"König der Faulpelze": Macron beschimpft Arbeitsreform-Gegner als faul und erntet dafür Empörung

"König der Faulpelze": Macron beschimpft Arbeitsreform-Gegner als faul und erntet dafür Empörung
Scharfe Kritik erntete der französische Präsident Emmanuel Macron für seine jüngste Schmähung von Arbeitsreformgegnern als "faul". Twitter-Nutzer erklärten ihn zum "König der Faulpelze". Macron zeigt sich unbeeindruckt und will sein Vorhaben durchziehen.

Macrons gab seinen umstrittenen Kommentar am Freitag während seines Besuchs in Griechenland zum Besten:

Frankreich ist kein Land, das offen für Reformen ist. Frankreich reformiert sich nicht [...] weil wir rebellieren, widerstehen und umgehen. So sind wir", sagte der 39-jährige Präsident während seines Besuches in einer französischen Archäologieschule in Athen.

Was Frankreich brauche, sei eine "tiefgreifende Transformation", einschließlich des Arbeitssektors, betonte Macron und er fügte hinzu, dass seine Reformpolitik "ohne Brutalität, ruhig, mit Vernunft und Verstand" durchgeführt werde.

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"Ich bin absolut entschlossen, weder den Faulenzern, noch den Zynikern, noch den Extremen nachzugeben. Und ich bitte Sie, jeden Tag die gleiche Entschlossenheit zu bewahren", unterstrich er und rief damit wütende Antworten zu Hause in Frankreich hervor.

Vor allem der "faul"- Kommentar rief unter den französischen Politikern und in den sozialen Netzwerken viel Empörung hervor.

"Emmanuel Macron liebt die Franzosen nicht"

Macrons Präsidentschafts-Konkurrent Jean-Luc Mélenchon reagierte auf die Aussage des Präsidenten mit Wut. "Dumm, zynisch, faul, alle auf die Straße am 12. und 23. September!", twitterte er und trommelte für die Unterstützung der geplanten Proteste gegen die Reform.

Benoît Hamon von der Sozialistischen Partei stürzte sich ebenfalls auf die Kommentare des Präsidenten: "Ich finde es unglaublich. Faul sind die Leute, die ohne ihr eigenes Zutun wohlhabend sind und die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen. […] Und viele dieser von sich aus Reichen haben Emmanuel Macron zu ihrem Aushängeschild gewählt."

Florian Philippot, Vizepräsident des Nationalen Front, stellte fest, dass das "Beleidigen von Menschen zu Macrons Natur geworden ist".

"Der Präsident beleidigt Menschen, die sich gegen seine Politik stellen. Emmanuel Macron liebt die Franzosen nicht, das ist sicher", schrieb Pierre Laurent, Generalsekretär der französischen Kommunistischen Partei.

Die französische Öffentlichkeit beteiligte sich ebenfalls am Twittern, um die Kommentare des Präsidenten zu kritisieren und kürte diesen zum "König der Faulpelze".

Der französische Präsident blieb jedoch unbeeindruckt.

"Die Leute wollen [meine Aussage] verzerren, um falsche Polemik zu schaffen", sagte er bei einem Besuch in der südfranzösischen Stadt Toulouse. Er fügte hinzu, dass er seinen Kommentar nicht bereue und dass das Land nicht vorankommen würde, wenn man die Wahrheit verschweige.

Die Reform der strengen Arbeitsgesetze des Landes war eine der Prioritäten des neuen französischen Präsidenten. Im August begann seine Regierung die letzte Runde der Gespräche mit den Gewerkschaften zur Liberalisierung der Arbeitsgesetze des Landes, die, so hofft die Regierung, die chronisch hohe Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent in Frankreich senken wird.

Hollande scheiterte mit weniger weitreichenden Vorhaben

Die sozialistische Regierung von Francois Hollande entfachte 2016 eine monatelange heftige Protestwelle, als sie eine vergleichsweise weniger ehrgeizige Arbeitsreform umsetzen wollte. Die Demos endeten oft in Konfrontationen zwischen der Polizei und den Demonstranten.

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Macron will den Arbeitgebern mehr Macht bei der Aushandlung der Beschäftigungsbedingungen mit den Arbeitnehmern geben. Einige glauben, das würde das Gewicht der Gewerkschaften verringern. Der ehemalige Investmentbanker will auch die Entschädigung durch die Gerichte in Kündigungsfällen kappen.

Der Generalverband der Gewerkschaft (CGT) hat bereits zu einer massiven landesweiten Massenkundgebung am 12. September aufgerufen. CGT-Generalsekretär Philippe Martinez sagte, dass mehr als 180 Demonstrationen im ganzen Land geplant sind.