Prinz Charles: "Ausländische und europäische Juden verursachten große Probleme im Nahen Osten"

Prinz Charles: "Ausländische und europäische Juden verursachten große Probleme im Nahen Osten"
Der britische Thronfolger äußerte die Hoffnung, dass der damalige US-Präsident Ronald Reagan "den Mut hat, der jüdischen Lobby die Stirn zu bieten".
In einem Brief von 1986 hat der britische Kronprinz Charles den "Zufluss von fremden und europäischen Juden" für die Vertiefung des arabisch-israelischen Konflikts verantwortlich gemacht. Eine britische Tageszeitung hat das Schreiben am Sonntag veröffentlicht.

Der Brief, geschrieben am 24. November 1986, tauchte in einem öffentlichen Archiv auf. Die britische Tageszeitung Daily Mail hat sie nun veröffentlicht. Prinz Charles verfasste den Brief nach offiziellen Besuchen mit seiner damaligen Ehefrau Prinzessin Diana in Saudi-Arabien, Bahrain und Katar.

"Ich weiß nun zu schätzen, dass Araber und Juden ursprünglich alle ein semitisches Volk sind", schrieb der damals 38-jährige Prinz von Wales in seinem Brief und fügte hinzu:

Es ist der Zustrom ausländischer, europäischer Juden, vor allem aus Polen, sagen sie, der dazu beigetragen hat, große Probleme [im Nahen Osten] zu verursachen. Ich weiß, dass es so viele komplizierte Themen gibt, aber wie kann man dem Terrorismus jemals ein Ende bereiten, wenn die Ursachen nicht beseitigt werden?

Seine Schlussfolgerung:

Sicherlich muss ein US-Präsident den Mut haben, der jüdischen Lobby in den USA die Stirn zu bieten? Ich muss wohl naiv sein.

Klassischer antisemitischer Topos

Der Herausgeber der Zeitung Jewish Chronicle, Stephen Pollard, beschrieb die Kommentare von Prinz Charles als "schockierend und absolut vorhersehbar".

Gegenüber Daily Mail erklärte Pollard:

Die Frage der 'jüdischen Lobby' ist für mich eines dieser antisemitischen Themen, die seit Jahrhunderten Bestand haben. Es ist ein Mythos, dass es diese sehr mächtigen Juden gibt, die Außenpolitik, Medien oder Banken kontrollieren, oder was auch immer. Dass [die Kommentare] vom Thronfolger kommen, ist beunruhigend, um es milde auszudrücken.

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Der Pressesprecher der offiziellen Residenz des britischen Thronfolgers Prinz Charles im Clarence House betonte, dass die Ansichten im Brief von 1986 "nicht den eigenen Ansichten des Prinzen" entsprechen.

Pressesprecher: "Nicht Charles' eigene Gedanken"

"Dieser gibt an, dass das nicht die eigenen Gedanken des Prinzen über die arabisch-israelische Angelegenheit waren. Er stellte die Meinungen von einigen dar, die der Prinz während seines Besuchs traf und befragte", heißt es in der Stellungnahme. Der Pressesprecher fügte hinzu, dass Prinz Charles schlichtweg "die Argumente in der privaten Korrespondenz" mitteilte, um sein "Verständnis von dem zu verbessern, was er immer als zutiefst komplexes Thema wahrnahm".

Prinz Charles steht nicht zum ersten Mal wegen missverständlicher Äußerungen in der Kritik. Vor allem in konservativen Kreisen nimmt man neben einer als einseitig pro-arabisch empfundenen Position im Nahostkonflikt auch an kontroversen Äußerungen des Thronfolgers zu Themen wie Ökologie und Geburtenkontrolle Anstoß.

Antisemitische Tendenzen der Royals in den 1930er Jahren

Prinz Charles soll zudem nicht der Erste in den Reihen der Royals gewesen sein, die ein gespanntes Verhältnis zum Judentum offenbarten. Bereits im Jahr 2015 hatte ein Buchprojekt der Historikerin Karina Urbach für Aufsehen gesorgt, die sich mit antisemitischen Tendenzen und Affinitäten hochrangiger Mitglieder des Hauses Windsor zur nationalsozialistischen Führung im Deutschland der 1930er Jahre befasste.

Urbach erklärte damals, die Königlichen Archive hätten sich außerordentlich verschlossen gezeigt, als es darum ging, Dokumente herauszugeben, die Verbindungen des Adels zum deutschen Nationalsozialismus erkennen ließen. Die Historikerin hat in ihrem Buch "Hitlers heimliche Helfer: Der Adel im Dienst der Macht" herausgearbeitet, dass es starke Sympathien für antisemitische Bestrebungen in der britischen Oberschicht des frühen 20. Jahrhunderts gegeben hatte.