Nach NGO-Bericht über "Russophile": Französische Twitter-Nutzer beginnen Russian-Bots-Flashmob

Nach NGO-Bericht über "Russophile": Französische Twitter-Nutzer beginnen Russian-Bots-Flashmob
Symbolbild
Die "Enttarnung" von Nutzern, die über den Benalla-Skandal schrieben, als "russische Bots" schlug unter französischen Twitter-Nutzern hohe Wellen. Auch prominente Politiker der Opposition wie Mélenchon oder Le Pen fanden sich auf der Liste der "Russophilen".

Der derzeit viel diskutierte Bericht wurde von "EU DisinfoLab" – einer in Brüssel ansässigen Nichtregierungsorganisation – veröffentlicht. Ihre erklärte Mission ist es, "Desinformation mit innovativer Methodik" zu bekämpfen.

Die NGO beschloss, der Desinformation über Emmanuel Macrons eigenen "Watergate"-Skandal, der seinen Demonstranten verprügelnden Leibwächter Alexandre Benalla betraf, entgegenzuwirken. Macrons "Rambo"-Leibwächter ist seit fast einem Monat in den Schlagzeilen. Neue Details, die Reaktion des Präsidenten und ausgedehnte Meinungsartikel zu den Folgen der "Bennala-Affäre" werden fast täglich von den Medien veröffentlicht, ebenso werden hitzige Diskussionen auf sozialen Plattformen geführt.

Der EU-DisinfoLab-Bericht betonte, dass eine "außerordentliche" Anzahl mit Benalla verknüpfter Tweets veröffentlicht worden sei – doppelt so viele wie einst mit dem Hashtag #JeSuisCharlie. Die Organisation betonte, dass es sogenannte "Russophile" gebe, die mit dieser Tätigkeit in Verbindung stünden.

Sie wies darauf hin, dass in dem Bericht erklärt worden sei, was genau das Wort "russophil" bedeutet. Es handele sich dabei um Personen, die "öffentlich und regelmäßig Artikel von RT und Sputnik [teilen], die staatlich finanzierte russische Medien sind" und "das pro-russische Narrativ" fördern, so die NGO.

Um die Ergebnisse noch transparenter zu machen, hat die Brüsseler Gruppe Namen aktiver "russophiler" Twitter-Accounts durchsickern lassen. Auch Jean-Luc Mélenchon, Präsidentschaftskandidat 2017 und einer der schärfsten Kritiker von Emmanuel Macron, fand seinen Namen auf dieser "Schwarzen Liste".

"Hey, blöder Spion! Ich bin kein russischer Bot. Ich bin es nur, Mélenchon, der gegen dich twittert! Wenn du mich daran erinnern musst, du bist noch dümmer, als du aussiehst. Gezeichnet Nummer 14452", bemerkte der Parteichef von "La France Insoumise" (FI) verärgert und mit Anspielung auf die Nummer, unter der er auf der Liste geführt wird.

Eine weitere FI-Politikerin entdeckte ihren Twitter-Account ebenfalls auf der Liste. "Bin überrascht, mich auf dieser Liste zu finden, die mich mit Anhängern von [Wladimir] Putin in Verbindung bringt", tweete Mathilde Panot.

Macrons schärfste Konkurrentin bei der Präsidentschaftswahl, Marine Le Pen von der Rassemblement National (NR) – früher bekannt als Front National –, befand sich ebenfalls unter den 55.000 genannten Konten. "Privatsphäre, Zensur, Manipulation von Informationenen, schöne neue Welt!", schrieb sie.

Auch Charlotte Dubenskij von RT, die wiederholt über Ereignisse in Frankreich berichtet hat, stand auf der Liste, ebenso eine Journalistin der französischen Zeitung Le Monde, Ariane Chemin.

Nach dem explosiven Bericht veröffentlichte EU DisinfoLab eine Erklärung, in der sie darauf bestand, dass sie weder von "irgendeiner Form von Einmischung des russischen Staates in die Schaffung des Falles Benalla noch von einem massiven Einsatz russischer Bots" gesprochen habe.

Der Direktor von EU DisinfoLab Alexandre Alaphilippe erklärte gegenüber RT, die Studie habe nie beabsichtigt, "eine russische Einmischung" in den Benalla-Skandal nachzuweisen. "Die Tatsache, dass der Gesetzgeber oder der Regierungssprecher dies sofort für politische Zwecke ausnutzte, hat einen derartigen Hype ausgelöst, der nie Gegenstand unserer Studie war", sagte er.

Der unabhängige Journalist Luc Rivet warnte im Gespräch mit RT jedoch davor, dass die Organisation nicht das unschuldige und neutrale, sondern das respektable Gesicht des laufenden Informationskrieges sei - mit Russland als Ziel.

"DisinfoLab ist der Embryo der Propagandamaschine der EU. Und viele national orientierte Politiker werden über diese Enthüllungen wütend sein", erklärte er während einer Livesendung.

Skurrille Phrasen auf Russisch, neue Namen und Nummern von der schwarzen Liste

Die Enthüllungen über "Russophile" auf Twitter schlugen hohe Wellen. Nachdem sie ihre Namen auf der EU-DisinfoLab-Liste gefunden hatten, kommentierten viele Nutzer das Thema unter dem Hashtag #FichagePolitique (politische Datenbank) sarkastisch.

Einige änderten sogar die Namen ihrer Konten in die Nummern, unter denen sie von der NGO aufgelistet wurden. So wurde aus einem Twitter-Nutzer @Ros_Jo21 der "russische Bot Nr. 21705", und eine Person namens Domi Jeannes fügte hinzu, dass sie die "Nummer 6661 auf der Liste" sei.

Andere gingen sogar noch weiter und machten ihre Konten noch russischer: "Лемаркич matricule 31884" oder "Franck Noir  Чёрный Франк – Opposant N°2045". Um zu "beweisen", dass sie echte "russische Bots" sind, begannen die "auf der schwarzen Liste" stehenden Nutzer sogar, in kyrillischer Schrift Sätze auf Russisch zu posten.

Die französische Kommission für Informatik und Freiheit bestätigte, dass sie zahlreiche Beschwerden von Internetnutzern erhalten hat, die darüber besorgt sind, dass sie von der NGO gelistet werden.

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