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"Seid ihr bereit, Russen zu schlachten?": Radio Liberty nennt Hassrede "schmerzhafte Fragen"

"Seid ihr bereit, Russen zu schlachten?": Radio Liberty nennt Hassrede "schmerzhafte Fragen"
Streng bewacht: Das Stab-Quartier des US-Senders Radio Liberty und Radio Free Europa in Prag
In einer Radiosendung von Radio Liberty im Februar konfrontierte ein PR-Profi die Zuhörer mit der Frage, ob diese bereit seien, "Ruskanaken zu erstechen". Jetzt macht die Äußerung in russischen Medien die Runde. Der Sender sah darin russische Fake-News.

Täglich von 18 bis 19 Uhr sendet der US-amerikanische Sender Radio Liberty in der Ukraine eine Sendung für den Donbass mit dem Namen "Radio Donbass - Realitäten". Die Sendung erhebt den Anspruch, die Donbass-Bewohner von beiden Seiten der Trennlinie mit "objektiven Informationen ohne jegliche Aggression und Aufregung" zu versorgen. Am 21. Februar 2017 strahlte der Sender eine Sondersendung aus. Man gedachte des Endes des Maidan und lud Experten ins Studio ein, um mit diesen Erfolge und Misserfolge der Ukraine in den drei Jahren seit dem Umsturz zu besprechen.

Die geladenen Experten lenkten die Diskussion aber in eine andere Richtung: Es ging bald um Medienverhalten und Meinungsklima im Land und im Donbass. Der seines Zeichens als PR-Berater fungierende Alexej Kowzun bemängelte am Ende der Sendung, das Bild des "Anderen" sei bei den Ukrainern zu diffus. Er gab zu, dass die Russen den Ukrainern zu ähnlich seien und dies sei ein Problem, wenn man einen Krieg gewinnen wolle. Er sagte:

Ich sehe eine klare Spaltung und eine Frontlinie. Ich verstehe, wie das gemacht wird. Wenn sich dies noch in einem untrennbaren Zustand befindet, erinnere ich mich an amerikanische Indios, die kein Konzept des Anderen hatten. Sie haben bekanntlich verloren. Also, meine Freunde, ihr solltet euch eine Frage stellen:

Seid ihr bereit - es klingt natürlich furchtbar, aber ich kann es mir erlauben, ich bin ein Medienschaffender, die Provokationen sind uns eigen - seid ihr bereit, die Ruskanaken zu schlachten? Nicht Putin. Seid ihr bereit, einen Russen zu erstechen, der in euer Haus einbricht, indem ihr versteht, dass ihr eben Ruskanaken schlachtet?

Antwortet auf diese Frage und es wird leichter und einfacher für euch.

Falschmeldung über Löschung der Sendung

Der Moderator nannte die Äußerung "sehr kontrovers" und schloss die Sendung ab, denn die Zeit war um. Ob die Anzahl der Zuhörer zu begrenzt war, um weiter Aufsehen zu erregen, ist ungeklärt, aber der Passus blieb vorerst weitgehend unbemerkt. Bis Anfang Dezember, als im Internet die Ausschnitte des Videos mit der "umstrittenen Äußerung" auftauchten. Eine populäre russische Polit-Talkshow zeigte die Stelle als kurze Einblendung. Das Portal life.ru schrieb einen Artikel mit der Behauptung, das Video sei bei YouTube wegen "hassstiftender Äußerungen, die Völkerzwietracht säen" entfernt worden.

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Ob es ein Versehen der russischen Journalisten war, die schlecht recherchierten, oder nur ihr Wunschdenken: Radio Liberty reagierte am 5. Dezember jedenfalls triumphierend. Der Sender schlagzeilte: "Russische Fake-News: Man ruft im Äther des 'Radio Liberty' auf, Ruskanaken zu schlachten". Das eigentliche "Fake" war dabei aber lediglich die Behauptung des Portals life.ru, das Video sei auf dem offiziellen Kanal von Radio Liberty gesperrt worden.

