Schweden: Polizei in Malmö führt Bodycams gegen die Gewalt ein

Schweden: Polizei in Malmö führt Bodycams gegen die Gewalt ein
Deutscher Polizist in Köln mit Bodycam, 3. Februar 2016.
In den Medien wird Malmö als "Chicago Schwedens" bezeichnet. In einem Pilotprojekt der Polizei werden nun 200 Beamte mit Bodycams zum Schutz vor Übergriffen und zur Unterstützung der Aufklärungsarbeit ausgestattet. Die Regierung will so vor den Wahlen punkten.

Im Rahmen des Pilotprojekts der schwedischen Polizei werden zunächst 200 Malmöer Polizisten die Bodycams am Oberkörper tragen. Das damit gesammelte Material soll die Ermittlungsarbeit unterstützen. In einer Erklärung der schwedischen Polizei heißt es: 

Die Aufnahme von Bild und Ton soll geschehen, um kriminelle Aktivitäten zu verhindern, aufzuspüren oder strafrechtlich zu verfolgen. 

Das Projekt soll ein Jahr lang andauern. Geleitet wird es durch das "Stockholmer Entwicklungszentrum der nationalen operativen Abteilung" (Utvecklingscentrum Stockholm på Nationella operativa avdelningen). Anders Hall, Entwicklungsdirektor der Einrichtung: 

Wir glauben, dass Körperkameras unter anderem die Gewalt gegen die Polizei reduzieren werden. Das Filmmaterial kann natürlich auch ein wichtiger Teil der Beweise für die Ermittlungsarbeit sein.

Schwedisches Polizeiauto Vasteras, Schweden, 10. August 2015.

Bei den Bodycams handelt es sich um Körperkameras, welche sichtbar getragen werden. Seit 2005 verwenden diese einzelne Polizeieinheiten in Großbritannien. Auch Dänemark führte bereits Tests mit den Bodycams durch. Ein weiterer Probelauf begann in Deutschland 2013 in Frankfurt am Main. Anfang 2016 versuchte sich die Bundespolizei an Einsätzen der Körperkameras am Berliner Ost- und Hauptbahnhof. Auch einige DB-Mitarbeiter wurden vor zwei Jahren zum Schutz vor Gewalt mit Kameras ausgestattet. 

Sicherheit als Wahlkampfthema 

Im kommenden September sind Wahlen in Schweden. Bei den letzten Jahren im Jahr 2014 waren die Sozialdemokraten die stärkste Kraft im Land. Rund 350.000 Wähler in Schweden gelten als Unentschlossene und 750.000 als Wechselwähler, die auch als "blockbrytare" (Blockbrecher) bezeichnet werden. Diese wählen Mitte-Rechts-Parteien oder die Sozialdemokraten. Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven versucht unter dem Motto "Bessere Sozialhilfe, Gesetz und Ordnung, schnellere Integration" Stimmen aus den bürgerlichen Lagern zu erlangen.

Stockholm, Schweden, 13. Februar 2016.

Der Wahlkampfleiter John Zanchi

Wir haben heute eine politische Agenda, die auf gewisse Art autoritär ist. Es gibt den Wunsch der Wähler, dass jemand die Kontrolle der Gesellschaft übernimmt.

Dabei stützt sich die Wahlkampagne auf fünf gesellschaftliche Probleme, welche wie folgt zusammengefasst werden:

Die Sicherheit ist zurückgegangen und eine neue Art von Kriminalität versucht Fuß zu fassen. Auch wenn wir jetzt mit dem beginnen, was geschehen muss: [...] Für eine lange Zeit wurde das Integrationsproblem zu leicht genommen. 

Wenn sich das Pilotprojekt in Malmö als erfolgreich erweist, soll es auf fünf weitere Regionen ausgeweitet werden. 

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