Polnische Ministerpräsidentin fordert Reparationen von Deutschland für Terror und Besatzung

Polnische Ministerpräsidentin fordert Reparationen von Deutschland für Terror und Besatzung
Ein Bild von Kindern aus dem Warschauer Ghetto in Form des Ghettos, Warschau, Polen, 21. Oktober 2014.
Die polnische Ministerpräsidentin will die Reparationsfrage 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erneut stellen. Es geht um geschätzte eine Billionen Euro, vielleicht auch mehr, die Deutschland Polen durch Besatzung und Terror schulde.

Im Jahr 1953 verzichtete die polnische Regierung formell auf Reparationen gegenüber Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg. Die derzeitige Regierung Polens aber beschäftigt sich wieder mit der Reparationsfrage. Ministerpräsidentin Beata Szydło ist nun überzeugt, dass Deutschland ihrem Land Geld schuldet. 

Der polnische Außenminister Witold Waszcykowski summierte die deutsche Schuld auf 840 Milliarden bis eine Billion Euro. Aber eventuell, so der Außenminister, ginge es um noch mehr. Er sprach von einer moralischen Forderung, die zu erfüllen sei. Anlass zur neuen Debatte lieferte der Vorsitzende der rechtsnationalen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Er forderte Deutschland auf, endlich Verantwortung zu übernehmen. 

Ein Wachturm in Auschwitz-Birkenau, Polen, 26. Januar 2015.

Dabei hatte das Außenministerium festgestellt, dass der öffentliche Verzicht von 1953 rechtens sei und ein Anspruch keinen Bestand hat. Polen hat gerade zum 78. Mal dem Beginn des Zweiten Weltkriegs gedacht. Aber unüblich zu diesem Jubiläum folgte die Ansprache in der Stadt Wieluń. Hier starben zu Kriegsbeginn am 1. September 1939 2.000 Menschen infolge deutscher Bombardierungen. Präsident Duda sprach davon, dass dieser Ort ein "Symbol der Bestialität, deutscher Bestialität" sei. Darauf folgten Anspielungen auf die Wiedergutmachung, die ebenfalls wichtig in diesem Kontext sei. 

Beata Szydło gegenüber dem Radiosender RMF FM am Donnerstag:

Die polnische Regierung wird ihre Position in der Reparationsfrage offiziell vorlegen, sobald die politische Entscheidung dafür getroffen ist. Polen hat das Recht auf Reparationen, und der polnische Staat hat das Recht, sie einzufordern."

Die Bundesregierung verweist auf den Verzicht Polens von 1953. Für Deutschland gäbe es daher keine ausstehenden Forderungen. Zuvor hatte es geheißen, dass die Ministerpräsidentin den Anspruch überprüfe, jetzt aber ist sie überzeugt, dass ein Anspruch bestehe und sucht den Dialog mit Berlin. Bei einer Gedenkveranstaltung in Danzig sagte die Ministerpräsidentin, dass die polnische Wirtschaft ohne den Krieg der Deutschen heute viel besser dastünde. 

Polen ist mit seinen Forderungen nicht allein. Auch Griechenland erhebt immer wieder Ansprüche. Hier geht es um 330 Milliarden Euro.