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Nach Doppeladler-Geste bei WM: Debatte um doppelte Staatsbürgerschaft in der Schweiz

Nach Doppeladler-Geste bei WM: Debatte um doppelte Staatsbürgerschaft in der Schweiz
Nationalspieler Granit Xhaka und der Auswahltrainer Vladimir Petkovic bei einem Freundschaftsspiel gegen Japan am 8. Juni in Lugano. Beide haben ausländische Wurzeln.
Aussagen des Generalsekretärs des Schweizerischen Fussballverbands über Spieler mit zwei Pässen sorgen in der Alpenrepublik für neue Diskussionen. Der Verband sah sich zur nachträglichen Stellungnahme gezwungen, ein Nationalspieler reagierte irritiert.

Die Schweiz diskutiert wieder über ihre Fußball-Nationalmannschaft, oder wie sie zu Hause genannt wird - die Nati. Grund sind Aussagen des Generalsekretärs des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) Alex Miescher. Nach dem Achtelfinalaus gegen Schweden bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sprach er mit Journalisten zweier Zeitungen. Seine Kommentare beziehen sich offenbar auf die umstrittene Torjubel-Geste der beiden Nati-Fußballer Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri im Spiel gegen Serbien.

So sagte Miescher in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger, die Schweiz "muss sich vielleicht fragen", ob sie künftig Doppelstaatsbürger in der Nationalmannschaft verbieten wolle. So könnte der Verband sagen, dass die Türen in die Förderprogramme nur jenen Nachwuchsspielern offen stehen, die auf eine doppelte Staatsbürgerschaft verzichten, erklärte der Generalsekretär.

Symbol des albanischen Doppeladlers sorgt weiterhin für Debatten

Xhaka und Shaqiri haben kosovo-albanische Wurzeln und hatten nach ihren Toren beim 2:1 gegen Serbien für Aufsehen gesorgt. Mit ihren Händen formten sie den Doppeladler, der die albanische Fahne ziert. Zugleich birgt aber dieses Zeichen ein ultranationalistische Symbolik in sich, steht sie doch für Großalbanien, weswegen die gegnerischen Fans dies als politische Provokation betrachteten. Der Weltfußballverband FIFA sah darin lediglich unsportliches Verhalten. Beide erhielten eine Geldstrafe von 10.000 Franken. Auch Kapitän Stephan Lichtsteiner hatte diese Geste gezeigt. Er muss 5.000 Franken zahlen.

Schwedische Fußballfans in Russland, 27. Juni 2018.

Die Vorfälle rund um Schweizer Nationalspieler mit Jubelgesten und Solidaritätsbekundungen zugunsten Albaniens hätten gezeigt, dass es eine Problematik gebe, sagte Miescher. Seinen Vorstoß begründete der Generalsekretär damit, dass sich viele Nachwuchsspieler im Alter von 21 Jahren gegen Einsätze für die Schweiz entscheiden würden und vorher einen teuren Ausbildungsplatz blockierten.

Irritationen bei Nationalspieler Xhaka

Die Aussagen sorgten für so viel Aufsehen, dass sich der Fußballverband noch mal zu Wort meldete und eine Erklärung abgab. So habe sich vom Verband selbst nie jemand gegen mehrfache Staatsbürgerschaften ausgesprochen. Man bedauere den Eindruck, der SFV lehne doppelte Staatsbürger ab.

Der frühere Bundesligaprofi Granit Xhaka zeigte sich von Mieschers Vorschlag irritiert. In einem Interview der Schweizer Nachrichtenagentur SDA tat Xhaka die Aussagen als "Steinzeit-Kommentare" ab.

Ich höre aus seinen Zeilen heraus, dass er Doppelbürgern nicht zutraut, für die Schweiz an die Grenzen zu gehen. Das geht direkt an die Adresse von mir und ein paar anderen mit zwei Nationalitäten", sagte der 25-Jährige.

Xhaka verwies darauf, dass 50 bis 60 Prozent der heutigen Schweizer Nationalspieler Doppelstaatsbürger seien, ebenso Auswahltrainer Vladimir Petkovic.

"Sogar unser Chef ist Doppelbürger und gibt Blut und Schweiß für die Nationalmannschaft", sagte Xhaka. "Mit diesem unnötigen Vorstoß hat Alex Miescher viel Stirnrunzeln hervorgerufen, aber auch viele enttäuscht." Zudem zeigte sich Xhaka verärgert, dass sich der Funktionär kurz nach dem WM-Aus so geäußert habe.

Torjubel rief auch Politiker auf den Plan

Die Debatte über den Jubel der Torschützen Xhaka und Shaqiri mit politischen Gesten überschattete die Schweizer Freude über den 2:1-Sieg gegen Serbien. Auch Politiker äußerten sich nach dem Match am 22. Juni in sozialen Medien.

Natalie Rickli, Abgeordnete der rechtskonservativen SVP, der wählerstärksten Partei der Schweiz, schrieb kurz nach Spielende auf Twitter: "Ich kann mich nicht wirklich freuen. Die beiden Goals sind nicht für die Schweiz gefallen, sondern für den Kosovo." Der Abgeordnete Stefan Müller von der Mitte-Rechts-Partei CVP meinte dagegen: "Chilllen, Leute! Es handelt sich um endorphingetränkte Twens, die soeben eine Stunde lang von Nationalisten wie euch ausgepfiffen wurden. Blöd war's natürlich trotzdem."

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