begibt, wäre es angebracht, ihn nicht selektiv zu beschreiten. 

Natürlich ist die Verantwortung des selbsternannten „Dritten Reiches“ deutscher Nation für den Holocaust erdrückend. Und es kann nicht  darum gehen, diese Katastrophe der Geschichte in irgendeiner Weise zu relativieren. Doch das Nazideutschland hatte noch andere Verbrechen geplant und dann auch begangen, die nicht weniger abscheulich sind: Es hatte zunächst einen großen Teil Westeuropas, darunter auch Frankreich besetzt. SS, Gestapo, Wehrmacht und ihre Bewunderer und Nacheiferer – auch in den okkupierten Territorien – haben für eine brutale Unterdrückung des Widerstands gesorgt. Nazi-Deutschland wollte Osteuropa ausrauben und seine "Sklaven"-Völker "ausdünnen" oder ganz vernichten. Und es hat 1941 den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion begonnen, der etwa  27 Millionen Opfer allein in diesem Vielvölkerstaat gefordert hat.

Doch in der politischen Kultur, die in Westdeutschland sorgsam kultiviert wurde, muss man meistens den Eindruck gewinnen, der Zweite Weltkrieg habe sich auf den Völkermord an den Juden beschränkt.

Segelt Frankreich zu einem neuen Imperium, dem

Diese selektive Geschichtsschreibung ist natürlich kein Zufall und stimmt mit dem Bild überein, das nun selbst von den Regierenden in Frankreich gefördert wird. Zum gleichen Zeitpunkt, als Angela Merkel eine Rede in der großen Synagoge von Berlin hielt, zeichnete Premierminsiter Edouard Philippe das dunkle Bild eines Frankreichs, in dem der Antisemitismus immer weiter fortschreitet. Er wagte sogar einen ausdrücklichen Hinweis auf die "Kristallnacht". Als ob die Juden – oder diejenigen, denen man diese Identität zuzuweisen versucht – neue Diskriminierungen, Erniedrigungen oder Massenverfolgungen erleiden würden oder auf dem besten Weg dahin wären. 

Diese absurde Fabel (und beleidigend für das Gedenken derer, die damals Opfer eines staatlichen Antisemitismus wurden) verfolgt zwei Ziele. Einerseits will man den regierenden Politikern in Israel gefallen, denn in Deutschland ist die Freundschaft zu diesem Land zur "Staatsräson" erklärt worden. Andererseits - und vor allem - stützt es die von den führenden europäischen Politikern verbreitete These, die aktuelle Lage ähnele zunehmend den 1930er Jahren. Emmanuel Macron hat diesen trügerischen historischen Vergleich, der in der vorherrschenden Presse ankommt, gerade wieder geäußert. 

Die beabsichtigte Botschaft ist klar: Wenn wir mit den Parteien sympathisieren, die als extrem rechts eingestuft sind, führe das direkt in eine neue Katastrophe historisch bekannten Ausmaßes; in Gegenwehr sei daher die "europäische Aussöhnung" in ihrer vollkommensten Form – der Europäischen Union – der beste Garant für einen friedlichen und strahlenden Horizont des "Europäischen" Volkes. Es ist mehr als zweifelhaft, dass die RN (zuvor Front National), die AfD oder anderen Bewegungen vom gleichen Schlage ein passendes Instrument darstellen, um sich gegen die EU zu stellen. Doch das berechtigt keinesfalls dazu, die Geschichte auf so schändliche Weise zu instrumentalisieren.

Französisches U-Boot der

Übereinstimmung in der Ablehnung von "Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus" zu zeigen, ist ein nützliches Konsens-Thema, wenn allzu raue Erinnerungen an die Geschichte unangenehm und wenig förderlich für die Europäische Union sein könnten. In einer Kolumne der französischen Tageszeitung Le Monde (08.11.2018) haben zwei Historikerinnen die Entscheidung des französischen Präsidenten gerechtfertigt, keine Militärparade zu veranstalten: Den deutsch-französischen Antagonismus (aus den beiden Weltkriegen) wachzurufen sei dem "europäischen Projekt" nicht dienlich.

Auf der Waldlichtung, wo der Waffenstillstand am 11. November 1918 unterzeichnet wurde, gibt es einen Gedenkstein mit der Inschrift: "Hier unterlag der kriminelle Hochmut des deutschen Reiches, besiegt von den freien Völkern, die zu unterjochen es beansprucht hatte." Man kann gewiss einwenden, dass „der Hochmut des deutschen Reiches“ zu einem nicht unerheblichen Teil den Profitinteressen der Kanonenproduzenten und -händler auf beiden Seiten des Rheins „geschuldet“ ist. Aber der Denkspruch kann zumindest dazu dienen, über die Verantwortlichkeiten nachzudenken und dann zu benennen. Die Gedenktafel, die der französische Präsident und die Kanzlerin jetzt enthüllt haben, bekräftigt "die Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung im Dienst Europas und des Friedens."

Der Hochmut der EU-Propaganda kennt keine Grenzen. Doch für wie lange noch? 

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