Katalanischer Regierungschef Puigdemont vertagt Unabhängigkeit - und fordert Verhandlungen

Katalanischer Regierungschef Puigdemont vertagt Unabhängigkeit - und fordert Verhandlungen
Er erklärte Katalonien heute Abend für unabhängig: Carles Puigdemont
Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat im Regionalparlament die Unabhängigkeit von Spanien gefordert. Gleichzeitig sprach er sich für einen Dialog mit dem Rest Spaniens aus. Damit ist die Unabhängigkeit zwar nicht vom Tisch, sondern nur aufgeschoben.

Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat vom Parlament in Barcelona ein Mandat zur Ausrufung der Unabhängigkeit gefordert. Zugleich schlug er den Abgeordneten aber am Dienstagabend vor, die Abspaltung auszusetzen, um zunächst Gespräche zu führen. Er rief die spanische Zentralregierung zum Dialog auf und sprach sich erneut für eine internationale Vermittlung aus. Damit ist die Erklärung der Unabhängigkeit zwar nicht vom Tisch - doch zumindest augeschoben.

„Wir sind keine Kriminellen, wir sind auch keine Verrückten“, sagte Puigdemont in seiner mit ruhiger Stimme gehaltenen Rede.

Wir sind normale Menschen und wir möchten wählen. Wir haben nichts gegen die Spanier und möchten uns mit ihnen wieder besser verstehen.

Er sei überzeugt, dass der Konflikt mit Spanien auf dem Verhandlungswege gelöst werden könne. Die weltweit mit Spannung erwartete Rede wurde zunächst um eine Stunde verschoben. Es gab unbestätigte Gerüchte, dass hinter verschlossenen Türen doch noch unter internationaler Vermittlung verhandelt wurde.

„Wir erleben einen außerordentlichen Moment von historischer Dimension“, sagte Puigdemont anschließend in seiner Rede. Es gehe um die politischen Konsequenzen aus dem Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober. Er unterstrich die Notwendigkeit, im Katalonien-Konflikt „die Spannungen zu reduzieren“ und kritisierte das massive Eingreifen der Polizei während des Referendums. Die Polizisten sollten nicht nur die Wahlunterlagen beschlagnahmen, sondern vor allem auch die katalanische Bevölkerung verunsichern, so Puigdemont.

Bei dem von der spanischen Zentralregierung und Justiz als rechtswidrig eingestuften Referendum hatten sich am 1. Oktober 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent, viele Gegner einer Unabhängigkeit boykottierten die Abstimmung. Gleichzeitig blieben aber auch viele aus Angst der Abstimmung fern.

Hätte Puigdemont heute dennoch ein unabhängiges Katalonien ausgerufen, wäre er nach Informationen des Nachrichtenportals Bloomberg wohl von der spanischen Polizei festgenommen worden.