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Charme-Offensive statt Holzhammer: Joggen, Selfies und Serbisch-Kenntnisse des NATO-Chefs in Belgrad

Charme-Offensive statt Holzhammer: Joggen, Selfies und Serbisch-Kenntnisse des NATO-Chefs in Belgrad
Der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg ging bei seinem Besuch in Belgrad nicht mit dem Holzhammer zu Werke. Er setzte vielmehr auf Charme und Nähe zu serbischen Bürgern.
Anlass des Belgrad-Besuchs war eine gemeinsame Übung der NATO mit dem serbischen Innenministerium, aber die Medien überschlugen sich vorwiegend mit Berichten über Stoltenbergs Joggen oder einen Uni-Besuch. Wäre alles perfekt gewesen, wäre da nicht das Jahr 1999.

Das serbische Kinderlied "Ringe ringe raja došao čika Paja" kennt er noch gut, auch das Wort "sladoled" – serbisch für Eis – ist ihm noch geläufig, den Namen der Geburtsklinik in Belgrad, in der seine Schwester auf die Welt kam, kann er fast perfekt aussprechen: Der Generalsekretär der transatlantischen Allianz, Jens Stoltenberg, weilte von Samstag bis Dienstag in der serbischen Hauptstadt und legte eine fast perfekte Charme-Offensive hin. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RTS brillierte er unter anderem mit seinen regionalen Kenntnissen, die er mit seinen Kindheitserinnerungen verband. Sein Vater Thorvald Stoltenberg war als diplomatischer Vertreter des Königreichs Norwegen unter anderem von 1961 bis 1964 in Belgrad stationiert. 2015 wurde er sogar zum Ehrenbürger der serbischen Donau-Metropole ernannt.

Den Aufenthalt in Belgrad begleiteten Berichte über Joggen am Donauufer

Der Anlass des Belgrad-Besuchs von Jens Stoltenberg war aber die erste gemeinsame Katastrophenschutzübung der NATO mit dem serbischen Innenministerium. "Srbija 2018" fand in Mladenovac bei Belgrad statt und vereinte 2.000 Teilnehmer aus rund 40 Ländern. Feuerwehrleute, Rettungs- und Sanitäterteams bewältigten inszenierte Brände, Erdbeben, Verkehrsunfälle und Chemiekatastrophen. Die Lebensrettung wurde geübt, nebenbei arbeiteten beide Seiten, der Gast und der Gastgeber, an der Stärkung der Zusammenarbeit.

Über die Übung wurde naturgemäß in den Medien berichtet, aber viel mehr gab es Informationen anderer Art. So konnte man erfahren, dass Herr Stoltenberg mit seiner Familie in Belgrad war. Der serbische Fernsehsender N1 schaffte es, den Norweger beim Joggen am Donauufer im Belgrader Stadtteil Zemun zu "ertappen". Dort besuchte er auch eine Sehenswürdigkeit – den Gardoš-Turm aus dem Jahr 1896 – und machte am Ende laut serbischen Medien auch ein Familien-Selfie vor der historischen Kulisse. 

Stoltenberg hätte eine regelrecht perfekte Charme-Offensive in der serbischen Hauptstadt hingelegt, wäre da nicht das Jahr 1999 und ein nun umstrittener Uni-Besuch gewesen.

Der Generalsekretär der militärischen Allianz besuchte die Abteilung für Skandinavistik an der Philologischen Fakultät in Belgrad. Die Studierenden sollten die Gelegenheit bekommen, so die Idee, mit einem Muttersprachler ein bisschen Norwegisch zu sprechen. Die meisten Fragen der Anwesenden kreisten aber um das Thema NATO und die Bombardierung Jugoslawiens 1999. Stoltenberg war stets bemüht, den Blick auf die Zukunft zu richten und den Studierenden zu erläutern, was die NATO eigentlich sei.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Mazedoniens Premierminister Zoran Zaev unterzeichnen während einer Zeremonie anlässlich der Einladung Mazedoniens zur NATO Dokumente.

Uni-Besuch des NATO-Chefs wurde als "Indoktrinierung" kritisiert

Serbische Medien zitierten danach eine Studentin mit den Worten, NATO-Chef habe stets darauf beharrt, dass die Allianz eine ausschließlich defensive Organisation sei, "die nicht da ist, um anzugreifen oder ihre Macht auszudehnen, sondern den Frieden zu sichern".

Für den Auftritt hagelte es Kritik. Der Schriftsteller und Übersetzer für Italienisch, Dragan Mraović, bewertete das Gastieren des NATO-Chefs in einem Protestbrief an die Philologische Fakultät als "Politisierung"und "politische Indoktrinierung". Auch die Aussage Stoltenbergs, dass mit der Bombardierung 1999 Zivilsten geschützt werden sollten, sorgte in breiten Teilen der Bevölkerung für Empörung. Nach Einschätzungen der jugoslawischen Seite kamen damals mehr als 2.500 Zivilisten ums Leben. 

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić bemühte sich zwei Tage später, die Wogen wieder zu glätten. Serbien sei auf rationaler Ebene mit seiner Zusammenarbeit mit der NATO zufrieden, während die mangelnde Popularität des Bündnisses in Serbien Folge von "emotionalen und psychologischen Aspekten" sei.

Ich bin auch zuversichtlich, dass die serbischen Bürger die Tatsache zu schätzen wissen werden, dass NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bei mehreren Gelegenheiten gesagt hat, dass er die zivilen Opfer der NATO-Bombardierung von 1999 bedauert", betonte Vučić.

Als Antwort auf die Frage der Journalisten, wie denn die NATO selbst die Wahrnehmung der serbischen Öffentlichkeit verändern könnte, verwies Stoltenberg, der zusammen mit Vučić den Beginn der Veranstaltung in Mladenovac verfolgte, auf die "Fortsetzung der Zusammenarbeit, beispielsweise in Form der heutigen Übung".

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