Ungewisse Zukunft des Unkrautgifts Glyphosat in Europa - Brüssel vertagt Entscheidung

Ungewisse Zukunft des Unkrautgifts Glyphosat in Europa  - Brüssel vertagt Entscheidung
Ein Traktor fährt über ein Kartoffelfeld in Lindchen, Deutschland, 13. September 2016.
Beim Thema Glyphosat gehen bei vielen die Emotionen hoch. Um das Herbizid werden erbitterte Diskussionen geführt. Die EU ringt zwar um eine klare Linie, doch zu einer Entscheidung kam es am Mittwoch nicht.

Die Entscheidung über die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in Europa ist vertagt. Das zuständige Expertengremium der EU-Länder hat am Mittwoch in Brüssel nicht abgestimmt, wie die EU-Kommission mitteilte. Stattdessen will die Kommission in den nächsten Wochen "weiter mit den Mitgliedstaaten an einer Lösung arbeiten, die größtmögliche Unterstützung hat".

Das Herbizid gilt als sehr wirksam und wird weltweit massenhaft eingesetzt, steht aber im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu belasten. Die bisherige Zulassung für Glyphosat in Europa läuft Ende des Jahres ab. Wird sie nicht erneuert, muss das Mittel vom Markt genommen werden.

Die EU-Kommission hatte ursprünglich die weitere Zulassung für zehn Jahre beantragt, war aber am Dienstag auf einen Vorschlag von fünf bis sieben Jahren zurückgegangen. Zuvor hatte das Europaparlament ein Verbot des Mittels bis 2022 gefordert.

In dem für die Entscheidung zuständigen Expertengremium, dem sogenannten PAFF-Komitee, gab es bis kurz vor der Sitzung keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Die Bundesregierung war sich nicht einig, so dass sie sich wohl hätte enthalten müssen. Die belgische Regierung teilte am Mittwoch mit, dass sie gegen eine Zulassung für weitere sieben oder zehn Jahre sei und sich der Forderung des Europaparlaments anschließe.

Glyphosat ist ein Milliarden-Geschäft

Der Wirkstoff wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Dieses Milliardengeschäft wird derzeit von der EU-Kommission geprüft. Vertrieben werden Glyphosat-haltige Mittel aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern.

Über mögliche Risiken durch den Unkrautvernichter wird seit Jahren gestritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte das Herbizid im März 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für den Menschen ein. Andere Agenturen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR sehen hingegen kein von Glyphosat ausgehendes Risiko.

Zum Einsatz von Glyphosat führte das Marktforschungsunternehmen Kleffmangroup im Juli eine Untersuchung durch. Diese kam zu dem Ergebnis, dass weltweit auf circa 400 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche Glyphosat eingesetzt wird. Der Gesamtumfang landwirtschaftlicher Flächen in der EU wird auf 178 Millionen Hektar gemessen.

Weder die Ursachen noch die Folgen des Insektensterbens sind bis dato ausreichend untersucht.

Uneinigkeit in der deutschen Politik über die Glyphosat-Zulassung 

In Deutschland findet das Erzeugnis neben dem Ackerbau auch im Wein- und Obstbau und bei der Bundesbahn Einsatz. Uneinigkeit über dessen weiteres Schicksal herrscht auch zwischen den Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) war gegen eine neue Zulassung. Angela Merkel sprach sich hingegen zusammen mit dem Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) für einen weiteren Einsatz von Glyphosat aus. 

Zudem ist das Mittel preiswert. Die Zulassung erlaubte bisher auch einen mehrfachen Einsatz im Jahr. Pro Jahr werden 850.000 Tonnen verkauft. In Deutschland belief sich der Absatz in den letzten 10 bis 15 Jahren auf etwa 5.000 Tonnen.

Bei der letzten Debatte um ein Zulassungsverbot 2016 kam es zu keiner Einigung in den EU-Staaten. Mindestens 16 Staaten, die mindestens 65 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung umfassen, müssen demnächst einen Beschluss fassen, damit dieser Gültigkeit erlangt und den Weg für die EU beim Thema Glyphosat vorgibt. 

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(rt deutsch/dpa)