Stolz verkündete das Medium, dem sei nicht so und verlinkte zum Original-Video. Außerdem rügte der US-amerikanische Sender russische Medien dafür, dass diese die Äußerung ihres Kontexts beraubten. Die Chef-Redakteurin des Projektes "Radio Donbass - Realitäten", Tatiana Jakubowitsch, erklärt:

Das Gespräch wurde dem Problem der Verwässerung des Begriffes einer 'anderen Seite' des Konflikts im Donbass gewidmet. Dass wir uns veranlasst sehen, solch schmerzhafte Fragen zu artikulieren, ist durch Natur der hybriden russischen Aggression im Donbass bestimmt.

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Konzept der Dämonisierung und Dehumanisierung

Der geladene Experte Alexej Kowzun, der dem Publikum die "schmerzhafte Frage" stellte, war nicht irgendjemand. Für viele gilt der einstige Musikjournalist als PR-Guru, denn er hat jahrelang die PR-Arbeit der Politikone Julia Timoschenko konzipiert. Auch in der Diskussion bei Radio Liberty ging es darum, wie es die Ukrainer schafften, durch die Medien vermittelte, komplett gegensätzliche Erklärungsansätze zum Ukraine-Konflikt zu vertreten. Um Klarheit zu schaffen, bot Kowzun an, die Russen als "Ruskanaken" [entmenschlichte Form vom "Russen" - русня] zu bezeichnen und als Einbrecher zu sehen, die es wohl verdient hätten, erstochen zu werden.

"Seid ihr bereit, Russen zu schlachten?": Radio Liberty nennt Hassrede "schmerzhafte Fragen"
Andrej Babizki, der einstige Radio Liberty-Journalist, im Jahr 2000 in Moskau. In Russland war er sehr umstritten, da er mit Terroristen während des zweiten Tschetschenien-Krieges Interviews führte. Heute kritisiert er Radio Liberty als militantes Propaganda-Medium.

Der russische Journalist Andrej Babizki, der selbst jahrelang bei Radio Liberty gearbeitet hatte und erst nach einer seiner Donbass-Reportage im Jahr 2014 den Sender verlassen musste, sah in diesem nur spärlich verschleierten Mord- und Terror-Aufruf die Konsequenz der Politik des Senders. In der Förderung antirussischer Nationalismen folgte dieser den Grundsätzen der US-Politik, die sich seit den 1950er Jahren im "Gesetz zum Schutz der versklavten Völkern" manifestierte. Zunächst richtete sich dieses Gesetz gegen die Sowjetunion, nach deren Zerfall gegen Russland. Seit Jahren geht der Sender in viele russische Regionen mit Lokalredaktionen – nach Sibirien, Kaukasus, Tatarstan usw. und unterstützt dort all jene, die gegen die vermeintliche "russische Dominanz" kämpfen. Artikel auf der Plattform des russischen Radio Liberty mit den Titel wie "Warum ich kein Sibirier (Sibirjak) bin" seien ein Beispiel für diese Politik, merkt der Kanal Politrussia an.

Russische und ukrainische Flaggen auf einem Stadion.

Liberaler Faschismus: Töten im Namen der "Werte"

Außerdem sei die Passage ein Zeichen dafür, dass Hate Speech gegenüber Russen in den US-amerikanischen Medien salonfähig sei, schreibt Babizki. Wäre so etwas in der Gegenrichtung in russischen Medien passiert, gebe es sofort einen enormen Skandal und organisatorische Konsequenzen für die Verantwortlichen, schätzt der Journalist.

Die einstige Maidan-Volontärin und Kulturanalytikerin Jewgenia Biltschenko sieht in dieser Äußerung faschistoide Tendenzen des ultraliberalen Diskurses, den der vermeintliche mondäne Freigeist Kowzun verkörpert:

Der orthodoxe Liberalismus ist im Grunde schwer mit Extremismus behaftet, denn er ummantelt die Idee der Gewalt in eine süße Hülle des Kampfes für Recht und Freiheit [deren Verständnis man der Gegenseite abspricht] und benutzt ständig diese doppelten Codes. Darin wurzeln die faschistoiden Konnotationen des liberalen Diskurses.

RT Deutsch fragte sowohl bei dem Sender Radio Liberty in Kiew als auch bei der Redaktion des Projekts "Radio Donbass - Realitäten" schriftlich nach, wie sie zu den Vorwürfen einer Verbreitung von Hass-Rede stehen und warum der Sender solche "provokanten" Vorschläge nicht als Aufruf zur Gewalt einstuft. Eine Antwort blieb bislang aus.

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