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Guter Knast, schlechter Knast: Warum Inhaftierung von Nadija Sawtschenko kein Thema mehr ist

Guter Knast, schlechter Knast: Warum Inhaftierung von Nadija Sawtschenko kein Thema mehr ist
Nadija Sawtschenko im Gerichtsaal in Kiew am 29. März 2018
In den Jahren 2015 und 2016 forderte die westliche Polit-Prominenz einstimmig die Freilassung der ukrainischen Soldatin Nadija Sawtschenko aus dem russischen Gefängnis. Jetzt sitzt sie im ukrainischen Gefängnis, aber niemand interessiert sich für sie.

Seit dem 22. März sitzt Nadija Sawtschenko in ukrainischer Untersuchungshaft. Ihr wird die Vorbereitung eines Militärputsches vorgeworfen. Bilder von der offiziellen Heldin der Ukraine und der Rada-Abgeordneten aus dem Gerichtssaal in Kiew gleichen frappierend denjenigen vor drei Jahren aus dem russischen Donezk. Die Bilder aus Russland gingen - mit einem Aufschrei der Entrüstung im Westen - um die Welt. Aktuelle Bilder findet man in Westmedien kaum.

Warum ist das so? Denn auch jetzt tut die Schwester der Politikerin Wera alles dafür, dass die Öffentlichkeit Nadija Sawtschenko größere Aufmerksamkeit schenkt. Sie hofft immer noch, dass spätestens wenn der Prozess läuft, wieder darüber berichtet wird und eine neuerliche Kampagne für ihre Freilassung wieder die höheren Etagen der Politik erreicht.

Damals, als Sawtschenko in Russland wegen ihrer mutmaßlichen Beihilfe zum Mord an russischen Journalisten hinter Gitter kam, forderten nicht nur traditionelle pro-ukrainische Kräfte im Europäischen Parlament um die Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms ihre Freilassung, sondern die ganze westliche Polit-Prominenz bis hin zu US-Präsident Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Russische Außenministerium musste sogar mit einer Note auf ständige Forderungen ihrer Freilassung reagieren und seinerzeit gegenhalten, den politischen Druck auf russische Gerichte zu unterlassen. In der Ukraine rühmte man die Soldatin eine moderne Jeanne d’Arc, Sawtschenko wurde zur Polit-Ikone des Widerstandes gegen eine "russische Diktatur".

Bald nach dem Schuldspruch im März 2016 wurde Sawtschenko im Zuge eines Gefangenentausches begnadigt, Poroschenko feierte ihre Freilassung als seinen Sieg und empfing "unsere Nadija" höchstpersönlich. Doch genauso schnell wurde sie wieder zu einer Unbequemen, und nach ihren Verhandlungen mit dem Chef der international nicht anerkannten Donezker Volksrepublik Alexander Sachartschenko, die sie auf eigene Faust organisierte, hat die Parteiführung der Vaterlandspartei Sawtschenko umgehend aus ihren Reihen ausgeschlossen.

Mehr zum Thema - Nadija Sawtschenko nennt "oberste Feinde des ukrainischen Volkes" - darunter die eigene Regierung

Jetzt bemüht sich Wera Sawtschenko mittels ihrer alten Kontakte nach Europa um Unterstützung. Und Nadija Sawtschenko selbst versucht mit bewährten Mitteln das Interesse an ihrer Person aufrechtzuerhalten. Sie geht regelmäßig in einen Hungerstreik und ihre Schwester berichtet dann über die Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Sie verfasst Statements, die Wera über ihre Accounts in den sozialen Medien verbreitet. Sie schreibt Briefe an Trump und Putin.

