Stoltenberg rechtfertigt Raketenschild neu: "Nordkoreas Raketen erreichen NATO-Staaten in Europa"

Stoltenberg rechtfertigt Raketenschild neu: "Nordkoreas Raketen erreichen NATO-Staaten in Europa"
Nordkoreas Raketen hätten nun auch die Reichweite, um Europa anzugreifen, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor seinem Besuch in Japan und Südkorea. Das westliche Militärbündnis verfüge aber über die Fähigkeiten, auf jede Bedrohung zu reagieren.

"Wir erkennen, dass auch Europa in die Raketenreichweite von Nordkorea gerückt ist und NATO-Mitgliedstaaten bereits in Gefahr sind", behauptete Generalsekretär Stoltenberg gegenüber der japanischen Tageszeitung Yomiuri Shimbun. "Die NATO schützt ihre Mitgliedsländer durch eine Abschreckung vor der Bedrohung mittels ballistischer Raketen", fügte er hinzu, aber es bedürfe noch größerer diplomatischer Anstrengungen, um eine friedliche Lösung des Konflikts zu erreichen.

"Die NATO verfügt über die Fähigkeiten und die Entschlossenheit, auf jede Bedrohung und jeden Angreifer zu reagieren", erklärte Stoltenberg in einem separaten Interview mit der Nachrichtenagentur Jiji Press, das am Sonntag veröffentlicht wurde. Er betonte jedoch, dass das Militärbündnis keinen Krieg will:

Keine NATO-Verbündeten und natürlich auch nicht die NATO selbst wollen einen Krieg. Das wäre eine Katastrophe.

Mattis: Angriff mit Nuklearwaffen wird "überwältigender Reaktion" begegnen

Stoltenberg wird am Montag und Dienstag Japan besuchen, wo er mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe und Verteidigungsminister Itsunori Onodera zusammentreffen wird. Der NATO-Chef will auch Japans Marinestützpunkt in Yokosuka besuchen, bevor er nach Südkorea reist.

US-Verteidigungsminister Jim Mattis zeigte sich am Samstag bei einem Besuch in Südkorea nachdrücklich in seiner Antwort auf die Gefahr eines Angriffs vonseiten Pjöngjangs. Der Minister äußerte:

Machen Sie keinen Fehler - jeder Angriff auf die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten wird niedergeschlagen. Und jedem Einsatz von Nuklearwaffen wird mit einer massiven militärischen Reaktion begegnet, die sowohl wirksam als auch überwältigend ist.

Washington beharrt darauf, dass Nordkorea nur noch Monate von einer glaubwürdigen nuklearen Bedrohung des US-amerikanischen Festlandes entfernt ist, und schwor, dies unabhängig von den damit verbundenen Kosten zu verhindern. Experten vermuten, dass Nordkorea im Besitz von Technologien ist, die es dem Land ermöglichen, zumindest alle Verbündeten der USA im asiatisch-pazifischen Raum einschließlich des US-Territoriums in Guam ins Visier zu nehmen.

Südkoreanische und US-amerikanische Soldaten in der Demilitarisierten Zone (DMZ), Südkorea, 27. Juli 2017.

Der Raketenabwehrschild der NATO, den die USA entwickelt haben, soll angeblich europäische Nationen vor Bedrohungen aus dem Iran und Nordkorea schützen. Der Raketenschild nutzt ein Netz von Radargeräten, bevor eine Abfangrakete von einer stationären Basis oder einem Schiff aus abgefeuert wird.

Raketenschild in Osteuropa soll 2018 komplett sein

Im vergangenen Jahr erklärte die NATO offiziell ihre Raketenabwehrbasis im rumänischen Deveselu für einsatzbereit. Damit hat sie einen Plan umgesetzt, den der ehemalige US-Präsident George W. Bush bereits 2007 angekündigt hatte. Gleichzeitig neben Rumänien bauen die USA auch Segmente des Schildes in Polen auf. Bis 2018 sollen die Errichtung des Systems abgeschlossen und der NATO-Raketenschild in Osteuropa komplett sein.

Moskau hat lange Zeit gegen Raketenabwehrpläne in Europa Einspruch erhoben und darauf bestanden, dass die nordkoreanische Bedrohung nur ein Vorwand sei. Das wirkliche Ziele solcher Systeme liege in der Neutralisierung der atomaren Kapazitäten Russlands. Auch China betrachtet den Ausbau des US-Raketenabwehrschilds im asiatisch-pazifischen Raum als Bedrohung für die eigene nationale Sicherheit und das fragile Machtgleichgewicht in der Region.