Macrons Rede in Paris - Beschleunigung oder Entschleunigung für Europa?

 Macrons Rede in Paris - Beschleunigung oder Entschleunigung für Europa?
Emmanuel Macron bei seiner Rede zu Europa an der Sorbonne in Paris, Frankreich, 26. September 2017.
Der französische Präsident will "europäisieren". An der Sorbonne schilderte Macron seine Pläne, zu denen eine europäische Asylbehörde, gemeinsame Verteidigung mit gemeinsamem Budget und eine europäische Staatsanwaltschaft gegen den Terrorismus zählen. Die angekündigte Vision fiel aus.

Vor der Pariser Elite-Universität Sorbonne formierte sich Protest gegen die jüngst vorgestellten Europa-Pläne Macrons, die dessen Gegner als "neoliberal" einstufen. Laut Macron soll das Europa von morgen so geeint sein, dass es alles teilt: Verteidigungsbudget, europäische Staatsanwaltschaft, gemeinsame Asylbehörde und Kampf gegen den Terrorismus durch eine eigens eingesetzte europäische Truppe. Auch gegen Naturkatastrophen müsse Europa sich gemeinsam wappnen. Europa bezeichnete er als fragiler als je zuvor. 

Emmanuel Macron während seiner Rede auf der Akropolis am 7. September 2017.

Zwischen den Wählern der EU und ihren Institutionen solle nach der Europäisierung im Sinne Macrons mehr Nähe erzielt werden: 

Der einzige Weg, der die Zukunft sichert, ist, Europa als ein souveränes, vereintes und demokratisches Europa neu aufzubauen.

Auch sprach er die rechten Strömungen in den Mitgliedsländern an, die an Boden gewinnen: 

Die Gefahren, die Ideen der Vergangenheit gedeihen wieder. 

Vor Ländern wie Großbritannien, die sich in ihren eigenen Ländern "versteckt halten", warnte Macron. Europa würde durch Globalisierung und nationalistische Gedankenströme angegriffen und fragil. Diese nutzten die Ängste der Menschen aus:

Zu lange wollten wir nicht hinsehen, wie mächtig sie [die Nationalisten in Europa] sind. 

Fehlende Pläne für Europa hätten den Nationalisten in die Hände gespielt. Die Herausforderungen Europas: "Klimaveränderung, digitaler Wandel, Migration, aber die Wahrheit ist, dies sind alles globale Herausforderungen. Ein Land in der Isolation kann sehr wenig erreichen, um dagegen anzugehen."

Europa sei einzigartig in seiner Art, sich um die Wirtschaftsmärkte und die soziale Gerechtigkeit der Menschen zu sorgen, so Macron. Zum Thema Flüchtlinge aus Afrika sagte Macron, dass es eine europäische Angelegenheit sein müsse, diejenigen "willkommen zu heißen, die wir willkommen heißen müssen" und - hier fasste sich Macron selbst an seinen Hemdkragen und zog seine Krawatte enger -, "diejenigen abzuschieben, die wir nicht willkommen heißen können". Die Worte, die folgten, fielen ihm sichtlich schwer, es waren wohl weniger seine Worte, die er hier vom Blatt ablesen musste.