Nach deutlicher Mehrheit bei Referendum: Katalonien bereitet sich auf Abspaltung vor

Nach deutlicher Mehrheit bei Referendum: Katalonien bereitet sich auf Abspaltung vor
Der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont (rechts) und weitere Mitglieder der Regionalregierung stehen auf der Plaza Sant Jaume in Barcelona, (noch Spanien), 2. Oktober 2017. Puigdemont will noch diese Woche die Unabhängigkeit ausrufen.
Die Regionalregierung in Katalonien verbucht das Referendum über die Abspaltung der Region als klaren Erfolg. Nach eigenen Worten will sie in den nächsten Tagen die Unabhängigkeit ausrufen. Der Druck auf Ministerpräsident Rajoy wächst. Kritik gibt es auch an der bisher passiven Haltung der EU.

Am Tag nach dem von Polizeigewalt überschatteten Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat der Chef der Regionalregierung, Carles Puigdemont, mit seinen Verbündeten das weitere Vorgehen beraten. Die Regierung kam am Vormittag in Barcelona hinter verschlossenen Türen zusammen. Am Sonntagabend hatte sie mitgeteilt, 2,26 Millionen der 5,3 Millionen Wahlberechtigten hätten an der Abstimmung teilgenommen, also rund 42 Prozent.

Von diesen hätten sich 90 Prozent für eine Abspaltung der wirtschaftsstarken Region ausgesprochen. Nach den Worten von Puigdemont hat Katalonien damit "das Recht gewonnen", einen eigenen Staat zu gründen. Diesen will er bereits in den nächsten Tagen ausrufen.

Auch Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, der eine Minderheitsregierung anführt, berief verschiedene Treffen ein, darunter vor allem mit der Opposition. Am späten Nachmittag wollte er in Madrid mit dem Generalsekretär der stärksten Oppositionskraft, der sozialistischen Partei PSOE, zusammenkommen. Pedro Sánchez hatte bereits am Sonntag vor Medienvertretern erklärt, Rajoy müsse nun unbedingt in einen Dialog mit der katalanischen Führung treten:

Er muss verhandeln, verhandeln, verhandeln und ein Abkommen erzielen, das ist seine Verantwortung.

Katalanen feiern das Abstimmungsergebnis

Puigdemont hatte das Referendum trotz der Verbote der Justiz und der Zentralregierung in Madrid durchführen lassen. Aus Madrid entsandte Polizeieinheiten hatten dabei hart gegen katalanische Bürger durchgegriffen, die auf die Öffnung der Wahllokale warteten. Nach Angaben des katalanischen Gesundheitsministeriums gab es fast 900 Verletzte. Videos mit Aufnahmen von blutenden Menschen, prügelnden Sicherheitsbeamten und weinenden Kindern verbreiteten sich weltweit. 

Die katalanische Vertreterin in Deutschland, Marie Kapretz, forderte die EU am Montag auf, zwischen Madrid und Barcelona zu vermitteln:

Demokratie und Kataloniens Unabhängigkeit von Spanien-europäische Verfechter der Demokratie stehen unterschiedlich zu dem Referendum.

Kann es sich die EU leisten, klare Gewalt gegen die Bevölkerung zuzulassen? Es ist wichtig, dass die EU, einen Vermittlungsausschuss dorthin schickt, das wünschen wir uns sehr. Wir sehen in der EU den Garanten für die Einhaltung der demokratischen Spielregeln, sagte Kapretz Kapretz am Montag im Deutschlandfunk.

Auch an den europäischen Finanzmärkten hinterließ die turbulente Abstimmung Spuren. Der Kurs des Euro geriet am Montag unter Druck. Besonders deutlich zeigte sich die Reaktion bei spanischen Staatsanleihen, deren Renditen spürbar zulegten. Auch an der spanischen Aktienbörse kam es im frühen Handel zu Einbußen.

(dpa/rt deutsch)