Made in Russia: Russische Hacker sollen Schuld an Katalonien-Krise sein

Made in Russia: Russische Hacker sollen Schuld an Katalonien-Krise sein
Demonstranten fordern die Freilassung von Aktivisten und Initiatoren des Unabhängigkeitsreferendums für Katalonien, Barcelona, Spanien, 11. November 2017.
Einen Keil zwischen die EU treiben, wolle Russland, so die Anschuldigungen aus Spanien. Das Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens aus russischer Hand? Über die sozialen Medien sollen Trolle fehlerhafte Informationen verbreitet haben, um zu destabilisieren.

Die fantastischen Troll-Wesen aus Märchen und Mythen geraten dank der Anschuldigungen gegen Russland nicht in Vergessenheit. In den schwedischen und dänischen Märchen vermischten sich Trolle oder Unholde mit Fabelwesen in Menschengestalt. Der Schabernack, den diese Wesen treiben, kennt keine Grenzen. Der Ort allen Übels ist eine Troll-Fabrik, die sich in Sankt Petersburg befinden soll. Die größte Krise Spaniens seit den 1970er Jahren soll nun ebenfalls durch russische Trolle forciert worden sein. Spanien will, dass die EU sich den Trollen annimmt. 

Der spanische Regierungssprecher Inigo Mendez de Vigo gegenüber El Pais: 

Dies ist eine ernstzunehmende Angelegenheit, wo sich die Demokratie den Herausforderungen neuer Technologien stellen muss. Wir sind der Ansicht, dass Europa diese Sache sehr ernst nehmen muss. Es kann nicht sein, dass ausländische Kräfte, Außenstehende, von denen wir nicht wissen, wer diese sind, die verfassungsmäßige Ordnung ändern wollen."

Die ursprünglich dem Referendum neutral gegenüberstehende Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, und andere Mitglieder des Stadtrats von Barcelona halten am einen Protest zur Unterstützung der angeklagten katalanischen Politiker.

Die spanische Verteidigungsministerin Maria Dolores de Cospedal ist sich sicher, woher die Außenstehenden stammen: 

Viele Nachrichten und Tätigkeiten, die in den sozialen Netzwerken gesehen werden, entstammen dem russischen Territorium. Und ich nutze den richtigen Ausdruck: dem russischen Territorium. Das bedeutet nicht zwangsweise, dass wir entschieden haben, es handle sich um die russische Regierung. Und so müssen wir mit extremer Vorsicht handeln. (...) Sie kommen teilweise vom russischen Gebiet, teilweise von woanders, von außerhalb der EU. Wir ermitteln dies derzeit."

Der spanische Premierminister Mariano Rajoy rief die Katalanen dazu auf, am 21. Dezember zur Wahl zu gehen, um die Normalität im Land wiederherzustellen. Am Sonntag reiste er erstmals nach Entmachtung Kataloniens nach Barcelona. Am Samstagabend hatten hunderttausende Katalanen für die Freilassung von Aktivisten demonstriert. Die Polizei sprach von rund 750.000 Teilnehmern. Der spanische Außenminister sprach von Beweisen für die russische Einflussnahme auf Spanien. Die Hackerangriffe richteten sich gegen die gesamte EU, zum Ziele der Destabilisierung. 

Am 1. Oktober hatten die Katalanen für ihre Unabhängigkeit abgestimmt. Die spanische Regierung entmachtete das katalanische Regionalparlament und berief sich auf Artikel 155 der Verfassung. Carles Puigdemont, der ehemalige Regionalpräsident, war mit vier Politikern nach Belgien geflohen.

Hunderttausende Katalanen fordern "Freiheit für politische Gefangene":