Drohne oder Alkohol? Warum in der Ukraine Munitionslager brennen und was ARD und ZDF dazu sagen

Drohne oder Alkohol? Warum in der Ukraine Munitionslager brennen und was ARD und ZDF dazu sagen
Brand und Detonationen bei Kalinowka, Ukraine, am 26. September 2017.
In der Ukraine brennt ein Munitionslager nach dem anderen. Während die Ermittler nach den Ursachen der Brände suchen, reicht es für deutsche Medien für eine Meldung mit antirussischen Anspielungen. Von den Bränden unbeeindruckt, beharren die USA weiterhin auf die Waffenlieferungen in die Ukraine.

In Kalinkowka im Winnitzki Gebiet der Zentralukraine befindet sich das größte Munitionslager des Landes. Dort werden verschiedenen Angaben zufolge bis zu 200.000 Tonnen Munition gelagert, darunter Geschosse für verschiedene Artilleriesysteme. Am 26. September brannte es dort.

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Fünf Tage zuvor brannte ein Munitionslager bei Mariupol unweit der Frontlinie, die die selbsternannte Volksrepublik Donezk von der Restukraine trennt. Vor einem halben Jahr gab es einen gewaltigen Brand im Ort Balakleja im Charkower Gebiet in der Ostukraine. Im Oktober 2015 gab es gewaltige Brände im Waffenlager Swatowo im Luganski Gebiet, vier Menschen starben.

In der Ukraine gab es vor dem Maidan ebenso eine ganze Reihe an Großbränden in den Waffendepots – in Losowaja im Jahr 2011, 2008, in Artjomowsk im Jahr 2003, Nowobogdanowka in den Jahren 2004, 2005, 2006 und 2007. Die Brände scheinen also ein chronisches Problem der ukrainischen Streitkräfte zu sein.

Meistens stellte man Fahrlässigkeit oder fehlende Brandschutzvorkehrungen als Ursachen der Brände fest. Fast nach jedem Brand gab es auch Spekulationen, dass es sich auch um eine Spurenverwischung handeln könnte, um das Verschwinden von Munition infolge von illegalen Waffendeals zu verdecken.

Parade ukrainischer Streitkräfte anlässlich des 25. Jahrestages der Unabhängigkeit  am 24. August 2016 in Kiew.

Doch nach dem Ausbruch des Krieges im Osten des Landes, der dem Staatsstreich in Kiew folgte, hatten die ukrainischen Behörden eine neue Erklärung parat – die Brandstifter seien Saboteure der Aufständischen oder gar russische Diversanten. Das deutsche Fernsehen übernahm jedes mal bereitwillig jegliche Schuldzuweisung in Richtung Moskau: 

In der Ukraine ist am Morgen nahe der russischen Grenze ein Munitionslager in Brand geraten. Etwa 20.000 Menschen mussten in den Orten rund um das Lager in Sicherheit gebracht werden. Angaben über Verletzte gibt es bisher nicht. Vertreter des ukrainischen Militärs vermuten, ein Sabotageakt habe die Explosionen ausgelöst. Das Munitionslager liegt nördlich der Stadt Donezk. Die Stadt gilt als eine der Hochburgen pro-russischer Separatisten", berichtete die Tageschschau zu den spektakulären Bildern des gewaltigen Großbrandes am 23. März 2017.

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Abgesehen davon, dass es bei einer Entfernung von hundert Kilometern, die den Ort von der russischen Grenze trennt, nur ganz bedingt von einer „Nähe“ sprechen kann, wirkt diese Meldung so, als ob sie der Pressestelle des ukrainischen Verteidigungsministeriums entstammen könnte. Dieses hätte verständlicherweise Interesse daran, Gerüchte über die Sabotage vonseiten Moskau und „Separatisten“ zu streuen. Nichts Derartiges ist bis jetzt festgestellt worden.

In einem ZDF-Beitrag zum letzten Brand bei Winnitza heißt wieder:

Die Regierung sieht in den Bränden einen Zusammenhang mit dem Krieg im Osten des Landes.

Klar, welcher Feind bei diesem Zusammenhang gemeint ist. Dieser Zusammenhang basiert aber lediglich auf Vermutungen. Diese wiederum basierten auf Gerüchten, die möglicherweise sogar von den örtlichen Behörden in die Welt gesetzt wurden. Wie zum Beispiel von den seltsamen Geräuschen, die man kurz vom Ausbruch der Brände gehört hatte – möglicherweise von einer Drohne, wie aus dem Facebook-Beitrag von Juri Birjukow, Poroschenko-Berater, hervorgeht. Oder von mehreren Sabotagegruppen, wie örtliche Militärbeamte meldeten. Diese Diversanten hat aber bis jetzt niemand zu Gesicht bekommen.

Dafür beklagte zwei Tage nach seinem Posting ebenjener Birjukow, wie unterfinanziert die Munitionslagerung sei: statt der erforderlichen fünf Milliarden Griwna stünden in diesem Jahr nur 300 Millionen dafür zur Verfügung. die Ukraine habe es geschafft, die Streitkräfte an der Front kampfbereiter zu machen, das Hinterland sei aber immer noch unsicher, schreiben viele übereinstimmend dazu.

Dann kamen die Meldungen über die Fahrlässigkeit bei dem Ausbruch der ersten Brände auf dem Depot-Territorium, die erst nach fünf Stunden die Gebäude mit Munition erfassten, über zwei Vollbetrunkene aus der Wache und so weiter.

Jeder Obdachloser könnte dieses Depot in Brand setzen“, fasste ein Journalist, der Vorort recherchierte, zusammen.

Jetzt überhäufen sich die ukrainischen Sicherheitsbehörden mit gegenseitigen Schuldzuweisungen, die sich entlang von Parteien, Fraktionen und Machtklans ziehen. Von Diversanten von Moskaus Gnaden ist keine Rede mehr.

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In der Aufgeregtheit dieser Tage zeigten gerade die US-Amerikaner, wie unbeeindruckt sie von diesen Meldungen sind. Kurt Volker, der US-Sondervertreter für die Ukraine, Nachfolger von Viktoria Nuland, stellte heute Morgen klar: Die Entscheidung Washingtons über die Lieferung der tödlichen Waffen an die Ukraine werden von Detonationen bei Bränden im Waffendepot in Kalinowka nicht beeinflusst.

Wir kennen die ganzen Umstände nicht. Viele waren an diesen Detonationen interessiert, aber es gibt auch eine große Wahrscheinlichkeit, dass dies ein Unglücksfall war. Ich glaube, dass die Entscheidung der USA über die Gewährung von Waffen an die Ukraine vom Gesichtspunkt amerikanischer Interessen in dieser Frage abhängen wird," erklärte er.

In Russland und im Osten der Ukraine zweifelt man immer weniger daran, dass amerikanische Interessen in der Ukraine-Frage an einer permanenten Anspannung oder gar weiteren Eskalation liegen.