Frankreich: 28-Jähriger hat Sex mit elfjährigem Schulmädchen - Staatsanwalt: "Einvernehmlicher Akt"

Frankreich: 28-Jähriger hat Sex mit elfjährigem Schulmädchen - Staatsanwalt: "Einvernehmlicher Akt"
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Empörung in Frankreich: Ein Staatsanwalt hat den Vergewaltigungsvorwurf gegen einen 28-jährigen Mann mit der Begründung fallen gelassen, der Mann habe beim Geschlechtsverkehr mit einer ElfJährigen keine direkte körperliche Gewalt angewendet.

Am 24. April 2017 soll die elfjährige Sarah aus Val d'Oise, nördlich von Paris, angeblich damit einverstanden gewesen sein, einem 28-jährigen Mann in dessen Wohnung zu folgen, um sich dort mit dem zu beschäftigen, was sie ihrer Mutter zufolge als "Lehrstunden für richtiges Küssen" bezeichnete.

Der Mann namens Antoine - jetzt nur noch des sexuellen Übergriffs auf eine Minderjährige angeklagt, aber nicht mehr der Vergewaltigung - lockte dem bisherigen Ermittlungsergebnis zufolge die Sechstklässlerin in sein Wohnhaus, wo er "drei intime Annäherungsversuche" unternahm.

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Der Vater von zwei Kindern versuchte zunächst, mit dem Mädchen im Treppenhaus Sex zu haben, doch der Wachdienst des Gebäudes wurde auf das ungleiche Paar aufmerksam. Daraufhin stieg Antoine mit der Elfjährigen in den Fahrstuhl ein, wo das Mädchen angeblich Oralsex ausführen wollte. Anschließend folgte das Schulmädchen Antoine in die Wohnung seiner Eltern, wo es zum Geschlechtsverkehr kam.

"Durch Angst gelähmt"

Sobald Sarah das Gebäude verlassen hatte, soll sie "total verzweifelt" ihre Mutter angerufen haben, um ihr alles zu erzählen. Die Mutter des Mädchens reichte unverzüglich eine Anzeige wegen Vergewaltigung ein und argumentierte, ihre Tochter sei in eine Falle gelockt worden, um mit dem 28-jährigen Mann Geschlechtsverkehr zu haben.

Sarah dachte, es sei zu spät, dass sie kein Recht hätte, zu protestieren, dass es keinen Unterschied machen würde, also ging sie in den Autopilot-Modus, ohne Emotionen und ohne Reaktion", berichtete die Mutter französischen Medien.

Die Mutter argumentiert, dass ihre Tochter Sarah mit ihren 11 Jahren "nicht die Reife besitze, zu verstehen, was mit ihr geschah", und dass ihre Tochter durch Angst "gelähmt" war und sich daher nicht verteidigen konnte.

Am 26. September beschloss die Staatsanwaltschaft in Pontoise, einer Gemeinde im Nordwesten von Paris, den Tatvorwurf der Vergewaltigung fallen zu lassen und den Mann lediglich wegen "sexueller Übergriffe auf eine Minderjährige unter 15 Jahren" anzuklagen. Eine Straftat, die mit maximal fünf Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 75.000 Euro bestraft werden kann.

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Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass Sarah den sexuellen Handlungen zugestimmt habe und nicht gezwungen wurde, Geschlechtsverkehr zu haben. Sie folgte laut Einschätzung der französischen Behörden "bereitwillig dem Angeklagten", der sich ihr zuvor bereits zweimal "intim genähert" hatte.

Fehlen unverzichtbarer Tatbestandsmerkmale

"Es gab keine Gewalttätigkeit, keine Nötigung, keine Drohung und keine Überraschung", so die Argumentation der Staatsanwaltschaft in Pontoise. Diese vier Kategorien sind jedoch so genannte "unabdingbare Bedingungen", um im Sinne der Artikel 222-23 des französischen Strafgesetzbuches von einer Vergewaltigung sprechen zu können. Vergewaltigungen werden in Frankreich mit 20 Jahren Haft geahndet, wenn das Opfer minderjährig ist.

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Die Anwältin des Mädchens, Carine Diebolt, argumentierte im Gegenzug, dass der Angeklagte damit gedroht habe, Sarahs Ruf zu ruinieren, wenn sie jemandem von ihrer intimen Begegnung erzählen würde.

Wir sollten diese Debatte nicht einmal führen, wenn es um ein Kind geht. Es gibt einen Unterschied zwischen Neugier und Zustimmung zu einem sexuellen Akt mit einem 28-jährigen Kerl im Treppenhaus", erläutert Diebolt gegenüber Le Parisien.

Laut Antoines Anwalt hat der Vergewaltigungsvorwurf nicht Bestand, weil es eine ausdrückliche Einwilligung des Mädchens gibt.

"Die Frage ist nur, ob mein Mandant das Alter der Beschwerdeführerin kannte", argumentiert Rechtsanwalt Marc Goudarzian und betont:

Wir müssen zwischen Moral und strafbarer Handlung unterscheiden. Mein Klient fragte sie nach ihrem Alter, sie zuckte die Schultern und er dachte, sie sei mindestens 15 Jahre alt.

Ab 15 Jahren gilt im französischen Recht einvernehmlicher Sex mit einer volljährigen Person nicht mehr als strafbar.

Kannte der Beschuldigte die Schulhefte des Mädchens?

Außerdem behauptet Antoine, das Mädchen habe "Nacktbilder" an Fremde verschickt, was ihn angeblich dazu veranlasst habe, zu glauben, dass Sarah die Pubertät erreicht habe und viel älter sei, als sie tatsächlich war.

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Die Anwältin des Mädchens führt dagegen an, das Mädchen habe Antoine ihre Schulhefte gezeigt, so dass der Angeklagte sich sehr wohl des Alters von Sarah bewusst war.

Unter dem Eindruck der Entscheidung, die Anklage wegen Vergewaltigung fallen zu lassen, tobt eine Debatte über das französische Rechtssystem im Land und insbesondere Kinderrechtsgruppen kritisieren die Entscheidung des Staatsanwalts.

Bei dem Opfer solle sich laute marokkanischen Medienberichten um eine geistig behinderte Frau handeln.

In den meisten europäischen Ländern und auch in Deutschland besteht bei allen Sexualhandlungen Erwachsener gegenüber Personen unter 16 Jahren die "unwiderlegbare Vermutung der Abwesenheit einer Einwilligung".

Es ist ein symbolischer Prozess über die Unzulänglichkeiten bei der Definition von Vergewaltigung, die überprüft werden muss. Es handelt sich hier um eine skandalöse juristische Absurdität", so Celine Piques, Sprecherin der Feministenvereinigung Osez le féminisme, gegenüber BFMTV .

Ähnlich argumentiert Armelle Le Bigot Macaux, Leiterin der Kinderrechtsgruppe Cofrade, gegenüber dem Sender LCI:

Es ist wirklich erschreckend, dass die Staatsanwaltschaft glaubt, dass ein elfjähriges Mädchen das Urteilsvermögen eines Erwachsenen haben soll.

Der Prozess, der bereits am 26. September stattfinden sollte, wurde wegen Verfahrensfragen nun auf den 13. Februar 2018 verschoben. Antoine befindet sich weiterhin auf freiem Fuss, darf sich aber dem elfjährigen Schulmädchen zunächst nicht mehr nähern.