"Verdächtiger Russe", der aus britischem Parlament entfernt wurde, war in Wirklichkeit US-Amerikaner

"Verdächtiger Russe", der aus britischem Parlament entfernt wurde, war in Wirklichkeit US-Amerikaner
Symbolbild - Debatte im britischen Unterhaus, März 2016
Das britische Unterhaus ist zum Schauplatz eines bizarren anti-russischen Zwischenfalls geworden. Abgeordnete forderten, einen "verdächtigen russischen Diplomaten" von der Besuchertribüne zu entfernen. Doch dann stellte sich heraus: Der Mann war US-Amerikaner.

Das Spektakel entfaltete sich während einer eher schlecht besuchten Debatte über die angebliche Einmischung Russlands in das Brexit-Referendum. Die Labour-Abgeordneten Ben Bradshaw und Chris Bryant beschuldigten den Mann, von der russischen Botschaft zu sein und Fotos sowie Videos von der Tribüne zu machen, eine Praxis, die nach den Regeln des Parlaments strikt verboten ist.

"Verdächtiger Russe", der aus britischem Parlament entfernt wurde, war in Wirklichkeit US-Amerikaner
Bild der eher schlecht besuchten Debatte im britischen Unterhaus zur angeblichen russischen Einmischung in den Brexit - Screenshot Daily Mail

"Er ist von der russischen Botschaft. Er hat Fotos gemacht", sagte Bradshaw während der Debatte. Auch der Liberaldemokrat Tom Brake twitterte über den Vorfall:

Ich habe gerade zur Debatte gesprochen und die russische Einmischung in die britische Politik hervorgehoben. Die Debatte wurde durch einen russischen Diplomaten belebt, der gegen die Regeln filmt, die Debatte von der Tribüne aus verfolgt und aufgefordert wird, zu gehen. Er hätte es einfach im Fernsehen des Parlaments sehen können."

Bryant alarmierte in Folge das Wachpersonal, und der "verdächtige russische Diplomat" wurde von der Tribüne geholt.

Jedoch war die Verbannung des Mannes nur von kurzer Dauer. Innerhalb von wenigen Minuten kehrte dieser zurück, nachdem er dargelegt hatte, dass er kein russischer Diplomat sei, sondern ein US-Amerikaner, der für eine Denkfabrik in London arbeitet.

Ich arbeite für eine Denkfabrik in London, meine Handykamera ist zugeklebt, so dass ich gar keine Fotos machen kann. Ich war nur für diesen Tag hier, ich wusste nicht, was los war", sagte er gegenüber der Daily Mail.

Ein Sprecher des House of Commons bestätigte, dass der verdächtige Mann die Debatte gar nicht gefilmt hatte:

Ein Gast auf der öffentlichen Tribüne hatte sein Handy benutzt, aber nicht gefilmt. Sein Telefon wurde vom Wachpersonal überprüft, und es wurde bestätigt, dass es darauf kein Videomaterial gab."

Der Vorfall belegt einmal mehr den derzeit herrschenden Grad an Hysterie in Großbritannien gegenüber Russland.