Frankreich will muslimische Straßengebete in Pariser Vorort Clichy-la-Garenne verbieten

Frankreich will muslimische Straßengebete in Pariser Vorort Clichy-la-Garenne verbieten
Die öffentlichen Gebete der muslimischen Gemeinde sind ein Protest gegen die Schließung einer Moschee im Viertel.
Die französischen Behörden wollen Muslime daran hindern, in einer Straße nördlich von Paris zu beten, sagte der französische Innenminister Gerard Collomb am Sonntag. Die Muslime protestieren mit den öffentlichen Gebeten gegen die Schließung einer lokalen Moschee.

"Sie werden keine Gebete auf der Straße haben, wir werden das Beten auf der Straße verhindern", sagte Innenminister Gerard Collomb gegenüber „Questions Politics“ und „France Info“. Seit März dieses Jahres finden im Vorort Clichy-la-Garenne jeden Freitag auf der Straße Gebete statt. Die Gebete sind ein Protest gegen die Schließung einer beliebten lokalen Moschee, die zunächst als Regierungsgebäude diente, dann aber zu einer Bibliothek umgebaut wurde.

Die Muslime werfen den Behörden vor, kein geeignetes Gelände zum Bau einer neuen Moschee anzubieten. Der Innenminister erkennt die Notwendigkeit einer Alternative an:

Muslime müssen einen Ort zum Beten haben […] Wir werden dafür sorgen, dass wir diesen Konflikt in den nächsten Wochen lösen."

Ein lokaler muslimischer Verein kündigte derweil an, er wolle am kommenden Freitag im Stadtzentrum beten. Am 10. November versuchten rund 100 lokale französische Politiker, die Gläubigen zu blockieren und die Menge durch das Singen der französischen Nationalhymne zu stören.

Der konservative Bürgermeister von Clichy, Remi Muzeau, hatte argumentiert, dass es bereits eine andere Moschee nördlich der Stadt gibt. Sprecher der muslimischen Gemeinde beklagen jedoch, dass diese Moschee zu klein sei und schlechte Verkehrsanbindungen habe. In Frankreich leben ungefähr fünf Millionen Muslime. Frankreich definiert sich als laizistischer Staat. Vor allem der rechtskonservative Front National (FN) sperrt sich vehement gegen neue Moscheebauten.

2011 verglich die Parteichefin Marine Le Pen den Anblick der Muslime, die auf den Straßen beten, mit der Besetzung Frankreichs durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg. Sie wurde daraufhin wegen Aufstachelung zum Hass angeklagt und anschließend freigesprochen.