Bandera-Gedenkmärsche in der Ukraine: Kriegsverbrecher wäre am Neujahrstag 109 Jahre alt geworden

Bandera-Gedenkmärsche in der Ukraine: Kriegsverbrecher wäre am Neujahrstag 109 Jahre alt geworden
Ukrainische Nationalisten halten Fackeln auf einem Gedenkmarsch für Stepan Bandera, einem der Begründer der Organisation Ukrainischer Nationalisten-OUN, der am 1. Januar 1909 geboren wurde, 1. Januar 2018, in Kiew, Ukraine. Quelle: Reuters
In Kiew und mehreren anderen ukrainischen Städten feierte man am Montag nicht nur das angebrochene neue Jahr 2018. Eine vierstellige Zahl an Anhängern gedachte auch des in der Ukraine als Held gefeierten Stepan Bandera, der am 1. Januar 1909 zur Welt kam.
Leonid Krawtschuk im Exklusiv-Interview mit RT:

Wie die russische Nachrichtenagentur TASS am Montagabend berichtete, haben in mehreren ukrainischen Städten Gedenkmärsche zum 109. Geburtstag Stepan Banderas stattgefunden.

Der ukrainische Politiker, der unter anderem in Russland, Polen, Israel und im Osten der Ukraine als Kriegsverbrecher gilt, wird in der westlichen Ukraine weitestgehend als Nationalheld gefeiert.

Neben der ukrainischen Hauptstadt sollen Veranstaltungen dieser Art auch in weiteren großen ukrainischen Städten wie Lemberg, Melitopol, Dnipro und Tarnopol auf aktive Teilnahme gestoßen sein.

Die üblichen Parolen einmal mehr wiederholt

In Kiew selbst sollen sich ungefähr tausend Teilnehmer an dem Marsch beteiligt haben. Diese setzten sich weitgehend aus Mitgliedern der Partei "Swoboda", des "Rechten Sektors" sowie des "Kongress Ukrainischer Nationalisten" zusammen.

Russische und ukrainische Flaggen auf einem Stadion.

Die Route des Marsches begann am Denkmal des ukrainischen Lyrikers Taras Schewtschenko und endete auf dem Platz der Unabhängigkeit.

Aus den Reihen der Anwesenden ertönten die üblichen ultra-nationalen Parolen wie "Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!", "Ruhm unserer Nation, Tod den Feinden", "Die Ukraine über alles" und "Bandera kommt und schafft wieder Ordnung". Die öffentliche Ordnung in Kiew gewährleisteten an dem Tag 1.200 anwesende Polizeibeamte und 730 Soldaten.

Die Veranstaltungen sind Symptome jenes Kompromisses mit dem extremen ukrainischen Nationalismus, den der Westen im letzten Jahrzehnt willentlich einging, um die Ukraine aus der russischen Partnerschaft zu lösen und die öffentliche Meinung innerhalb des Landes umzuwälzen. 

Noch ein langer Weg in den Westen

Die Demokratisierung der Ukraine gestaltet sich jedoch weitaus schwieriger als es sich die Hauptunterstützer dieses Vorhabens ursprünglich vorgestellt hatten. Die polnische Republik, ein Nachbarland, das Kiew gerne im EU-Einflussbereich gesehen hätte und sehen würde, muss seit längerem den Geschichtsrevisionismus der Ukraine so handhaben, dass die polnische Bevölkerung die düstere Diskrepanz zur eigenen nationalen Erinnerung nicht allzu sehr bemerkt.

Ein Mitglied des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine bewacht den Käfig eines Angeklagten während einer Anhörung in Kiew (Ukraine, 21. April 2017, Quelle: Reuters)

Es waren die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und die Ukrainische Aufständische Armee, die während des Zweiten Weltkriegs in Wolhynien und Ostgalizien Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung ausführten. Je nach Quelle haben Banderas Anhänger damals zwischen 100.000 und 200.000 Polen ermordet. Der Grund dafür war das Vorhaben, einen neuen, "ethnisch reinen" ukrainischen Staat zu gründen. Zudem haben dieselben Organisationen den Mord an mindestens 28.000 Juden zu verantworten.

Das Parlament Polens hat am 22. Juli 2016 beschlossen, dass die von den ukrainischen Nationalisten begangenen ethnischen Säuberungen an den Polen in den Jahren 1943 bis 1944 als Völkermord zu bewerten sind.

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