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Türkei: Vergewaltigung eines Kindes befeuert Debatte um Sexualstrafrecht

Türkei: Vergewaltigung eines Kindes befeuert Debatte um Sexualstrafrecht
Istanbul, Türkei, 17. Juli 2007
Bei einer Hochzeit in der Südtürkei hat ein Mann eine schlafende Vierjährige vergewaltigt. Der Mann entging anschließend nur knapp einem Lynchmord. Nun werden härtere Strafen für Kinderschänder gefordert. RT Deutsch sprach dazu mit einem türkischen Experten für Strafrecht.

In den sozialen Medien fordern Türken mehr Gerechtigkeit, wenn es um sexuelle Vergehen an Kindern geht. Laut der türkischen Statistik wurden im Jahr 2016 17.000 Fälle von Kindesmissbrauch angezeigt, im Jahr 2014 waren es nur 11.000. Experten gehen davon aus, dass zu viele Fälle ungemeldet bleiben, denn diese ereignen sich vor allem innerhalb von Familien. Ausschlaggebend für die Forderung nach härteren Strafen war die Vergewaltigung eines Kindes. Die türkische Regierung plant, das Strafgesetz für Sexualstraftäter zu verschärfen. Angedacht sind unter anderem lebenslange Haftstrafen und chemische Kastration. Manche fordern auch aus diesem Grund die Wiedereinführung der Todesstrafe. 

Der Vorfall ereignete sich in Adana. Während sich vor dem Haus des Opfers eine Hochzeit abspielte, schlich sich der Täter ins Haus und verging sich an der schlafenden Vierjährigen. Ein Hochzeitsgast sah den Mann mit dem nackten Kind und schlug ihn mit einem Ziegel. Andere eilten herbei, um den Täter zu lynchen. Dieser floh unbekleidet. Verwandte des Mädchens versuchten, sein Haus niederzubrennen. 

Prof. Dr. Adem Sözüer, Jurist und Leiter des Instituts für Strafrecht und Kriminologie an der Universität in Istanbul, sagte zu dem Fall gegenüber RT Deutsch:

Die Gesellschaft ist sehr empört, besonders die Opposition. Man will wieder Strafen erhöhen. Die chemische Kastration ist keine wirksame Sache, diese wird an den Problemen nichts ändern. Aber sie wird die Gesellschaft beruhigen. Das ist eine neue Entwicklung, die in vielen Ländern zu beobachten ist. Das die Gesetzgebungsorgane nach solchen so Fällen reagieren, ist unvernünftig und irrational. Aber sie machen es, weil es Wahlen gibt und insbesondere wegen der sozialen Medien. Es wird ein großes Theater gemacht. Wir haben schon vor zwei Jahren die Strafen erhöht. Und nach zwei Jahren wird es noch einen Fall geben. Aber solche Fälle sind bekannt. Früher waren die Fälle nur begrenzt bekannt. Von der Gesetzgebung wird Handeln gefordert. Die billigste Sache ist, die Strafen zu erhöhen. Als Resultat sind die Gefängnisse voll. Dann macht man Amnestien oder man sucht nach neuen Alternativen. Alle wissen, dass das keine Lösung ist. 

Was müsste in der Türkei gegen sexuelle Gewalt, besonders gegen Kinder passieren?

Wir wissen nicht, ob es mehr Fälle gibt. Es gibt nur Zeitungsberichte und keine richtige Statistik. Harte Strafen haben wir genug. Aufklärung ist notwendig. Daran fehlt es. Besonders in der Schule, in der Familie. Aber die anderen Maßnahmen kosten Geld. Schärfere Gesetze sind die günstigste Variante. Ich hoffe, dass man rationaler wird. Dieses Mal jedoch wird es ganz schwierig sein, denn die gesellschaftliche Erwartung ist zu hoch. In solchen Zeiten müsste man eigentlich noch rationaler sein.  

Wir bedanken uns für das Gespräch. 

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