Aus Todesangst vor dem Iran: Libanesischer Ministerpräsident tritt zurück

Aus Todesangst vor dem Iran: Libanesischer Ministerpräsident tritt zurück
Der zurückgetretene libanesische Ministerpräsident Saad al-Hariri in Beirut, Libanon, 24. Oktober 2017.
Der Vater des zurückgetretenen libanesischen Ministerpräsidenten Hariri verstarb durch einen Bombenanschlag im Libanon, für welchen die Hisbollah verantwortlich gemacht wird. Hariri fürchtet, dass ihm das gleiche Schicksal droht und trat nun von seinem Amt zurück. Iran sei eine Bedrohungsmacht.

Eine TV-Ansprache am Samstag besiegelte das Ende der Amtszeit des libanesischen Ministerpräsidenten Saad al-Hariri. Er kritisierte die Hisbollah und den Iran als dessen Schutzmacht und fürchtet, dass auch er Opfer eines Anschlags werden könnte: 

Ich habe gefühlt, was heimlich ausgeheckt wird, um auf mein Leben zu zielen.

Bereits vor einigen Tagen sei Hariri einem Anschlagsversuch in Beirut entkommen, so Berichte des arabischen Fersensehsenders Al-Arabija. Der Vater Hariris, Rafik Hariri, kam 2005 als ehemaliger Ministerpräsident, Geschäftsmann und Multimillionär bei einem Bombenattentat in Beirut ums Leben. Dabei starben weitere 22 Menschen.

Der Anschlag löste die "Cedar Revolution" aus. Als Resultat zogen, nach 30 Jahren Präsenz, syrische Truppen aus dem Libanon ab. Die Hisbollah wies die Verantwortlichkeit für den Anschlag zurück. Im Jahr 2010  machte Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah Israel verantwortlich, mit dem Ziel, im Libanon politisches Chaos zu verbreiten. Die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen (ICC) sah die Schuld 2014 bei dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad, konnte aber keine Beweise vorbringen. 

Als Verdächtiger gilt offiziell die Hisbollah. Saad al-Hariri: 

Die Hisbollah ist der Arm des Irans, nicht nur im Libanon, sondern auch in anderen arabischen Ländern.

Er drohte, die Hände, die arabischen Ländern schadeten, würden abgeschnitten. Der Iran hätte einen starken Willen, die arabische Welt zerstören zu wollen.

Die Rücktrittsansprache hielt er aber nicht in seiner Heimat Beirut, sondern während eines Besuchs in Saudi-Arabien. Hariri steht Riad nahe, das wiederum mit dem Iran verfeindet ist. Er besitzt sowohl einen saudischen als auch einen libanesischen Pass. 

Hariri ist ein erklärter Gegner der Hisbollah. Seit Ende vergangenen Jahres war er der Regierungschef einer breiten Koalition in dem Land am Mittelmeer. In dem Kabinett ist auch die Hisbollah vertreten. Die schiitische Partei gilt mittlerweile als eine der stärksten politischen Kräfte im multikonfessionellen Libanon - auch Präsident Michel Aoun ist eng mit der Organisation verbandelt. Die Finanzierung der Partei, so der Vorwurf, käme aus Teheran. 

Krieg der Worte

Die Sprecherin des französischen Außenministeriums warnte vor Instabilität im Libanon. Frankreich hat als frühere Mandatsmacht besonders enge Beziehungen zu Beirut. Das Lager um Hariri wird von den USA und dem sunnitischen Saudi-Arabien gestützt, dem gegenüber steht der schiitische Bock der Hisbollah, unterstützt vom Iran und Syrien. Die Anti-Iran Politik der Amerikaner schürt die Spaltung des Libanon. Der Rücktritt entfachte einen Krieg der Worte in der Region. 

Auf die Anschuldigungen Hariris sagte die Regierung in Teheran, sie wolle nur "Frieden und Stabilität in der Region" säen und betonte seine "exzellenten" Verbindungen nach Beirut. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Bayram Qassemi, sieht die Instabilität im Libanon als einen Vorteil für die USA. Mit dem baldigen Sieg gegen den IS hätten die USA so noch einen Grund, um ihre Truppen weiterhin in der Region stationieren zu können. Israelische Politiker nutzten die Resignation des libanesischen Ministerpräsidenten und verurteilten den Iran ihrerseits. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu: 

Seine Worte sind ein Weckruf an die internationale Gemeinschaft, um gegen die iranische Aggression vorzugehen. 

(rt deutsch/dpa)