USA entwickeln neue Großstrategie für den Balkan: Militärische Rückkehr in die Region

USA entwickeln neue Großstrategie für den Balkan: Militärische Rückkehr in die Region
Ein US-Soldat der 88. Airbourne Division auf einem ausgebrannten Panzer der jugoslawischen Armee im Camp Bondsteel.
Die US-Militärbasis im Kosovo als Stützpunkt für eine dauerhafte militärische Präsenz, eine Annäherung an Serbien und die Wiederherstellung des Rufs als aufrichtiger Vermittler sollen die neuen Leitlinien der US-Außenpolitik in Bezug auf den West-Balkan sein.

Washington diskutiert wieder über die Zukunft der Länder Südosteuropas. Unter dem Titel "A Coming Storm? Shaping a Balkan Future in an Era of Uncertainty" fand jüngst eine Konferenz mit über 100 Teilnehmern statt.

Polnischer Verteidigungsminister Antoni Macierewicz und sein US-amerikanischer Amtskollege James Mattis bei einem Treffen im NATO-Hauptquartier in Brüssel (Belgien, Juni 2017, Quelle: Reuters)

Organisiert hatte die Veranstaltung der Atlantic Council, eine einflussreiche US-Denkfabrik, die transatlantisch sehr gut vernetzt ist und entsprechend aktiv versucht, ihre Vorstellungen von Wirtschaft, Politik und Sicherheit in die offizielle Politik einzubringen. Im Zuge der Tagung trafen Außenminister aus Südosteuropa, Vertreter der US-Regierung sowie Experten aus den Vereinten Staaten und Europa zusammen.

Im Vorfeld der Konferenz veröffentlichte die Institution einen Bericht, in dem von einer Notwendigkeit die Rede ist, den Fokus der US-amerikanischen Außenpolitik wieder verstärkt auf die Länder des West-Balkan zu richten.

Ein Weckruf für die USA

Der stellvertretende Vorsitzende des Atlantic Council, Damon Wilson, sagte vor der Konferenz in einem Interview mit dem Sender Voice of America, dass die USA in der Region wieder eine aktivere Rolle einnehmen sollten, sonst riskiere man den Ausbruch einer neuen Krise.

Die Präsenz der amerikanischen Sicherheitskräfte solle deshalb nicht nur mit der KFOR-Mission im Kosovo verbunden, sondern zu einer permanenten werden. Als ideale Lösung dafür biete sich die dort bereits vorhandene US-Militärbasis "Bondsteel" an, die bis zu 7.000 Soldaten beherbergen könne.

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Die Stabilität der Region sei von entscheidender Bedeutung, wenn es um die wirtschaftliche Entwicklung der Region geht. Politische Krisen und Konflikte hemmen diese: Die Unsicherheit verschreckt die ausländischen Investoren, gefährdet Arbeitsplätze und treibt die jungen Menschen aus ihren Heimatländern ins Ausland. 

IS-Zeichen am Eingang zur bosnischen Stadt Gornja Maoca, Februar 2015

Auch in der Geschichte der Beziehungen zu Serbien schlägt der Council vor, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Der stellvertretende Vorsitzende setzt sich für eine historische Versöhnung zwischen beiden Ländern ein. Zudem sollten die USA als Vermittler an den Verhandlungen zwischen Belgrad und Pristina teilnehmen, die zurzeit auf EU-Ebene geführt werden, um zu einem Fortschritt des Dialogs zu gelangen.

Neue Töne gegenüber Serbien stoßen auf Skepsis

In serbischen Medien bewerteten zahlreiche Experten die Konferenz und den im Vorfeld veröffentlichten Bericht hingegen als einen weiteren Versuch, den Druck auf Serbien zu erhöhen. Man will das Land dazu drängen, sich zwischen der NATO und Europa auf der einen Seite und Russland auf der anderen klar zu entscheiden.

Im Anschluss an die Konferenz äußerte sich der Beauftragte des US-Außenministeriums für Zentral- und Südzentraleuropa, Hoyt Brian Yee, als einer der Teilnehmer. Der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug zufolge sagte er, dass die USA bereits lange auf dem West-Balkan präsent seien und auch beabsichtigten, dort zu bleiben - nicht aus altruistischem Instinkt, sondern weil ihnen sehr wichtig sei, aus dem Balkan einen Ort mit Zukunft zu machen.