Opfer politischer Korrektheit? Neueste Asterix-Ausgabe ohne Karte des widerspenstigen Gallier-Dorfes

Opfer politischer Korrektheit? Neueste Asterix-Ausgabe ohne Karte des widerspenstigen Gallier-Dorfes
Asterix-Fans sind empört: Das Verlagshaus Hachette, welches die legendäre Comic-Reihe veröffentlicht, hat die traditionell zu Beginn stehende Gallienkarte und deren Begleittext in der neuesten Ausgabe entfernt. Kritiker wittern "politische Korrektheit".

Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die römischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum liegen…

Bisher wurde jeder Asterix-Band mit der Karte des widerspenstigen gallischen Dorfes und dem ebenso legendären Text eingeleitet. Anlässlich der Veröffentlichung der jüngsten Episode des Comic-Strips Asterix, "Asterix in Italien", am 19. Oktober zeigten sich zahlreiche Fans der Serie von Albert Uderzo und René Goscinny jedoch überrascht, als sie feststellten, dass die Karte und der bekannte Begleittext in der neuesten Ausgabe fehlten.

"Ich habe es nicht bemerkt, es waren Kunden, die uns darauf hingewiesen haben", erläutert der Geschäftsführer eines Buchladens in Rennes, gegenüber der Tageszeitung 20 Minutes.

Ein Vertreter des verantwortlichen Hachette-Verlags, welcher den neuen Band in einer Auflage von fünf Millionen Exemplaren drucken ließ, davon je zwei Millionen für den französischen und deutschen Markt, erläuterte die Entscheidung mit den Worten:

Wir haben eine Karte von Italien in die Geschichte eingefügt. Wir dachten, dies sei nützlicher als eine Karte Galliens. Es war eine bewusste redaktionelle Entscheidung.

Zudem rechtfertigt der Manager von Hachette die Eliminierung der Karte mit dem Hinweis, dass dies nicht das erste Mal sei, dass die Gallienkarte fehle. Er verweist auf den 1973 erschienenen Band "Asterix auf Korsika", in welchem statt der Gallienkarte eine Karte der Mittelmeer-Insel eingefügt war.

Der Verweis auf die fehlende Gallien-Karte bei "Asterix auf Korsika" ist jedoch nicht ganz korrekt. Denn während in der neusten Asterix-Ausgabe die einleitende Karte mit entsprechender Betextung völlig fehlt, wurde der Korsika-Band sehr wohl mit Karte und Betextung eingeleitet, nur dass die Karte ausnahmsweise nicht das besetzte Gallien, sondern Korsika zeigte.

Diese Frage ist uninteressant", fegt der Vertreter von Hachette den Einwurf im Pressegespräch vom Tisch.

Die Fans sind nicht begeistert...

Doch nicht nur die Gallienkarte sucht man in der neuesten Ausgabe vergeblich. Die bisher obligatorische Seite mit der Vorstellung der zentralen Persönlichkeiten wie Asterix, Obelix, Druide Miraculix, Dorfchef Majestix und Barde Troubadix fehlt ebenso. 

Die Comic-Serie ist heute so bekannt, dass wir es nicht für nötig hielten, die Charaktere erneut zu präsentieren, begründet der Verlag auf Anfrage seine Entscheidung.

Einige Asterix-Fans wittern hinter der Entscheidung, den neuesten Band um zwei Seiten zu kürzen, jedoch eher wirtschaftliche als redaktionelle Gründe:

Zwei Seiten = ein Blatt bei mindestens fünf Millionen Exemplaren. Eine Geste für den Planeten oder am falschen Ende gespart. Ich mochte diese zwei Seiten, es war irgendwie der Vorspann...

Diese Frage spielt keine Rolle', sagt Hachette. Nun, für mich spielt Hachettes 'Businessplan' auf diesem Album keine Rolle und ich werde es nicht kaufen!

Andere Asterix-Fans sehen wiederum eine "übertriebene politische Korrektheit" hinter der Verlagsentscheidung: 

Ich vermute ein Zugeständnis an die politische Korrektheit. Welch ein Trauerspiel.

Das nächste Album wird Obelix als Veganer präsentieren, auf dem Bankett werden die Wildschweine fehlen und der Zaubertrank wird verboten, da zu gefährlich. Ganz zu schweigen von den weniger verkloppten Römern, denn eine Schlägerei ist politisch nicht korrekt.

Selbst die Abenteuer von Asterix und Obelix sind im Jahr 2017 subversiv geworden.

Achtung, die Lektüre alter Comic-Bände wird als Akt des Widerstandes betrachtet. Besitzer von Comic-Alben werden in Lagern umerzogen, die in den besetzen Gebieten liegen.