ParadisePapers: Britische Eliteunis Oxford und Cambridge haben Millionenbeträge offshore investiert

ParadisePapers: Britische Eliteunis Oxford und Cambridge haben Millionenbeträge offshore investiert
Aus Oxford sind namhafte Politiker hervorgegangen. Bild: Magdalen College, eines der 39 Oxford-Colleges, welches ebenfalls in kontroverse Offshore-Projekte investierte.
Die hoch angesehenen Universitäten von Oxford und Cambridge sowie knapp die Hälfte ihrer Colleges haben mehrfach zweistellige Millionenbeträge in Offshore-Fonds und in ein Joint Venture zur Erschließung von Erdölressourcen und Tiefseebohrungen investiert.

Sie gelten als zwei der weltweit renommiertesten und ältesten Universitäten der Welt, Oxford und Cambridge, oft zusammen als "Oxbridge" benannt. Einige der bekanntesten, vorrangig westlichen Wissenschaftler, Philosophen und Politiker wie Tony Blair, Bill Clinton und David Cameron gingen aus diesen Eliteschmiede-Komplexen hervor.

Doch jetzt offenbaren einem Bericht des Guardian zufolge die ParadisePapers, dass beide Universitäten nicht allein der hochgeistigen Lehre, sondern auch dem schnöden Mammon durchaus zugetan zu sein scheinen. Den Enthüllungen zufolge sollen die Einrichtungen beträchtliche Summen in milliardenschwere Private-Equity-Partnerschaften gesteckt haben.

Mithilfe so genannter Blocker-Unternehmen konnten die Dividenden aus den Uni-Investitionen steuerfrei bleiben. Dazu wurde in Partnerschaft mit einem Fonds, üblicherweise im US-Bundesstaat Delaware, der Fiskus umgangen beziehungsweise "blockiert".

Rentenfonds der Universitätsbediensteten deutlich im Minus

Obwohl es sich bei beiden Universitäten um öffentliche Einrichtungen handelt, die staatliche Gelder erhalten, unter anderem auch von der EU, behandelten ihre Leitungsetagen die Investitionsabenteuer bisher als "streng vertraulich".

Bisher geheim gehaltene Dokumente zeigen dem "Guardian" zufolge jetzt, dass Oxford im Jahr 2006 allein 3,4 Millionen US-Dollar in eine in der Steueroase Guernsey ansässige Private-Equity-Firma namens Coller International investiert hat. Das Geld hatte man in zwei getrennten Fonds angelegt, welche sich aus Beständen der Universität selbst und jenen einzelner Colleges zusammensetzten. Auch Cambridge investierte umgerechnet 1,7 Millionen US-Dollar in das Projekt.

Für einen der größten Fonds dieser Art scheinen öffentliche Gelder sogar die Geschäftsgrundlage zu bilden. So erhält Coller International Partners V 4,8 Milliarden US-Dollar an Kapital von fast 200 öffentlichen Institutionen.

Der größte Investor der Vermögensmasse ist Royal Dutch Shell, das britisch-niederländische Energie-Unternehmen, welches eine Milliarde US-Dollar in den Fonds steckte. Ein Joint Venture, an dem sich auch die Universitäten beteiligten, ist der Shell Technology Ventures Fund. Dieser investierte wiederum in Produktions- und Explorationstechnologien.

Ein weiterer Shell-Geschäftspartner, der Oxbridge-Gelder erhielt, war Xtreme Coil. Das Unternehmen ist auf "innovative und effiziente Bohranlagen" spezialisiert, die in der Lage sind, Ressourcen auch "in tieferen Horizonten" zu erreichen.

Den weitaus größten Beitrag in Höhe von 88 Millionen Dollar brachtehingegen das wichtigste Rentensystem des britischen Universitätssektors in die Partnerschaft ein, das Universities Superannuation Scheme (USS). In diesem Jahr gab die USS ein Defizit in Höhe von 17,5 Milliarden Pfund bekannt, das größte aller britischen Rentenfonds.

