Blockade von Gasbohrungen: Konflikt zwischen Türkei und Zypern spitzt sich zu

Blockade von Gasbohrungen: Konflikt zwischen Türkei und Zypern spitzt sich zu
Eine Gasbohranlage im östlichen Mittelmeer: Bereits 2011 hat das US-amerikanische Unternehmen Noble Energy vor Zypern Gasvorkommen entdeckt.
Seit Tagen blockieren türkische Militärschiffe Gasbohrungen vor der Küste Zyperns. Die EU forderte Ankara auf, die Blockade aufzugeben. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan wandte sich nun mit deutlichen Worten an die griechisch-zyprische Seite.

Der Streit um die Erdgas-Erkundungen vor der Mittelmer-Insel Zypern spitzt sich zu: Weil seit vergangenen Freitag türkische Kriegsschiffe die Gasbohrungen blockieren, schaltet sich die EU ein und fordert Ankara auf, die Blockade aufzuheben. Die Antwort des türkischen Präsidenten ließ nicht lange auf sich warten: Recep Tayyip Erdoğan warnte vor weiteren Erkundungen.

Türkische Marine verhindert weitere Bohrungen 

Nach Angaben aus griechisch-zyprischen Regierungskreisen hinderten zuletzt sechs türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Gasbohrschiff daran, ein Erforschungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen. Die Blockade dauere mittlerweile seit Freitagabend an, hieß es am Montag.

Türkisches Küstenwachboot rammt griechisches Patrouillenboot nahe der umstrittenen Inseln in Ägäis (Symbolbild)

EU-Ratspräsident Donald Tusk rief die Regierung in Ankara am Montag dazu auf, die territoriale Souveränität Zyperns zu respektieren. Es gelte von Bedrohungen und jeglichen anderen Handlungen Abstand zu nehmen, die eine gute Nachbarschaft schädigten, erklärte er am Abend nach einem Telefonat mit Zyperns Präsident Nikos Anastasiades.

Zuvor hatte bereits eine Sprecherin von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker deutliche Kritik an der türkischen Blockade geübt. Auch sie forderte Ankara dazu auf, die Souveränität von EU-Staaten über deren Hoheitsgewässer und deren Luftraum zu respektieren. Aus der Türkei hieß es, ihre eigenen Rechte würden missachtet, indem die Bohrungen nach Erdgas ohne Zustimmung der türkischen Zyprer stattfänden. Das Athener Außenministerium konterte daraufhin am Montag, das Verhalten Ankaras stehe nicht im Einklang mit der Haltung eines Landes, das EU-Mitglied werden wolle. Ankara verletze internationales Recht.

Erdogan warnt vor weiterer Erdgassuche vor Küste Zyperns 

Der türkische Präsident Erdoğan sprach nun am Dienstag eine deutliche Warnung an die griechisch-zyprische Seite aus: "Im Moment beobachten unsere Kriegsschiffe, Luftstreitkräfte und andere Sicherheitseinheiten die Entwicklungen in der Region sehr genau, mit der Befugnis, wenn nötig jede Art von Eingriff vorzunehmen." Er mahnte dazu, "keine falschen Berechnungen" anzustellen. 

Erdogan sagte weiter, "opportunistische Versuche" entgingen der Türkei nicht. Ausländische Firmen sollten der griechischen Seite nicht vertrauen und sich nicht für Aktionen einspannen lassen, die "ihre Befugnisse und ihre Macht überschreiten". Er warnte zudem davor, sich auf Abkommen zu berufen, die "keinerlei Gültigkeit haben", um auf deren Basis Bohrungsschiffe in die Region zu schicken.

Die Mittelmeer-Insel ist seit 1974 geteilt: Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Im südlichen griechischen Teil befindet sich die Republik Zypern, die seit 2004 EU-Mitglied ist. Diese wird wiederum von der Türkei nicht anerkannt. Immer wieder kommt es zu Spannungen zwischen den beiden Seiten rund um die Frage der Ausbeutung der Ressourcen vor der Mittelmeer-Insel. Die Türkei argumentierte stets, das griechische Zypern repräsentierte nicht die gesamte Insel, so dass die Ausbeutung der Bodenschätze Teil der Gespräche über eine Wiedervereinigung sein müssten.

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