Norwegen: Keine Haft mehr für Drogenkonsum – Entkriminalisierung nach historischer Abstimmung

Norwegen: Keine Haft mehr für Drogenkonsum – Entkriminalisierung nach historischer Abstimmung
Behandlung statt Bestrafung – so lautet der neue norwegische Ansatz, der Drogenkonsum entkriminalisieren soll. Damit wäre das Land der Vorreiter in Skandinavien.

Die Mehrheit des Strotings, dem norwegischen Parlamentes, war sich in der Abstimmung einig: Die Regierung soll die Drogengesetze reformieren. Darüber einigten sich Konservativen, Liberale, Arbeiterpartei und die Sozialistische Linken.

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Bei der Entkriminalisierung handelt es sich jedoch keinesfalls um eine Legalisierung, das betonen die Politiker. Sie soll die Abhängigen nicht mehr in die Arme der Justiz, sondern an das Gesundheitswesen vermitteln, damit ihnen geholfen werden kann.

"Es ist wichtig zu betonen, dass wir Cannabis und andere Drogen nicht legalisieren, sondern entkriminalisieren", erklärte Sveinung Stensland, stellvertretender Vorsitzender des Storting Health Committee dem Norwegischen Medium VG.

"Die Veränderung wird einige Zeit brauchen, aber das bedeutet eine veränderte Sichtweise: Diejenigen, die ein Drogenproblem haben, sollten als krank behandelt werden und nicht als Kriminelle mit klassischen Sanktionen wie Geldbußen und Gefängnisstrafen", so Stensland gegenüber VG.

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Zuvor hatte es ein Drogenprogramm mit gerichtlicher Kontrolle gegeben, das die Freiheitsstrafen durch Behandlungsprogramme für Drogenabhängige in den Städten Bergen und Oslo ersetzte.

Das im Jahr 2006 gestartete Programm fand Anklang und wurde ausgebaut. Ein "Verbot des Konsum und des Besitzes von Drogen" wird es weiterhin geben. Die beiden großen Parteien stimmen jedoch überein, "die Reaktionen der Behörden auf Personen zu ändern, die für den Konsum und den Besitz von Drogen festgenommen werden", welchen die Behörden in Zukunft helfen wollen.

In Portugal wurde der Drogenkonsum bereits im Jahr 2001 entkriminalisiert, nachdem das Land mit einer immer größer werdenden Zahl von Abhängigen fertig werden musste und die Zahl der HIV-Toten weiter stieg. Durch den veränderten Umgang hat das Land mittlerweile die zweitniedrigste Drogentoten-Quote Europas.

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