Nach einer Welle öffentlicher Kritik an den Partnerschaften zwischen den Universitäten und Unternehmen mit Fokus auf die fossile Brennstoffe verkündete Oxford im Jahr 2015, dass die Universität ihre Investitionen in Kohle und Teersand zurückziehen wolle. Die Universität investiert jedoch, obwohl staatliche Institutionen diese unter Berufung auf Studien staatlicher Forschungseinrichtungen regelmäßig als "klimaschädlich" brandmarken, weiterhin in andere fossile Energien.

Unis berufen sich auf Steuerprivileg der Gemeinnützigkeit und wollen keine Regeln gebrochen haben 

Das Cambridge zur Verfügung stehende Kapitalvolumen ist mit 6,3 Milliarden britischer Pfund das größte im gesamten europäischen Bildungsbereich. Oxford liegt diesbezüglich bei mehr als fünf Milliarden Pfund.

Cambridge meinte im Zusammenhang mit kritischen Äußerungen zu seinen Steuervermeidungsstrategien, dass die Universität und die Colleges gemeinnützige Einrichtungen seien und daher keine Steuern zu zahlen hätten. Zudem würde man sich auf einen achtbaren Finanzberater verlassen, welcher unabhängig Entscheidungen über Investitionen träfe.

Oxford rechtfertigte sich mit dem Hinweis darauf, dass Offshore-Investitionen "in der Investmentlandschaft weit verbreitet" seien, "auch im Hochschulbereich weltweit". Es gäbe eine "robuste Aufsicht" über die jeweiligen Bestände. Die Universität führte zuletzt 2014 eine "breite Konsultation" durch und habe demnach nur sehr wenig in den Energiesektor investiert.

Das nun veröffentlichte Datenleck hingegen zeigt, dass mindestens 29 Oxbridge-Colleges an Offshore-Investitionen beteiligt waren, die meisten von ihnen an dem von Coller verwalteten Öl- und Gasfonds. Einige der wohlhabenderen Colleges haben aber auch eigenständig investiert.

Laut Oxfam unterhalten 90 Prozent der 200 weltgrößten Konzerne Filialen in Steueroasen. Durch die dunklen Geschäfte verlören arme Länder mindestens 100 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das Portfolio einiger Colleges wird nach Auskunft eines Hochschulleiters vom Stiftungsmanagement der Universität verwaltet, daher seien die Colleges selbst gar nicht direkt an den Investitionen beteiligt.

Einige der finanziell besser gestellten Colleges haben zudem Geld in eine "Blocker-Firma" namens Dover Street gesteckt, welche wiederum von HarbourVest gemanagt wird.

Das Unternehmen mit Sitz in Boston investiert nach eigenen Angaben

in alle Arten von Private-Equity-Fonds, einschließlich Venture-Capital- und Leveraged-Buyout-Fonds, sowie direkt in operative Gesellschaften.

Zu den größten Investoren zählten unter anderem das Magdalen-College in Oxford mit einer Million US-Dollar. Weiterhin investiere der Gates Cambridge Trust, ein von Bill Gates eingerichteter Stiftungsfonds der Universität Cambridge, 4,5 Millionen Dollar. Der Fonds befindet sich auf den Kaimaninseln und soll an umstrittenen Geschäfte beteiligt sein.

Die Motivation der Hochschulen dafür, in Offshore-Hedgefonds zu investieren, ist die Vermeidung von Steuern auf ihre Einkünfte. Sofern eine Institution in ein schuldenfinanziertes Vehikel wie einen Hedgefonds investiert, müsste sie in den USA eine "unabhängige Gewerbeertragsteuer" auf dessen Erträge zahlen. Wie die ParadisePapers belegen, hat Coller jedoch dafür gesorgt, dass die Einrichtungen diese umgehen konnten.