Mögliche Verzweiflungstat wegen negativen Asylbescheids: Afrikanische Mutter stirbt an Unterkühlung

Mögliche Verzweiflungstat wegen negativen Asylbescheids: Afrikanische Mutter stirbt an Unterkühlung
Kinder übernachten vor den Türen der schwedischen Einwanderungsbehörde in Stockholm, Schweden, 8. Januar 2016.
Eine afrikanische Asylbewerberin starb in der Nacht auf Mittwoch in Schweden an den Folgen von Unterkühlung, ihre beiden Kinder überlebten. Es wird vermutet, dass sie sich und ihre Kinder infolge einer schlechten Nachricht der Asylbehörde in Gefahr brachte.

Die Polizei fand die Frau Mitte 30 und afrikanischer Herkunft zusammen mit ihrer Tochter in einem Waldgebiet der Stadt Sävsjö. Das Leben der Mutter konnte nicht mehr gerettet werden, sie war zu stark unterkühlt. Versuche, einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera aus Göteborg einfliegen zu lassen, scheiterten am starken Schneefall. Die Polizei suchte mit Hundestaffeln. 

Neunjähriger Junge abseits von Mutter und Schwester aufgegriffen

Polizeisprecher Thomas Agnevik erklärte gegenüber den schwedischen Expressen-Nachrichten: 

Sie wurden in sehr schlechtem Zustand gefunden. Die Frau war stark unterkühlt und zugegebenermaßen konnte ihr Leben trotz der intensiven Bemühungen um eine Wiederbelebung an Ort und Stelle nicht gerettet werden.

Das Mädchen jedoch überlebte. Am frühen Mittwochnachmittag war ein Anruf bei der örtlichen Polizei eingegangen. Ihr meldete eine Person die Sichtung eines leicht bekleideten, neunjährigen Jungen bei Außentemperaturen von minus zehn Grad. Zeugen berichteten, dass sie auch eine Frau mit einem anderen Kind gesehen hätten. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Jungen um den Sohn der Asylbewerberin aus Westafrika handelte. Er wurde gefunden und überlebte die Kälte. 

Mehr als ein Dutzend Fälle von Selbstmorden unter jungen Asylbewerbern

Einer Theorie zum Hergang des Unglücks zufolge begab sich die Mutter mit ihren Kindern möglicherweise bewusst in die Gefahr, weil sie zuvor einen negativen Bescheid des schwedischen "Migrationsverket" (Einwanderungsbehörde) erhalten hatte. Der Polizeisprecher:

Es gibt nichts, dessen wir uns sicher sind oder dem wir nachgehen konnten. Aber die Art, wie die Frau den Jungen geradezu im Schnee zurückgelassen hat, könnte vielleicht auf eine Verzweiflungstat hindeuten.

Die Polizei hofft, dass weitere Untersuchungen Aufschluss über die Ursache geben. Auch der eigene Polizeieinsatz soll untersucht werden. Befragungen bei anderen Anwohnern der Flüchtlingsunterkunft über den Aufenthaltsort der Abgängigen hatten nichts ergeben, die Mutter und ihre Kinder hatten wenig Kontakte. Im letzten Jahr ergab eine Untersuchung des schwedischen Karolinksa-Instituts, dass sich bereits mehr als ein Dutzend junger Flüchtlinge das Leben genommen haben. Hilfsorganisationen schieben einen Teil der Verantwortung dafür auf die langen Wartezeiten auf eine Entscheidung der Einwanderungsbehörde. 

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