Schottland bietet nordirischen Frauen kostenlose Abtreibungen an

Schottland bietet nordirischen Frauen kostenlose Abtreibungen an
Nordirinnen demonstrieren für legale Abtreibungen
In Nordirland sind Abtreibungen in den allermeisten Fällen nach wie vor illegal. Bisher zog es Frauen mit Abtreibungswunsch daher etwa nach England. Nun bietet Schottland den Frauen die Möglichkeit eines kostenlosen Schwangerschaftsabbruchs.

Die entsprechenden Regularien, die es den Frauen erlauben, schottische Abtreibungskliniken aufzusuchen, traten am Montag in Kraft. Nach Angaben der schottischen Gesundheitsministerin Aileen Campbell ginge es der schottischen Regierung nun auch darum, "Hindernisse" zu beseitigen, mit denen sich die Frauen konfrontiert sehen, wenn sie zu Abtreibungszwecken in die Highlands reisen:

Abtreibungen können eine sehr emotionale Angelegenheit sein, dennoch bin ich stolz darauf, dass diese Regierung hart daran arbeitet, es Frauen zu erlauben, den sicheren Service von Kliniken zu nutzen. Ich bin mir auch der Hindernisse bewusst, die Frauen aus Nordirland überwinden müssen, um eine Abtreibung vornehmen zu können. Daher denken wir darüber nach, was wir noch tun können, um diese Hindernisse zu beseitigen", erklärte die Ministerin.

Als die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon im vergangenen Jahr erstmals die Abtreibungs-Initiative vorstellte, sah sie sich mit heftiger Kritik vonseiten nordirischer Abtreibungsgegner konfrontiert.

Pro-Life-Gruppen kritisieren Missachtung nordirischer Gesetze

Nach Ansicht der nordirischen Abtreibungsgegner, die in Vereinigungen wie der stärker protestantisch geprägten Gruppe Precious Life oder der katholisch dominierten Youth Defence organisiert sind, würde ein entsprechender Schritt der schottischen Regierung zu einem "öffentlichen Aufschrei" führen. Anhänger der Lebensschutzbewegung weisen "Hilfsangebote" dieser Art aus dem Ausland als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes zurück. Precious-Life-Direktorin Bernadette Smyth erklärte, dass Schwangerschaftsabbrüche in Nordirland ein krimineller Akt seien. Daher würde das Angebot der schottischen Regierung

das Gesetz und den demokratischen Prozess mit Füßen treten.

Mehr zum Thema:Chronisch kranke Italienerin verklagt Krankenhaus wegen gescheiterter Abtreibung

In Nordirland ist es Frauen bisher nur erlaubt, eine Abtreibung vorzunehmen, wenn ihr eigenes Leben gefährdet ist oder sie beträchtliche gesundheitliche, geistige oder körperliche Schäden durch den Geburtsvorgang befürchten müssen. Im Gegensatz dazu stellen Behinderungen des Kindes, Inzest oder Vergewaltigung keine ausreichenden Gründe für einen legalen Schwangerschaftsabbruch dar.

Abtreibungen nun auch in England kostenlos

Die entsprechenden Prozeduren waren jedoch auch im übrigen Großbritannien bisher kostenpflichtig. Im Juni 2017 ließ die britische Regierung jedoch verlautbaren, dass die Regierung nordirischen Frauen auch in England kostenlose Abtreibungen ermöglichen werde. Seitdem verlangen die drei größten Abtreibungs-Einrichtungen in England keine Gebühren mehr für Irinnen.

Papst Franziskus bevollmächtigt alle Priester zur Lossprechung der Abtreibungssünde

Im Oktober erklärte die britische Ministerin für Gleichstellung, Justine Greening, dass Frauen mit geringem Einkommen nun auch Hilfe bei der Finanzierung der Reisekosten erhalten würden. Frauen war es bislang gestattet, in anderen Regionen des Vereinigten Königreichs private Abtreibungen vorzunehmen. Der Zugang zum kostenlosen Service des staatlichen Gesundheitsdienstes war ihnen bislang jedoch verwehrt.

Nachdem jedoch über 50 Parlamentarier einen Aufruf der Labour Party unterstützten, um Frauen einen kostenlosen Zugang zum englischen Gesundheitsdienst zu ermöglichen, fügte sich die britische Regierung schließlich dem Aufruf - offenbar um einem politischen und medialen Aufschrei zu entgehen.