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Ursachensuche nach verheerendem Brücken-Einsturz in Genua

Ursachensuche nach verheerendem Brücken-Einsturz in Genua
Die Morandi-Brücke in der italienischen Hafenstadt Genua stürzte am 14. August ein.
Wie konnte das passieren? Nach der entsetzlichen Tragödie in Genua mehren sich Fragen nach der Ursache für den Einsturz der Autobahnbrücke. Die Suche nach Überlebenden geht unterdessen weiter. Auch in Deutschland wird nun der Zustand von Brücken zum Thema.

Es waren Szenen wie aus einem Katastrophenfilm, die sich am Dienstagmittag in der italienischen Hafenstadt Genua abspielten. Während eines schweren Unwetters war das Polcevera-Viadukt - auch Morandi-Brücke genannt - auf der Autobahn A10 in mehr als 40 Metern Höhe in einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt. Um die 30 Fahrzeuge waren zu dieser Zeit auf der Brücke unterwegs: Autos wurden in die Tiefe gerissen, Lastwägen stürzten in den Fluss Polcevera.

Überlebende aus Trümmern der Autobahnbrücke in Genua gezogen

Über den Tag stieg die Zahl der Opfer stetig. Die Suche nach Überlebenden in den Trümmern ging auch in der Nacht zu Mittwoch weiter. Am Mittag lag die Zahl der Todesopfer bei 42. Das sagte der Staatsanwalt Francesco Cozzi dem Fernsehsender RaiNews24. Unter den Toten seien auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und 13 Jahren. Der Präfektur zufolge gibt es 16 Verletzte, der Zustand von 12 gilt als kritisch. 

Nach dem verheerenden Einsturz der Autobahnbrücke rückt die Frage nach der Ursache für die Katastrophe in den Fokus. Die A10 ist nicht nur die berühmte Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori", sondern auch eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei. Innenminister Matteo Salvini machte am Dienstagabend die mangelnde Instandhaltung der Brücke für das Unglück verantwortlich. Die Verantwortlichen müssten für das Desaster bezahlen, "alles bezahlen, teuer bezahlen", erklärte er.

Veraltete Infrastruktur - lückenhafte Instandhaltung: Um die 300 Brücken und Tunnel in Italien sollen marode sein

Der frühere Verkehrsminister Graziano Delrio sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, es sei respektlos gegenüber den Opfern, politische Spekulationen aufzuwerfen.

Die Brücken-Katastrophe lässt in Italien die Alarmglocken schrillen. Laut der Tageszeitung La Repubblica sind um die 300 Brücken und Tunnel marode. Grund dafür seien die veraltete Infrastruktur und die lückenhafte Instandhaltung.

Kritik hatte es an dem nun eingestürzten Polcevera-Viadukt wegen hoher Baukosten schon seit seiner Erbauung gegeben. Doch auch kostspielige Renovierungen sorgten immer wieder für Diskussionen. Die Brücke, die im Westen von Genua unter anderem über Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet führt, hat eine Gesamtlänge von 1.182 Metern. Zum Zeitpunkt der Tragödie waren laut Betreibergesellschaft Autostrade per Italia Bauarbeiten im Gange.

Die eingestürzte Morandi-Brücke in der italienischen Hafenstadt Genua, Italien, 14. August 2018.

Brücke in Genua muss nun komplett abgerissen werden

Nach dem Unglück waren mehr als 300 Rettungskräfte im Einsatz. In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber auch mehrere Gebäude geräumt. Mehr als 400 Menschen seien obdachlos, erklärte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi. Ihm zufolge wird der Einsturz weitreichende Konsequenzen haben, da die Brücke komplett abgerissen werden müsse. Das werde "schwerwiegende Auswirkungen" auf den Verkehr haben und so Probleme für Bürger und Unternehmen nach sich ziehen.

Nach der Tragödie in Italien stellt sich nun auch hierzulande die Frage nach dem Zustand von Viadukten. Nach jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) gibt es in Deutschland fast 40.000 Brücken an Bundesfernstraßen - das umfasst Autobahnbrücken und Brücken an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten.

Nach Angaben der BAST ist der Zustand der Brückenflächen bei über 12 Prozent "sehr gut" oder "gut", bei etwa 75 Prozent "befriedigend" oder "ausreichend". Bei fast elf Prozent ist der Zustand allerdings "nicht ausreichend", bei knapp zwei Prozent gar "ungenügend".

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Die Zustandsnote bildet nach BAST-Angaben die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Eine Zustandsnote "nicht ausreichend" bedeute aber nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern sei vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen sei.

Ein "ungenügender" Zustand weist zwar auf eine beeinträchtigte oder nicht mehr gegebene Stand- oder Verkehrssicherheit hin, kann aber auch lediglich auf Schäden an den Gitterstäben des Geländers zurückzuführen sein. Wenn bei der Bauwerksprüfung eine Sicherheitsbeeinträchtigung festgestellt wird, so werden der BAST zufolge sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit weiterhin zu gewährleisten.

(dpa/rt deutsch)

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