Schweden: Arbeitslosenzahlen auf dem Tiefstand - aber nicht für alle

Schweden: Arbeitslosenzahlen auf dem Tiefstand - aber nicht für alle
Fußgänger in Stockholm, Schweden, 5. Juni 2014.
Die Arbeitslosenzahlen in Schweden erreichten im Oktober einen neuen Tiefstand. Aber der Schein trügt, denn dieser gilt nur für die heimischen Schweden. Die im Ausland geborenen Zuwanderer haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Der Trend einer Zweiklassengesellschaft manifestiert sich.

Für den Monat Oktober wurde bekannt gegeben, dass die Arbeitslosenquote in Schweden bei 7,4 Prozent liegt. Im Vorjahr lag sie zum selben Zeitpunkt bei 7,6 Prozent. Aber was als Erfolg dargestellt wird, reflektiert nicht die Unterschiede in der Gesellschaft. In Schweden und Norwegen ist die Wahrscheinlichkeit der Arbeitslosigkeit für ausländische Bürger dreimal höher, als für die Einheimischen. 

Annika Sudén, Leiterin für den Bereich Analyse beim schwedischen Arbeitsamt: 

Wir haben einen sehr guten Arbeitsmarkt, wo die Arbeit in großem Umfang wächst. Zur gleichen Zeit hatten wir einen Anstieg der Arbeitskraft, viele wollen auf den schwedischen Arbeitsmarkt. 

Was gut klingt, ist zunächst eine gute Nachricht für die in Schweden geborenen Schweden. Hier lag die Arbeitslosenquote bei 3,9 Prozent. Bei den im Ausland geborenen Arbeitssuchenden lag die Quote bei 22,2 Prozent. Wie und wo Schweden die "Nyanländer", also die Neuzugänge, sieht, wird durch Lehrfilme des schwedischen Arbeitsamtes deutlich. Hier berichtet Mayssoun mit Kopftuch von ihrer Tätigkeit als "Verpackerin" und auch Muthab, eine junge Muslima mit freundlichem Gesicht, lächelt zufrieden in die Kamera: "Es ist ein Traum, ein Traum." Sie wurde in Schweden zur Busfahrerin. Emanzipation und Integration scheinen bei ihr gelungen.   

Aktion der Partei

Die Reaktion auf einen dieser Filme durfte RT-Deutsch in einem Schwedischkurs selbst miterleben. Es sollte ein besonderer Tag werden. Die Schüler aus Irak, Iran, Afghanistan, Syrien, Somalia und Eritrea, waren gespannt, als es hieß, es ginge um die Vorbereitung auf den schwedischen Arbeitsmarkt. 

Aber der Traum endete in der schwedischen Realität. Ein Zuwanderer afrikanischer Herkunft, der überglücklich in einem Restaurant für seine schwedischen Mitmenschen die Tische decken darf, wurde als Paradebeispiel an Integration dargestellt. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass in diesem Kurs nur Akademiker saßen. Die Reaktionen schwankten zwischen Enttäuschung, Wut und Ratlosigkeit. Manche resümierten: "Die akademischen Jobs sind den Schweden vorbehalten."

Professor für soziale Anthropologie an der Malmöer Universität, Aje Carlbom

Schweden ist statistisch gesehen eines der schlechtesten Länder zur Integration von Ausländern. Warum? Weil es ein sehr komplexes Land ist, wo man keine Arbeit ohne eine Ausbildung erhalten kann. Viele von denen, die hierher kommen, sind nicht ausgebildet, das ist das Problem. 

Für die Zuwanderer mit einem höheren Schulabschluss und einem Studium verursachen die Behörden eine Verzögerung zum Zugang des Arbeitsmarktes. Eine zentrale Stelle in Stockholm soll die ausländischen Zertifikate überprüfen und anerkennen. Aber überfordert durch den Zustrom dauert es Monate. Eine Kursteilnehmerin sprach von einer Wartezeit von mehr als einem Jahr. Solange bliebe ihr nichts anderes übrig als zu abzuwarten.