Financial Times: "Das Versprechen des Kapitalismus wurde gebrochen"

Financial Times: "Das Versprechen des Kapitalismus wurde gebrochen"
Ein Mitarbeiter der Börse Londons, Großbritannien, 22. Dezember 2011.
Finanzexperten des Fachblattes erklären das Versprechen westlicher, kapitalistischer Ökonomien für gebrochen. Es fehle dort an Reformen und Plänen zur Modernisierung. Verantwortlich seien Gier der Investoren, Steuerhinterziehung und Kurzsichtigkeit.

Ausgerechnet das Leib-und-Magen-Blatt der Börsianer, die Financial Times, widmet sich dem Ende des Kapitalismus und zitiert Finanzexperten, die nach neuen Wegen suchen. So ist das Mitglied des Oberhauses Baronesse Shriti Vadera (Labour) der Ansicht, dass "ein besseres Modell das derzeitige der kapitalistischen westlichen Ökonomien ersetzen" müsse. Auch Robert Swanell, ehemaliger Verkaufsleiter von Marks and Spencer, pflichtet ihr bei. Der "Kapitalismus" habe "seinen Weg verloren". Firmen und Investoren seien in ihrem Agieren zu kurzsichtig. Carolyn Fairbairn, die Direktorin der Föderation britischer Industrien, sagte, der Kapitalismus unternehme eine Reihe von "falschen Wendungen".

Erst brannte er in Russland durch, nun brannte eine Bank in Paris.

Der Vorsitzende von Barclays und Lloyds und der ehemalige Vorsitzende von HSBC äußerten ebenfalls Kritik am vermeintlichen Überhandnehmen von Investitionen mit kurzen Laufzeiten. Yanis Varoufakis, der ehemalige griechische Finanzminister, sagte, der Kapitalismus komme zu einem Ende, da es sich selbst überholt habe. Die künstliche Intelligenz, so Varoufakis während einer Vorlesung am University College London, würde zum Ende des Kapitalismus in seiner jetzigen Form werden.

Für Varoufakis erzeugten Facebook und Google Kapital durch die gesellschaftliche Produktion und erzielten damit privatisiertes Kapital. Die neuen Technologien würden bald vielmehr Arbeitsplätze vernichten, statt welche zu kreieren. Auf die Frage, was passiere, wenn sich der Kapitalismus selbst zerstöre, hatte Varoufakis keine Antwort. Er schlug vor, gesetzlich zu veranlassen, dass zehn Prozent jeder Aktie in einen gemeinsamen Topf zu werfen seien. Hieraus könnte sich eine weltweite Basisdividende ergeben, die an jeden Bürger gezahlt würde. Spekulationen über ein "Ende des Kapitalismus" sind im Zuge des Brexits, Donald Trumps und wiederholter Finanzchrashes kein Novum. Aber, der Kapitalismus kann sich nicht selbst regulieren.