Das alles hilft allerdings nicht. Nur ein enger Kreis ihrer Unterstützer fühlt sich noch von diesen Äußerungen angesprochen. Ukrainische Medien beschränken sich lediglich auf trockene Meldungen über die Gerichtsentscheidungen, die Mal um Mal ihre Inhaftierung aufs Neue verlängern. Einige wenige westliche Medien haben anfänglich in erstaunlicher Parallelität über den so "tiefen Fall" der einstigen Heldin berichtet und schließen damit das Thema offenbar endgültig ab. Die Schuld dafür für ihre Inhaftierung gaben sie nicht etwa "dem Poroschenko-Regime", sondern vielmehr ihrem komplizierten Charakter und provokativen Verhalten.

Ukrainische Abgeordnete Nadeschda Sawtschenko gestern im Berliner Mauermuseum.

Das kann sie in der Tat eine langjährige Haftstrafe kosten. Die Anklage seitens des Staatsanwaltes Juri Lutzenko, wonach sie den Sitzungssaal des ukrainischen Parlaments mit Granatwerfern beschießen und die ganze dort versammelte politische Führung der Ukraine anschließend mit einem Maschinengewehr töten wollte, basiert auf zahlreichen Video- und Tonaufnahmen, denen zufolge sie mit wenigen "Eingeweihten" solch einen wahnsinnigen Plan besprochen hätte.

Es bestehen kaum Zweifel, dass eine derartige Verschwörung Sawtschenko von den Agenten des ukrainischen Geheimdienstes untergeschoben wurde. Dafür sprechen zahlreiche Indizien sowie Unstimmigkeiten im Antrag für die Aufhebung ihrer Abgeordneten-Immunität, die in der Version der Staatanwaltschaft stecken. Sie selbst sagt, sie hätte bei der Inszenierung mitgespielt und den "Putsch" mit absurdesten Mordfantasien gegen die oberste Führung der Ukraine gespickt, um ihre Widersacher zu "trollen". Allein schon die Tatsache, dass die vermeintlichen Übungen mit den Granatwerfern, die für den "Staatstreich" eingesetzt werden sollten, auf einer Militärbasis der Spezialeinheiten der ukrainischen Streitkräfte stattfanden, spricht für einen recht grob gestrickten Coup des Geheimdienstes, der als Sawtschenko-Verschwörung verkauft werden soll.  

Trotz aller Absurdität der Vorwürfe: Eine Haftstrafe für Sawtschenko ist sehr wahrscheinlich. Politik-Experten, die das ukrainische Internetportal strana.ua befragte, sind einhellig der Meinung, ihr derzeitiges Problem sei vor allem, dass sie als politische Einzelgängerin kein politisches Dach mehr über ihrem Kopf hat. Es gibt einfach niemanden, der eine wirkungsvolle politische Kampagne für ihre Freilassung organisieren kann und will.

Ukrainische Regierungskreise arbeiten vielmehr daran, eine derartige Kampagne sowohl im Inland als auch im Ausland zu verhindern. Laut Wera Sawtschenko, versendet die Präsidialverwaltung Anweisungen an die Medien, nicht mehr über die inhaftierte Ex-Heldin zu berichten. Auch ähnliche Briefe an ausländische Vertretungen soll es geben.

Sie bitten darum, auf den "Umgang mit Sawtschenko" zu verzichten. Sie sei Kreml-Agentin und Terroristin. Das ist ihre Strategie, sagte die Schwester von Nadija Sawtschenko in einem Interview mit strana.ua.

In April hoffte Wera noch, dass wenigstens Rebecca Harms sie mal besuchen würde. Das hätte die EU-Abgeordnete versprochen. Als Sawtschenko noch in der russischen Haft war, reiste Harms demonstrativ nach Moskau, um die damals hungerstreikende Inhaftierte medienwirksam zu unterstützen. Die russischen Behörden verweigerten ihr auf dem Flughafen die Einreise, und sie musste zurückkehren. Dieses Mal kam Harms trotz Versprechen nicht, obwohl es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie als engste "Freundin der Ukraine" diesmal Einreiseprobleme bekommen würde.

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