RT-Exklusiv: Die vergessenen 4.000 Gefangenen Großbritanniens

RT-Exklusiv: Die vergessenen 4.000 Gefangenen Großbritanniens
Rund 4.000 verurteilte Kriminelle sitzen in Großbritannien auf unbestimmte Zeit ein. Grund ist ein Gesetz, zur Sicherungsverwahrung von Gefährdern für die Öffentlichkeit. Obwohl dieses auf Druck der EU abgeschafft wurde, kam es nicht zur Aufhebung bereits erteilter Haftstrafen.

Zwölf Jahre nach dem Absitzen einer dreijährigen Haftstrafe sitzt Ian Hartley auf unbestimmte Zeit hinter Gittern. Er ist einer der 4.000 Gefängnisinsassen, die sich mit dem gleichen Schicksal konfrontiert sehen. Im Jahr 2005 wurde Hartley wegen Diebstahls im Rahmen der kontroversen Haft zum Schutz der Allgemeinheit ("Imprisonment Public Protection" (IPP)) inhaftiert. Obwohl er seine Haftstrafe schon fünffach abgesessen hat, gibt es für ihn keine Aussicht auf Entlassung. Joanne Hibbert, Partnerin von Hartley gegenüber RT: 

Es wäre humaner, ihnen die Todesstrafe zu geben - wenigstens wüssten sie, dass es ein Ende gibt. Es ist eine mentale Folter. Es ist diese Ungewissheit. Die Regierung will, dass es in Vergessenheit gerät - und es wird vergessen. 

Ian Hartley
Das Gefangenenlager in Guantanamo wurde zum Inbegriff des US-Folterprogramms.

IPP wurde 2005 unter dem britischen Arbeitsminister David Blunkett vorgestellt. Das Ziel sollte sein, die Gesellschaft vor gefährlichen Sexualstraftätern und Kriminellen zu schützen, deren Verbrechen nicht schwer genug waren, um eine lebenslange Haft zu gewährleisten, und die dennoch ein ernsthaftes Risiko darstellen. 

Aber das neue Gesetz fand viel weiteren Einsatz. Die Zahl der Insassen stieg folglich an und der Bewährungsausschuss wurde überlastet. Zwischen 2005 und 2012 fand das Gesetz 8.711 mal Anwendung. Die Betroffenen waren Straßenräuber, Brandstifter und in Kneipenprügeleien verwickelt. Im Jahr 2012 wurde IPP abgeschafft, nachdem ein europäisches Gericht urteilte, es sei "willkürlich und unrechtmäßig". Auch der ehemalige Justizminister Kenneth Clarke bezeichnete es als "Fleck" im britischen Justizsystem.

Zwar wurde das Gesetz abgeschafft, aber die Urteile in dessen Rahmen nicht rückgängig gemacht. Fünf Prozent der Häftlinge Großbritanniens, 3.989 Menschen, sitzen noch nach dem  IPP-Gesetz ein. Für den britischen Steuerzahler bedeutet dies 131 Millionen Pfund pro Jahr an Kosten. Hinzu kommen die psychischen Schäden dieser Langzeitgefangenen. Selbstmordversuche und Selbstverletzungen sind die Folge der Justizfehler. 

Hartley veröffentlichte einen Brief, der sein Leid beschreibt: 

Keiner weiß, wie es in dieser Umgebung ist, es ist nicht verwunderlich, dass sich Menschen das Leben nehmen, oder sich mit Drogen vollpumpen. Vielleicht bin ich eigensinnig, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie lange ich das noch so weitermachen kann, ich brauche Emotionen, Liebe und Mitleid. Ich bekomme das lediglich jede Woche durch einen Besuch, das war's und der Rest ist dunkel und unheimlich...

Hartley will im November for einem Berufungsgericht erscheinen.