Aktuelle Gallup-Umfrage: Mehrheit der Finnen eindeutig gegen NATO-Mitgliedschaft ihres Landes

Aktuelle Gallup-Umfrage: Mehrheit der Finnen eindeutig gegen NATO-Mitgliedschaft ihres Landes
Weder die Zivilbevölkerung noch die finnischen Soldaten zeigen sich begeistert von der Vorstellung, dem NATO-Militärblock beizutreten...
Die jüngste Gallup-Umfrage brachte ein eindeutiges Ergebnis: 59 Prozent der Bürger Finnlands wollen nicht, dass ihr Land NATO-Mitglied wird. Westliche Medien hingegen sprachen von einem zunehmenden NATO-Beitrittswunsch aufgrund der "russischen Bedrohung".

In der Umfrage, die im Auftrag von Helsingin Sanomat, der größten Tageszeitung Finnlands, stattfand, gaben lediglich 22 Prozent an, dass sie sich für einen Beitritt Finnlands zum von den USA geführten Militärblock interessieren würden, während 19 Prozent angaben, in der Frage unentschlossen zu sein.

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, ob sie einen NATO-Beitritt unterstützen würden, wenn das Nachbarland Schweden Mitglied des Militärbündnisses wäre. In einem solchen Szenario stieg die Zustimmung zur NATO-Mitgliedschaft auf 33 Prozent, doch die Gegner eines solchen Schrittes stellten mit 52 Prozent immer noch die Mehrheit.

Auch formal neutrale Länder wie Finnland beteiligen sich an dem Militärmanöver Northern Coasts. Quelle: Youtube

Auch bei schwedischer Mitgliedschaft Gegner in der Mehrheit

Matti Pesu, ein Forschungsstipendiat des Finnischen Instituts für Internationale Angelegenheiten, erklärte gegenüber Helsingin Sanomat, dass eine Mitgliedschaft Schwedens in der NATO von Experten immer als einer der Schlüsselfaktoren angesehen wurde, um die Stimmung der Finnen in Bezug auf den Militärblock positiv zu beeinflussen. In Anbetracht dieser Experteneinschätzung sei laut Pesu der Anstieg um elf Prozent bei der Zahl derjenigen, die einen NATO-Beitritt im Falle einer schwedischen Mitgliedschaft unterstützen, "überraschend gering".

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Die Finnen waren historisch gesehen gegenüber der NATO immer schon skeptisch gestimmt. Anfang der 2000er Jahre äußerten sich bei Umfragen lediglich 15 bis 16 Prozent positiv bezüglich einer möglichen NATO-Mitgliedschaft. Die Unterstützung für einen NATO-Beitritt erreichte 2014 mit 26 Prozent ihren bisherigen Höhepunkt. Seitdem ging die Unterstützung aber kontinuierlich wieder zurück.

Präsident: Kein Beitritt ohne Volksabstimmung

Die finnische Regierung ließ verlautbaren, dass sie derzeit keine NATO-Mitgliedschaft anstrebe, sich aber das Recht vorbehalte, um eine Mitgliedschaft zu werben, wenn sich die Sicherheitslage des Landes ändern würde. In der vergangenen Woche hatte der finnische Präsident Sauli Niinisto erklärt, dass ein Referendum erforderlich sei, wenn die Regierung einen Antrag auf Beitritt zur NATO einreichen sollte.

Ich bin überzeugt davon, dass so eine Entscheidung Legitimität und eine breite Akzeptanz voraussetzt. Ich warne davor, Entscheidungen zu treffen, bei denen ein bedeutender Teil der Bürger tiefe Wunden erleiden würde", so Niinisto gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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Auch für Schweden zeigt sich eine ähnliche Tendenz in der Bevölkerung. So ergab eine Umfrage von Sifo für die Zeitung Svenska Dagbladet im Juli 2017, dass die Unterstützung für einen NATO-Beitritt des Landes von 41 Prozent im Jahr 2016 auf 33 Prozent im Jahr 2017 gesunken ist.

Russland, das die Osterweiterung der NATO als Sicherheitsbedrohung betrachtet, hat sowohl Helsinki als auch Stockholm wiederholt davor gewarnt, dem von den USA geführten Block beizutreten, da dies unvermeidlich zu Gegenmaßnahmen aus Moskau führen würde.