Arafat und Berlusconi - Tagebücher erzählen von Bestechungsgeldern durch den Medienmagnaten

Arafat und Berlusconi - Tagebücher erzählen von Bestechungsgeldern durch den Medienmagnaten
Silvio Berlusconi und Jassir Arafat in Rom, Italien, 30. Oktober 2001.
Einen Monat vor den Wahlen veröffentlichte die Zeitschrift L'Espresso Auszüge von Tagebüchern des Ex-PLO-Führers Jassir Arafat. Dieser will von Silvio Berlusconi Bestechungsgelder erhalten haben. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung erscheint verdächtig.

Ein Beleg für die Echtheit der Tagebuch-Auszüge Arafats, welche L'Espresso abdruckte, steht noch aus. Die Tagebücher soll der umstrittene Politiker zwischen 1984 und 2004 verfasst haben. Sie befänden sich bei einer französischen Stiftung.

Der Verlag erklärte, er habe durch zwei Luxemburger Zugriff auf die Aufzeichnungen erhalten. Berlusconi soll Arafats Hilfe gesucht haben, nachdem Anschuldigungen gegen ihn laut geworden waren, der Sozialistischen Partei Bettino Craxis fünf Millionen Euro zugespielt zu haben. Die Gelder wurden nicht deklariert und es gab keine Transparenz hinsichtlich ihres Ursprungs.

Während der Gerichtsverhandlung sagte Berlusconi, die Gelder seien eine Spende an die PLO gewesen. Im angeblichen Tagebuch schrieb Arafat, er habe niemals jene Spenden erhalten, von denen die Rede vor Gericht war. Im Jahr 1998 soll es zwischen Arafat und Berlusconi zu einem Treffen gekommen sein, bei dem Berlusconi den PLO-Führer dazu bestochen haben soll, in seinem Sinne auszusagen. Neben Beziehungen zu Berlusconi schrieb Arafat auch über Fidel Castro und Saddam Hussein. Zwischen der PLO und der italienischen Regierung habe es eine Abmachung gegeben, wonach es keine Terroranschläge mehr auf italienischem Boden geben werde.  

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Italien befindet sich derzeit im Wahlfieber. Die Parlamentswahlen sind für den 4. März angesetzt. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der nunmehrigen angeblichen Arafat-Tagebücher erscheint vielen Beobachtern verdächtig.

Berlusconi-Anwalt sollte hohe Summe für Herausgabe bezahlen

Immerhin rückt Berlusconi wieder ins politische Rampenlicht. Seine Koalition liegt nach Prognosen vorne. Er selbst aber darf nach einer rechtskräftigen gerichtlichen Verurteilung wegen Unterschlagung aus dem Jahr 2013 kein öffentliches Amt bekleiden. Niccolò Ghedini, Anwalt Berlusconis und Vertrauter, bezweifelt die Echtheit der Tagebücher und glaubt an eine Schmutzkampagne. Ihm sei sogar angeboten worden, die Bücher zu erwerben: 

Dieses Material ging eine Weile rum und war bisher von geringem Interesse. Es ist keine Überraschung, dass es letztendlich nur Tage vor der Wahl auf L'Espresso Tage auftauchte. Mir wurde angeboten, diese [Tagebücher] für eine eher beträchtliche Summe zu kaufen. Sie [die Anbieter] pochten darauf, dass Berlusconis Wahlkampagne leiden könnte, wenn Details zu den Tagebüchern öffentlich werden würden. 

Verfasst wurde der Artikel in L'Espresso vom Mafia-Experten Lirio Abbate, der jedoch selbst die Tagebücher nie zu Gesicht bekommen haben soll. 

Arafat verstarb 2004 in einem Pariser Krankenhaus. Über die Todesursache gibt es verschiedene Theorien.

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