Israel kritisiert polnischen Unabhängigkeitsmarsch: Organisiert von Extremisten und Rassisten

Israel kritisiert polnischen Unabhängigkeitsmarsch: Organisiert von Extremisten und Rassisten
Die polnische Bereitschaftspolizei stellt sich rechtsextremistischen Teilnehmern am Unabhängigkeitsmarsch entgegen. Das vierte Jahr in Folge ist es am Rande des Marsches zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen, Warschau, 11. November 2017, Quelle: Reuters.
Wie das polnische Nachrichtenportal dziennik.pl berichtete, hat Israels Außenministerium den polnischen Unabhängigkeitsmarsch am Samstag scharf kritisiert. Vor allem sorgten fragwürdige, teils rechtsextreme Gruppen, die mitgewirkt hatten, für Irritationen.

Das Außenministerium Israels kritisierte demnach den polnischen Unabhängigkeitsmarsch, der am Samstag in Warschau stattfand und schätzte diesen als "gefährlich" ein.

Der Marsch, an dem mindestens 60.000 Menschen teilnahmen, ist als überparteiliche Kundgebung patriotischer Kräfte konzipiert. Unter den Teilnehmern befanden sich jedoch auch einige extremistische und gewaltaffine Elemente, die sich durch Pöbeleien und Provokationen in Szene setzten. Antisemitische Parolen, die mehrere Teilnehmer skandierten, fanden den Weg in die Medien und riefen vor allem innerhalb der jüdischen Gemeinden und bei der Regierung in Jerusalem Besorgnis hervor.

Der Sprecher des Außenministeriums, Emmanuel Nachschon, erklärte:

Das ist ein gefährlicher Marsch, der von extremistischen und rassistischen Elementen organisiert wurde.

Der israelische Diplomat äußerte die Hoffnung, dass die polnische Regierung die Verantwortlichen bestrafen wird. Außerdem fügte er hinzu:

Die Geschichte lehrt uns, dass solchen Vorkommnissen des Rassenhasses sofort und dezidiert entgegengewirkt werden muss.

Zehntausende Nationalisten und Rechtsradikale ziehen durch Warschau

Medien richten Fokus auf rechtsextreme Teilnehmer

Auch das US-amerikanische Wall Street Journal berichtete von dem polnischen Unabhängigkeitsmarsch. Im Unterschied zu den Zeiten des "Euromaidan" in der Ukraine, an dem sich ebenfalls zahlreiche militante Nationalisten beteiligt hatten, richtete die Zeitung einen sehr deutlichen Fokus auf ultranationalistische Kräfte unter den mindestens 60.000 Teilnehmern.

Große Mengen junger Menschen sollen Banner mit Aufschriften wie "Europa wird weiß sein", "Weißes Europa" und "Sauberes Blut" mit sich getragen haben. Der gesamte Marsch soll ausschließlich von nationalistischen Jugendorganisationen veranstaltet worden sein. Dazu gehört nach Auffassung des Blattes unter anderem die Młodzież Wszechpolska, zu Deutsch: Allpolnische Jugend. Die Gruppierung war bis 2007 die offizielle Jugendorganisation der rechtskonservativen "Liga polnischer Familien" (LPR), die jedoch auf Grund der wiederholten Beteiligung führender Mitglieder der Allpolnischen Jugend an militanten Aktionen die Zusammenarbeit beendete. 

Der langjährige Vorsitzende der LPR, Roman Giertych, hat auf seiner Facebookseite ebenfalls scharfe Kritik an den rechtsextremen Parolen geübt, die während des Marsches ertönten.

Regierung in Warschau begrüßt "Marsch der Patrioten"

Manche Teilnehmer sollen auch aus Ungarn, aus der Slowakei und Spanien eingereist sein und trugen Flaggen und Symbole mit sich, die deren Länder während ihrer Nazikollaboration im Zweiten Weltkrieg benutzt haben. Am Samstag hatte das polnische Staatsfernsehen trotz der Beteiligung rechtsextremer Gruppierungen das Ereignis einen "großen Marsch von Patrioten" genannt.

Im Zuge des Endes des Ersten Weltkriegs kehrte Polen am 11. November 1918, nach 123 Jahren der Nicht-Existenz, zurück auf die europäische Landkarte. Nächstes Jahr werden hundert Jahre vergangen sein, seit Polen seine Unabhängigkeit von Preußen, Österreich-Ungarn und dem Russischen Imperium wiedererlangte. Ob dieses Jubiläum dann auf andere Weise gefeiert wird, bleibt abzuwarten.