Schulden aus der Zarenzeit: Russland soll 53 Milliarden Euro an französische Erben zahlen

Schulden aus der Zarenzeit: Russland soll 53 Milliarden Euro an französische Erben zahlen
(Symbolbild)
Eine Gruppe französischer Staatsbürger, die Anleihe-Dokumente des Russischen Reichs aus dem 19. Jahrhundert besitzen, hat vom Kreml gefordert, dass dieser die Schulden des Zarenreichs zurückzahlt, heißt es in einem Bericht von Radio France Internationale (RFI).

Im Jahr 1867 lancierte die Russische Eisenbahn Staatsanleihen, die durch Gold garantiert wurden. Sie hatten einen Gesamtwert von 15 Milliarden Französische Franken, was heute einem Gegenwert von 53 Milliarden Euro  entspricht. Nun fordern laut RFI 400.000 Nachkommen der Investoren eine Rückzahlung.

Nach der sozialistischen Revolution in Russland erließ Wladimir Lenin ein Dekret, um die Schulden des Russischen Reichs abzuschreiben.

Höchst unwahrscheinlich ist es, dass die Nachkommen der französischen Anleihekäufer je einen Cent aus Russland bekommen werden, da Paris und Moskau im Jahr 1996 ein Abkommen zur Abschreibung der zaristischen Schulden unterzeichneten. Russland hat zugestimmt, 400 Millionen US-Dollar in 50 Millionen US-Dollar Tranchen abzubezahlen. Ökonomen erklärten, dass es ungefähr zwei Prozent dessen sei, was das Russische Reich französischen Investoren schuldete.

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Eine ähnliche Geschichte gab es bereits mit Großbritannien, die jedoch noch vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion ins Rollen kam. Im Jahr 1986 unterzeichnete Michail Gorbatschow mit Margaret Thatcher ein Abkommen über die Begleichung der Staatsschulden des vorrevolutionären Russland. Das Vereinigte Königreich verpflichtete sich, seinen Bürgern, die Anleihen des Russischen Reiches besaßen, eine Entschädigung in Höhe der Kosten von 5,5 Tonnen Gold des Zaren Nikolaus II. auszuzahlen, das in britischen Banken gelagert war.

Verlässlicher Schuldner, großzügiger Gläubiger - so zeigte sich die Russische Föderation im Umgang mit dem finanziellen Erbe der Sowjetunion.

Im vergangenen Jahr zahlte Russland den Restbetrag seiner Schulden aus der Sowjetzeit zurück, indem es 125,2 Millionen US-Dollar an Bosnien und Herzegowina überwies.

"Fragt bei den neuen EU-Mitgliedern nach"

Wladimir Olentschenkow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, meint, dass das französische Geld aus den Anleihen in die Infrastruktur westlicher Regionen des Russischen Reiches geflossen seien.

Und hier ist das amüsante daran: Nach der Revolution des Jahres 1917 spalteten sich Polen, die Baltischen Staaten und Finnland von Russland ab, wo diese Infrastrukturarbeiten auch eigentlich ausgeführt wurden. Heute sind das selbständige Staaten, die früher aber zum Zarenreich gehörten", merkte der Wissenschaftler an.

Seiner Meinung nach sollten die Franzosen einen "raffinierten Schritt" wagen und diese Staaten wegen der entsprechenden Rückzahlungen anfragen. Außerdem könnten sie es bei Deutschland versuchen, "da in der Zeitperiode ein großer Teil der aktiven Wirtschaftseliten des heutigen Estlands deutsche Unternehmer darstellten".