Wegen Shitstorm: Französisches Arbeitsamt löscht Anzeige für einen "Ausländer-Ausweisungsbeamten"

Wegen Shitstorm: Französisches Arbeitsamt löscht Anzeige für einen "Ausländer-Ausweisungsbeamten"
Ein Polizist während der Räumung eines Flüchtlingslagers in Porte de la Chapelle im Norden von Paris am 18. August 2017.
Eine kleine, aber offenbar brisante Stellenanzeige sorgt für Aufregung in Frankreich. Das Arbeitsamt "Pôle emploie" suchte einen "Beamten, der für die Ausweisung von Ausländern zuständig ist". Kaum war die Anzeige veröffentlicht, verschwand sie auch wieder.

Das französische Arbeitsamt Pôle emploi bot auf seiner Website einen befristeten Arbeitsvertrag für einen "Beamten, der für die Ausweisung von Ausländern zuständig ist". Das Stellenangebot, ein auf zwei Monate befristeter Arbeitsvertrag mit Tätigkeitsbereich Lille, war am Nachmittag des 18. Februar auf der Website von Pôle emploi abrufbar und wurde kurz danach wieder zurückgezogen.

Wegen Shitstorm: Französisches Arbeitsamt löscht Anzeige für einen "Ausländer-Ausweisungsbeamten"
Ein Ausschnitt aus der ursprünglichen Stellenanzeige.

Die Reaktionen der Internetnutzer ließen nicht lange auch sich warten. Die Reaktionen der Franzosen reichten von Wut bis Ironie. Ein Internetnutzer fragte sich, wie Pôle emploi überhaupt ein solches Angebot aufgeben konnte.

Andere zogen Parallelen zur deutschen Besatzung während des zweiten Weltkriegs. "Die Regierung von Vichy rekrutiert dank der Unterstützung von Pôle emploi", schrieb ein Internetnutzer. Ein weiterer fragte sich, ob die Arbeitsagentur unter den Nazis wohl genauso gehandelt hätte.

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Andere kommentierten die Anzeige eher ironisch. Ein Internaut frage sich, ob nicht der für seine harte Position bei Flüchtlingsfragen bekannte Innenminister Gérard Collomb den Job bekommen habe. Schließlich sei die Anzeige nicht mehr zu sehen.

Die Regierung unter Präsident Macron hatte schon in 2017 angekündigt, ein härtere Linie in der Flüchtlingsfrage zu fahren. In seinen Reden macht Macron immer öfter einen Unterschied zwischen "Wirtschaftsflüchtlingen" und schutzbedürftigen Asylbewerbern. Die ersteren sollen keine Chance mehr bekommen, ins Land zu gelangen.

Dass es sich dabei nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, zeigt sich an der Grenze zwischen Italien und Frankreich: Irreguläre Flüchtlinge, die über den Grenzübergang in Ventimiglia nach Frankreich kommen, werden von der Polizei aufgegriffen und gleich wieder nach Italien zurückgeschickt.

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Ebenfalls 2017 hatte Premierminister Philippe angekündigt, dass bis 2019 rund 12.500 neue Aufnahmeplätze für Flüchtlinge geschaffen werden sollen. Damit will Frankreich die zum Teil menschenunwürdigen Zustände in den wilden Flüchtlingslagern im Land beenden. Im Juli 2017 hatte die Polizei ein solches Camp in der Nähe der Porte de la Chapelle in Paris aufgelöst. Dort hatten knapp 2.800 Flüchtlinge, die unter anderem aus Syrien, Afghanistan und Eritrea stammten, unter freiem Himmel übernachtet.

Zudem soll das Asylverfahren von 14 auf sechs Monate verkürzt werden. Philippe kündigte an, dass abgelehnte Asylbewerber künftig systematisch abgeschoben werden sollen. 2016 hätten 31.000 Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung eine Aufforderung erhalten, das Land zu verlassen. Diese Anweisung hätten aber weniger als 25.000 Personen befolgt, kritisiert Philippe.