Immobilienkrise in Schweden: Neuankömmlinge riskieren Obdachlosigkeit

Immobilienkrise in Schweden: Neuankömmlinge riskieren Obdachlosigkeit
Wohnungen in Stockholm, Schweden, 8. April 2014.
Im kommenden Frühjahr laufen die ersten Zweijahres-Mietverträge für Neuankömmlinge in Schweden aus. Zehntausenden droht die Obdachlosigkeit. Die Gemeinden halten der Nachfrage nicht stand. Besonders Menschen ohne Arbeit haben es schwer, eine Bleibe zu finden.

Seit März 2016 sind die schwedischen Gemeinden dazu angehalten, Unterkünfte für 60.000 Neuankömmlinge zu schaffen, denen Asyl gewährt wurde. In den Ausführungsbestimmungen zum entsprechenden schwedischen Niederlassungsgesetz gibt es jedoch keine Fristsetzung, bis wann die neuen Wohnstätten eingerichtet sein müssen. Die meisten Gemeinden aber gehen von einer Zweijahresfrist aus, binnen welcher die Asylanten Sprachkurse besuchen und sich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten sollten. 

Diese zweijährige Frist läuft im kommenden Frühjahr aus. Es wird geschätzt, dass dann 15.000 Menschen auf der Straße sitzen werden. Ihre vorübergehenden Unterkünfte, die sie während der Eingewöhnungsphase bewohnen konnten, werden ihnen dann nicht mehr zur Verfügung stehen. 

Schwedischer Polizist bewacht den Zustrom von Migranten in Hyllie vor Malmö, Schweden.

Jesper Schönberg von der Gemeinde Haninge im schwedischen Radio: 

Meine Ansicht ist, dass alle Gemeinden mit dem gleichen Problem konfrontiert sind. Es gibt relativ wenige [Neuankömmlinge], denen es gelungen ist, eine eigene Wohnung zu finden.

Zahl der Wohnungssuchenden in Stockholm versiebenfacht

Bis 2018 werden rund 100.000 Menschen in Schweden eine Wohnung suchen. Rund 50 bis 60 Prozent der Gemeinden geben an, dass die Lage auf dem Immobilienmarkt bei ihnen gut sei. Aber andere haben große Probleme. Schon vor dem Flüchtlingsstrom hatte ein Mangel an Wohnraum bestanden. 

Auf der Warteliste für Wohnungen in Stockholm standen Anfang 2017 bereits 556.000 Menschen. Eine alarmierende Zahl, sieben Mal höher als in den letzten 15 Jahren üblich. Es würde allein 50 Jahre dauern, alle Anfragen von Wohnungswerbern zu bedienen, die auf der Suche nach einem langfristigen Mietverhältnis aus erster Hand sind. Die Wartezeit für eine Wohnung in Stockholm liegt derzeit bei 9,1 Jahren. Im Stadtzentrum sogar bei 13,5 Jahren.