Genetisch modifizierte Ratten: Wie London seine Rattenplage bekämpfen will

Genetisch modifizierte Ratten: Wie London seine Rattenplage bekämpfen will
Laut Schätzungen leben in Deutschland ungefähr 350 Millionen Ratten. Das wären rund vier Ratten pro Einwohner.
Jeden Tag gehen Meldungen über Ratten und Mäuseplagen bei den Londoner Gemeinden ein. Rattengift wirkt nicht mehr, die Nagetiere haben Resistenzen entwickelt. Genetisch modifizierte Ratten, die ein Unfruchtbarkeitsgen in sich tragen, sollen Abhilfe schaffen.

Der Winter kommt und die Nagetiere Londons, vor allem Ratten, suchen in Wohnräumen einen warmen Unterschlupf. Die Ratten lernen, sich gegen eingesetzte Pestizide zu wehren, sie werden genetisch immun. Eine Idee ist nun, die Ratten mit einem Unfruchtbarkeitsgen zu versehen, welches die Population reduzieren soll. 

(Symbolbild). Uruguays Exportschlager Naturhonig, von dem rund 9.000 Tonnen nach Europa gehen, findet seit 2016 in Deutschland keine Käufer mehr. Grund dafür: Er ist mit Resten von Glyphosat belastet.

An Moskitos wurde die Methode bereits getestet, um gegen die Ausbreitung von Malaria und Zika anzugehen und die Zahl der Stechmücken zu reduzieren. Die Technik der DNA-Veränderung wird als "Crispr" bezeichnet. Bevor die Nagetiere in die Stadt entlassen werden, werden sie genetisch verändert. Dabei will die Universität Edinburgh mit ihren Studien helfen. Professor Bruce Whitelaw vom Roslin Institut: 

Zum ersten Mal haben wir die Technik, die die Pest-Vorkommen auf eine humane und für gewisse Spezien spezifische Art reduzieren oder eliminieren kann. Crispr ist vielleicht das aufregendste Werkzeug, das die Biologie je besessen hat, und es ist ein fantastisches Mittel für uns, alle Arten von Gen-Funktionen der Tier- und Pflanzenfunktionen auseinanderzunehmen. Es ist Zeit zu erforschen, was die Technik schaffen kann.  

Kritiker dieser Vorgehensweise fürchten, dass die genetisch veränderten Ratten einen nicht vorhersehbaren Einfluss auf das Ökosystem nehmen könnten. Gus McFarlane, vom Roslin Institut, der an dem Projekt mitarbeitet: 

Es ist eine neuartige Technologie, also sind Risiken involviert und wir arbeiten an dem Versuch, diese Risiken besser verstehen zu können. Eines der größten Risiken, um dass wir uns sorgen, ist, wenn es eingesetzt wird, wir damit ein Tier belegen und es sich auf Individuen überträgt. 

Mehr zum Thema:  Zweiter Weltkrieg: Wie die Japaner in Singapur Rattenflöhe mit Beulenpest züchteten