Moderate Reaktionen polnischer Medien auf Putins Äußerungen zu Smolensk

Moderate Reaktionen polnischer Medien auf Putins Äußerungen zu Smolensk
Der russische Präsident Wladimir Putin auf seiner Weltpressekonferenz zum Jahresende am 14. Dezember in Moskau. (Quelle: Sputnik Photo Agency)
Am 10. April 2010 verunglückte das polnische Regierungsflugzeug mit dem damaligen Präsidenten Lech Kaczyński an Bord im russischen Smolensk. Alle 96 Menschen an Bord kamen ums Leben. Bis heute gibt es in Polen dazu Debatten und Verschwörungstheorien.

Am Donnerstag hat die 13. Jahrespressekonferenz des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, mit Vertretern von Medien aus aller Welt stattgefunden. Darin hat ein Journalist vom polnischen Fernsehsender TVN den russischen Präsidenten auf die Smoleńsk-Katastrophe angesprochen. War die erste Frage des polnischen Medienvertreters noch kurz und sachlich gehalten, fiel die zweite Frage um einiges länger und polemischer aus.

1. Frage:

Wann können wir mit der Rückgabe des Flugzeug-Wracks rechnen?

2. Frage:

In Polen werden wir einen neuen Bericht über diesen Vorfall veröffentlichen. Es gibt eine Kommission innerhalb des Verteidigungsministeriums der neuen Regierung. Diese überprüft den Fall erneut und es soll Berichte über Explosionen an Bord des Flugzeuges geben. Der Verteidigungsminister sagt, er habe Beweise dafür und seine Ermittlungskommission arbeite daran, auch im Hinblick auf Hinweise, dass Ihre Leute dies provoziert und durchgeführt haben könnten.

Der russische Präsident Wladimir Putin gab eine Antwort, die in weiterer Folge durch alle polnischen Medien lief und unterschiedliche Reaktionen hervorrief.

Die Stimmen aus Polen

Ein Artikel des größten Internetportals Polens, Onet.pl, trägt den Titel "Putin spielt mit Smolensk - Warum will Russland nicht die ganze Wahrheit über die Katastrophe offenlegen?" Weiter unten heißt es im Text, dass Russland alles tue, "damit nicht die ganze Wahrheit und alle Beweise im Fall der Smolensk-Katastrophe das Tageslicht erblicken". Eine Frage bleibe weiterhin offen: Warum?

Nachdem Putin konkret auf die Theorie einer Explosion eingegangen war, hieß es vom russischen Staatsoberhaupt:

Wenn es im Flugzeug Explosionen gab - von wo kam das Flugzeug, aus Moskau? Es kam aus Warschau. Das heißt, dort müssten die Sprengsätze gelegt worden sein. Sucht also bei euch.

Daraufhin versicherte er sofort, dass es "dort keine Explosionen gab". Onet.pl hielt fest, dass Putin in einer Sache Recht behalte: Sofern die Theorie einer Explosion stichhaltig wäre, müssten die Sprengsätze tatsächlich auf polnischem Boden gelegt worden sein. Genau das werde nun in der neuen Ermittlungskommission erforscht, so das einflussreiche Internetportal.

Dziennik.pl ist ein polnisches Nachrichtenportal, das eng mit dem US-amerikanischen Sender CNN zusammenarbeitet. In dessen Artikel zum Thema hieß es am Donnerstag: "Putin nach Ursachen der Katastrophe um die Tu-154 gefragt: Die Maschine flog aus Warschau, nicht aus Moskau. Sucht also bei euch. Antwort von Macierewicz". Dieser Bericht ist ergänzt durch eine direkte Reaktion des polnischen Verteidigungsministers Antoni Macierewicz.

Als Antwort auf die Ausführungen Putins äußerte Macierewicz:

Es ist höchste Zeit, dass die russische Führung der Wahrheit ins Auge schaut. Dass sie das unrechtmäßig einbehaltene Flugzeug-Wrack, die unrechtmäßig einbehaltenen Black Boxes und jegliche Navigationsausrüstung zurückgibt. Indem sie all diese fundamentalen Beweisstücke einbehalten, versuchen sie, der Verantwortung zu entgehen und erschweren die Ermittlungen zu dieser Tragödie.

Die konservativ-liberale Tageszeitung Rzeczpospolita berichtete wiederum unter dem Titel "Putin an Polen über Smolensk: Schließt dieses Kapitel ab". Die überparteiliche Wochenzeitung Wprost wiederum verwendete als Headline: "Putin über die Smolensk-Katastrophe: Versuche, Russland zu beschuldigen, sind absurd". Das Blatt widmete den Antworten Putins einen kurzen Absatz, denen zufolge er die Ermittlungen als abgeschlossen ansieht. Daraufhin folgten Aussagen des polnischen Außenministers Macierewicz, nämlich dass "dies kein Unfall gewesen ist".

Das national-konservative Nachrichtenportal wPolityce.pl verfasste einen kurzen Bericht mit dem Titel: "Kreml provoziert wieder! Putin antwortet auf eine Frage von TVN über 10/04: Werdet endlich erwachsen. Wenn eine Bombe gelegt wurde, müsst ihr sie in Warschau suchen". Wprost warf Wladimir Putin in diesen Zusammenhang Zynismus vor. Anschließend folgte eine kurze und trockene Zusammenfassung der Punkte, die Putin in seinen Antworten ansprach. Unter anderem, dass er Spekulationen über ein mögliches Attentat als vollkommen gegenstandslos erachtet.

Sanfter als erwartet

Zusammenfassend handelte Polens Presse Putins Aussagen sehr umfangreich ab und ohne diese stark aus dem Kontext zu reißen. Obwohl die Presse-Reaktionen selbst dennoch durchweg skeptisch waren, wurden die Berichte neutral genug verfasst, um den polnischen Lesern und Zuschauern Raum zur eigenständigen Deutung der Gedanken des höchsten russischen Staatsdieners zu geben. In den Kommentaren vieler der zitierten Artikel meldeten sich Nutzer, die Wladimir Putin als ausgewogene und vernünftige politische Stimme empfunden haben.

Ein weiteres Fragment aus Putins gestriger Antwort dient als Schlusswort:

Mir scheint es, dass die russisch-polnischen Beziehungen wichtiger sind als der laufende, innere politische Kampf zwischen verschiedenen Kräften, die eine Art anti-russische Front in Polen bilden. Dreht doch endlich diese Karte um, werdet endlich erwachsen, erlangt die Reife, der es bedarf, um den Bedürfnissen und den Interessen der polnischen Nation gerecht zu werden.