Russischer Energieminister: "Britische Drohung, Gasimporte zu reduzieren, ist politisch motiviert"

Russischer Energieminister: "Britische Drohung, Gasimporte zu reduzieren, ist politisch motiviert"
Hinter dem Ansinnen der britischen Premierministerin Theresa May, die Gaseinkäufe aus Russland zu reduzieren, was schlecht für den Wettbewerb ist, sieht der russische Energieminister Aleksander Nowak eine politische Motivation.

"Russland liefert Gas zu absolut wettbewerbsfähigen Bedingungen nach Europa und wird auch weiterhin in einem wettbewerbsorientierten Umfeld operieren. Solche Entscheidungen sind politisch motiviert und zielen nicht darauf ab, den Wettbewerb auf dem europäischen Markt zu erhöhen", wird Nowak von der Nachrichtenagentur TASS zitiert.

"Es ist das Recht jeder kommerziellen Organisation und jedes Landes, ihre Energiepolitik zu wählen", räumte der Minister ein. Er wies jedoch darauf hin, dass London für andere Energieoptionen abseits von Russland draufzahlen müsse.

Nowak nahm Stellung zur vorherigen Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May, dass das Vereinigte Königreich nach alternativen Gaslieferungen suchen werde, nachdem es Russland für die Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal verantwortlich gemacht hatte.

Bildquelle: sovcomflot.ru

Die Finanzzeitung Financial Times berichtet, dass der US-Erdgastanker Gemmata inzwischen von seiner ursprünglichen Route nach Asien abgedreht habe und Kurs auf Großbritannien nehme. Dort werde er wahrscheinlich am 20. März seine Lieferung am walisischen Importhafen "Dragon" abladen, schreiben die Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Washington versucht seit langem, Marktanteile in Europa zu gewinnen. Insbesondere Polen stellt sich aus geopolitischen Erwägungen bezüglich Russlands und Deutschlands als Käufer der US-Produkte zur Verfügung.

Großbritannien kauft russisches Erdgas über das europäische Festland und hat auch bereits Einkäufe bei Russlands brandneuer Flüssiggasanlage in Jamal, Nordsibirien, getätigt. Vergangenes Jahr verkaufte Russland Erdgas im Wert von 2,85 Milliarden US-Dollar an das Vereinigte Königreich.

Die Hälfte der Flüssigerdgasimporte Großbritanniens im Jahr 2018 kommen aus Russland. Ein ungewöhnlich kalter Winter und Pipelinebrüche zwangen London, Moskau um Hilfe zu bitten, um den nationalen Gasbedarf zu decken.

Trevor Sikorski, Chef-Gasanalyst bei Energy Aspects in London, sagte der Financial Times, dass Großbritannien nach der Schließung des Speicherstandortes Rough stärker von Flüssigerdgaslieferungen abhängig werden könnte. Er fügte hinzu, dass der Anteil der britischen Importe von derzeit drei Prozent auf fünf Prozent steigen könnte.

Die britische Energiegewerkschaft GMB stellte die Frage, "wie wirksam die Sanktionen sein werden, wenn die Hälfte unserer Flüssiggasimporte in diesem Jahr aus Russland kommen und russische Unternehmen im Jahr 2017 sechs Prozent unseres Gasverbrauchs bereitstellten", wie Bloomberg zitiert.

"Wir brauchen eine ernsthafte Strategie und Investitionen in die britische Energiewirtschaft, um sicherzustellen, dass wir auf eigenen Füßen stehen können", forderte die Gewerkschaft.